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Baby Archie Ist er in Kanada und den USA Freiwild für die Paparazzi?

Archie Mountbatten-Windsor und Prinz Harry
Archie Mountbatten-Windsor und Prinz Harry
© instagram.com/sussexroyal
Archie Mountbatten-Windsor wird nach dem Rücktritt von Herzogin Meghan und Prinz Harry viel Zeit in Kanada - und womöglich den USA - verbringen. Und das hat Konsequenzen.

Bis das erste Foto von Archie Mountbatten-Windsor, acht Monate, aus Kanada in der Presse auftauchte, ging es schnell: Nur zwei Tage nach der Verkündung des vollständigen Rücktritts von Herzogin Meghan, 38, und Prinz Harry, 35, wurde er mit seiner Mutter auf Vancouver Island abgelichtet. Die Zeitung "The Sun" veröffentlichte die Fotos tags darauf - und sorgte damit für ein Novum: Noch nie ist ein Paparazzi-Foto von Archie auf einem Titelblatt auf der Insel erschienen. Warum es so weit kommen konnte.

Meghan, Harry + Archie sind eine Goldgrube für Fotografen

Journalistin Victoria Arbiter, 45, ist den Royals seit ihren Teenagerjahren verbunden (Vater Dickie Arbiter arbeitete von 1988 bis 2000 als Pressesprecher für die Royals) und kommentiert die Geschehnisse rund um die Familie Windsor seit langem in den internationalen Medien. Bereits im Oktober 2019 äußerte sie sich über etwaige Umzugspläne der Sussexes in die USA gegenüber  "7News Australia" kritisch: 

"In den USA darf man das alles. In Los Angeles werden Harry, Meghan und Archie von den Paparazzi verfolgt werden. Sie sind aktuell das berühmteste Paar der Welt. Fotos von Archie sind unglaublich wertvoll."

Nun zog es die Royals zunächst nach Vancover Island in Kanada. Die kleine Insel ist nur einen kurzen Flug von Los Angeles entfernt. Mal kurz rüber jetten, um ein lukratives Foto zu schießen - für skrupellose Hollywood-Paparazzi ist das kein Problem. Dean Jobb, Professor für Journalismus am University of King’s College in Halifax, sieht Gefahren für die Sussexes. "Sie tun mir leid, weil ihr Leben rund um die Uhr unter die Lupe genommen wird, vielleicht sogar schlimmer als in Großbritannien. Jedes Mal, wenn sie ausgehen, werden sie umzingelt." 

"Wir haben in der letzten Woche mehr Paparazzi-Bilder von ihr [Meghan] gesehen als seit Monaten", bemerkte "The Sun"-Chefredakteur Dan Wootton gegenüber "News Hub" an. "Glauben Sie mir, nachdem ich viel in Hollywood gearbeitet habe, gelten dort andere Regeln."

Kanada ist kein Eldorado für den Privatschutz, den sich das Paar laut eigenen Aussagen so sehnlichst wünscht. David Fraser, ein Anwalt für Datenschutz bei der kanadischen Kanzlei McInnes Cooper, sagte zu "The Telegraph": "Wir haben in Kanada nicht viel Erfahrung mit Prominenten, die Medien wegen Verletzung ihrer Privatsphäre verklagen." Das kanadische Recht hinke diesbezüglich hinter dem Großbritanniens hinterher. 

Kanada (und die USA) haben keinen "Presse-Ehrenkodex"

Nach dem Tod von Prinzessin Diana im September 1997 hat die Press Complaints Commission, die Presse-Beschwerdestelle Großbritanniens, neue, harte Richtlinien in puncto Persönlichkeitsrecht erstellt. Diese sind zwar rechtlich nicht bindend. Doch nach dem tragischen Tod der Mutter von Harry und Prinz William hält sich die britische Presse bis heute an das Gentleman-Agreement.

Ab Januar 1998 wurde die Verwendung von Teleobjektiven für das Aufnehmen von Fotos "von Menschen an privaten Orten ohne deren Zustimmung" als "inakzeptabel" eingestuft. Darüber hinaus wurde erstmals genau definiert, was als privater Ort gilt - und zwar "öffentliches oder privates Eigentum, bei dem ein angemessener Schutz der Privatsphäre erwartet wird". 

Der wichtigste - und strengste - Punkt des Kodex' betraf den Schutz der Privatsphäre von Kindern, "die nur aufgrund der Art und Weise eingeführt wurde, wie Harry und insbesondere William in der Schule verfolgt wurden", so Medienrecht-Spezialist Mike Dodd zum "TIME"-Magazine.

Der Schutz wurde nicht nur für Kinder unter 16 Jahren, sondern für alle Kinder in der Schulzeit erweitert. Außerdem wurde eine Anforderung hinzugefügt, in der es heißt: "Wo Material über das Privatleben eines Kindes veröffentlicht wird, muss eine andere Rechtfertigung für die Veröffentlichung verwendet werden sein als der Ruhm, die Berühmtheit oder die Position seiner Eltern oder seines Vormunds." Auch Baby Archie hat bisher davon profitiert.

Britische Presse beleidigt?

Mit ihrem Rückzug wollen Harry und Meghan laut ihrer Website einen "überarbeiteten Medienansatz verfolgen, um einen vielfältigen und offenen Zugang zu ihrer Arbeit zu gewährleisten." Dazu muss man als Hintergrundinformation wissen, dass es seit über 40 Jahren einen weiteren Deal zwischen den britischen Royals und der heimischen Presse gibt: das sogenannte "Royal Rota System". Damit sollen Zeitungen, Radio-Stationen und TV-Sendern Zugang zu Auftritten, Fotos und Informationen der Royals gewährt werden, die dann über eigene Publikationen in der ganzen Welt verteilt werden. Zu der Kerngruppe der vom "Royal Rota System"-Begünstigten gehören Daily Express, Daily Mail,  Daily Mirror, The Evening Standard, The Telegraph, The Times und The Sun.

Wie hinlänglich bekannt ist, kritisieren Harry und Meghan die Berichterstattung über sich in der Heimat scharf. Um "Missverständnissen" und der Verbreitung von "Fehlern" künftig Einhalt zu gebieten, wollen Harry und Meghan selbst entscheiden, welcher Reporter Zugang zu ihnen bekommt. Ein herber Dämpfer für englische Medien - und möglicherweise ein Grund (oder eine Art Trotzreaktion), warum man die Privatsphäre von Meghan, Harry und Archie künftig nicht mehr im gleichen Maße wahrt und das Gentleman-Agreement missachten wird.

Und noch eines darf man nicht vergessen: Bilder von Harry, Meghan und Archie kosten Zeitungen, Websites und TV-Sendern nicht nur Geld, sie bringen ihnen auch viel davon ein. Um mit internationalen Medien im Wettbewerb um Verkäufe, Zuschauerzahlen und Website-Klicks standzuhalten, wird man seine zurückhaltende Positionen gegenüber Paparazzi-Fotos eventuell überdenken.

Verwendete Quellen: The Telegraph, News Hub, 7News Australia, Daily Mail

jre

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