Britische Royals | Im Schatten des Throns | Teil 1: Die Geschichte von Queen Elizabeth und Prinzessin Margaret

Prinzessin Margaret (†71), Prinz Harry und Prinz Andrew sind als Mitglieder der britischen Königsfamilie ebenso privilegiert aufgewachsen wie ihre Geschwister. Doch es gibt ein entscheidendes Detail, das sie von Prinz William, Prinz Charles und Queen Elizabeth unterscheidet: Sie haben den Thron knapp verpasst. GALA wirft einen Blick auf die Royals im Schatten der Krone, auf die Nummer zwei der Thronfolge

Queen Elizabeth (l.) und ihre jüngere Schwester Prinzessin Margaret am 7. November 1998

Das zweitgeborenen Kind des amtierenden oder zukünftigen Monarchen nennt man in Großbritannien nonchalant "Spare", zu Deutsch: "Ersatz". Während Thronfolger mit der Gewissheit aufwachsen, dass sie ihr gesamtes Leben in den Dienst der britischen Krone stellen, und sukzessive lernen, wie sie diese bedeutende Rolle auszufüllen haben, ist die Position des Zweitgeborenen weniger definiert. Der Spagat zwischen der Pflicht, als Mitglied der Königsfamilie seinen Beitrag zu leisten, und dem Wunsch, dennoch ein ungezwungeneres Leben führen zu können als die Nummer eins - er ist kein leichter. Vor allem in jungen Jahren, wenn das ältere Geschwisterteil noch keine Nachkommen hat. Was, wenn etwas Unvorhergesehenes geschieht und man plötzlich zum Thronerbe aufsteigt?

Windsors

Die Thronfolge im englischen Königshaus

Platz 1: Prinz Charles (ältester Sohn von Queen Elizabeth)
Platz 2: Prinz William (ältester Sohn von Prinz Charles)
Prinz George
Den Gang über den roten Teppich meistert sie danach perfekt. Mit ihrem zurückhaltenden Lächeln verzückt sie alle.

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"In der 1000-jährigen Geschichte der Monarchie war die Rolle des 'Spare' für den britischen Erben eine knifflige Angelegenheit", sagte Victoria Arbiter, deren Vater Dickie Arbiter von 1988 bis 2000 als Sprecher von Queen Elizabeth arbeitete, gegenüber CNN. "Einige haben ganze Epochen revolutioniert, während andere den Familiennamen beeinträchtigt haben." 

Die Geschichte von Queen Elizabeth und Prinzessin Margaret

Prinzessin Margaret + Queen Elizabeth

Prinzessin Elizabeth, die spätere Queen, hat eine besondere Geschichte als Thronfolgerin: Als sie am 21. April 1926 als Tochter von Prinz Albert und Elizabeth, Herzogin von York, geboren wird, ist sie nicht einmal ein "Spare". Sondern nur Platz drei der Thronfolge nach ihrem Onkel und nach ihrem Vater. Das Unerwartete, das ihr Leben für immer verändern sollte, trat am 11. Dezember 1936 ein: King Edward VIII. dankt aus Liebe zu der US-Amerikanerin Wallis Simpson ab; Prinz Albert besteigt als King George VI. den Thron. Elizabeth ist zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alt, ihre Schwester Margaret sechs.

König George VI. (l.) und Königin Elizabeth (r.) mit ihren Kindern Prinzessin Margaret (v.l.) und Prinzessin Elizabeth (v.r.) am Tag der Krönung von George, dem 12. Mai 1937

  
Der guten Beziehung der Schwestern schadet die veränderte Situation nicht. Sie wachsen in einem engen Verhältnis zueinander auf, verbringen viel Zeit miteinander. Sie werden von Gouvernanten aufgezogen und von Privatlehrern unterrichtet; Schulkameraden haben sie nicht.
Doch mit dem Tod ihres Vaters am 6. Februar 1952 - Elizabeth ist 25 Jahre alt, Margaret 21 - sollte sich das Leben der beiden erwartungsgemäß ändern: Aus Prinzessin Elizabeth wird "Elizabeth the Second, by the Grace of God, of the United Kingdom of Great Britain and Northern Ireland and of her other realms and territories Queen, Head of the Commonwealth, Defender of the Faith". Und Margaret?

Die Prinzessinnen Elizabeth (l.) und Margaret im Jahr 1941 auf Schloss Windsor

Zunächst einmal scheint sie den vielleicht besseren Part zugespielt bekommen zu haben: Sie muss weniger Verpflichtungen nachkommen als ihre ältere Schwester, geht zum Beispiel seltener zu Terminen und steht nicht unter permanenter Beobachtung. Die Pflicht - in Augen mancher vielleicht sogar Bürde -, das Königreich zu regieren und als Oberhaupt des Commonwealth zu agieren, fällt Elizabeth zu. Margaret hingegen raucht, trinkt, feiert. Sie liebt Empfänge und Partys mit berühmten Persönlichkeiten. Freunde attestieren ihr, ein Rebell zu sein. Dann stellt das Schicksal die Nummer zwei der Thronfolge auf eine harte Probe. Schuld, wie so oft, ist die Liebe.

Peter Townsend und Prinzessin Margaret während einer Reise der Royals in Südafrika im Jahr 1947

Prinzessin Margaret und ihre verbotene Liebe zu Peter Townsend

Prinzessin Margaret lernt ihren Traummann bereits im zarten Alter von 14 Jahren kennen. Der ehemalige "Royal Air Force"-Pilot Peter Townsend, damals fast 16 Jahre älter als sie, wird 1944 als Stallmeister ihres Vaters König George VI. engagiert. Etwa sieben Jahre nach dem Kennenlernen, so soll es Townsend laut britischen Medien einst selbst berichten haben, entsteht eine romantische Beziehung zwischen ihm und der Prinzessin. Das Problem: Townsend ist zu diesem Zeitpunkt verheiratet und Vater zweiter Söhne. Selbst als er sich 1952 scheiden lässt und Margaret um ihre Hand bittet, ist ein Happyend des Paares in weiter Ferne.

Die Affäre mit Margaret, über die man schon seit geraumer Zeit munkelt, wird 1953 öffentlich - und das durch ein winziges Detail: Bei der Krönung von Queen Elizabeth am 2. Juni 1953 bemerkt ein Zeitungsreporter, dass die Prinzessin einen Fussel von Townsends Jacke wischt. Worüber sich heute niemand wundern würde, gilt damals als intime Geste. 

Queen Elizabeth zwischen Pflicht und Schwestern-Liebe

Die Queen sieht sich der bis dato schwierigsten Entscheidung ihres Lebens gegenüber: Nach dem Royal Marriages Act von 1772 muss sie die Ehe genehmigen, weil Margaret erst 25 Jahre alt ist. Unter Druck des damaligen Premierministers Winston Churchill und der Church of England, die prinzipiell gegen die Wiederheirat eines Geschiedenen sind, verbietet die Queen ihrer Schwester die Hochzeit. Townsend trotzdem zu heiraten, würde weitreichende Konsequenzen für Margaret haben: Sie würde alle königlichen Privilegien und ihre Apanage verlieren. Townsend wird kurzerhand aus der Schusslinie gebracht und nach Brüssel versetzt. Es heißt, man habe versucht, die Beziehung auf diese Weise zu unterwandern. Mit Erfolg - und das, obwohl Margaret mit dem Eintreten ihres 25. Geburtstages ein Mittel gehabt hätte, sich gegen ihre Schwester aufzulehnen.

Im Schatten der Königin: Prinzessin Margaret (hinten) und ihre Schwester (vorne) besuchen am 27. Oktober 1952 eine Filmvorführung auf dem Leicester Square in London. Zu diesem Zeitpunkt sollen sich Margaret und Peter Townsend schon näher gekommen sein

 

Das Ende einer großen Liebe

Am 21. August 1955 feiert Margaret ihren 25. Geburtstag - und damit eine entscheidenen Veränderung: Sie kann das Parlament bitten, die Ablehnung der Queen zur Hochzeit mit Townsend außer Kraft zu setzen. Doch dies wäre ein Skandal für das britische Königshaus gewesen, erst recht nach der Abdankung Edwards VIII. aus Liebe zur US-Amerikanerin Wallis Simpson. Also wird hinter den Kulissen ein Kompromiss ausgearbeitet, denn zu Margarets Glück ist mit Anthony Eden nun ein Premierminister an der Macht, der selbst geschieden und zum zweiten Mal verheiratet ist. 

Der Hochzeitsdeal: Eden verpflichtet sich, das Royal Marriages Act dahingehend zu ändern, dass Margaret und ihre zukünftigen Kinder bei einer Hochzeit mit Townsend aus der Thronfolge ausscheiden. Die Erlaubnis der Königin würde dadurch obsolet werden. Zu Margarets Wohlwollen gab es weder eine Klausel, die sie aus der königlichen Familie ausgeschlossen noch sie und Townsend ins Ausland gezwungen hätte. Die BBC zitiert 2004 aus einem Brief, den man dem Premierminister als Antwort übersendet haben soll: Obwohl die Königin aufgrund der Scheidung von Townsend die formelle Erlaubnis für die Ehe nicht erteilen würde, würde "Ihre Majestät dem Glück ihrer Schwester nicht im Wege stehen wollen". Doch dann passiert etwas, womit wohl niemand gerechnet hat. 

Hat Margaret kalte Füße bekommen?

Am 31. Oktober 1955, nur drei Tage, bevor der endgültige Entwurf des Hochzeitsdeals aufgesetzt werden soll, hat Margaret der Öffentlichkeit eine überraschende Mitteilung zu machen: "Ich möchte wissen lassen, dass ich mich entschlossen habe, Group Capt. Peter Townsend nicht zu heiraten. In Anbetracht der Lehren der Kirche, dass die christliche Ehe unauflöslich ist, und dem Bewusstsein meiner Pflicht gegenüber dem Commonwealth habe ich beschlossen, diese Bedeutung über andere zu stellen." In einem offizielle Brief soll Premierminister Eden die Entscheidung wie folgt mitgeteilt worden sein:  "Es ist Prinzessin Margarets Wunsch, dass sie weiterhin im Vereinigten Königreich leben und ihre öffentlichen Pflichten als Mitglied der königlichen Familie wahrnehmen kann." Warum Margaret trotz der Zugeständnisse seitens der Regierung auf Townsend verzichtete, ist offiziell nicht bekannt.

Auf diesem Foto, das Prinzessin Margaret anlässlich ihres 26. Geburtstages am 21. August 1956 zeigt, wirkt sie nachdenklich und beinahe unglücklich. Zehn Monate zuvor hatte sie öffentlich verkündet, ihre große Liebe Peter Townsend nicht heiraten zu werden

Peter Townsend selbst schrieb 1978 in seiner Autobiographie "Time and Chance": "Sie hätte mich nur heiraten können, wenn sie bereit gewesen wäre, alles aufzugeben - ihre Position, ihr Ansehen, ihre finanziellen Mittel. Ich hatte einfach nicht das Gewicht (...) um alles auszugleichen, was sie hätte verlieren können."

Tatsächlich: Inoffiziell soll Margaret Premierminister Eden laut "The Telegraph" bereits am 15. August 1995 einen Brief gesendet haben, in dem sie Zweifel an einer Trauung offenbarte. Etwas Ähnliches erzählt später auch ihre Freundin Lady Jane Rayne in der BBC-Dokumentation "Princess Margaret: The Rebel Royal": "Sie sah aus, als wäre sie absolut untröstlich, aber ich glaube nicht, dass sie das war. Sie hat alles abgewogen, um zu realisieren, wie ihr Leben gewesen wäre, hätten sie [und Peter] geheiratet."

Das Leben nach Peter Townsend

Im Mai 1960 heiratet Margaret in der Westminster Abbey den Fotografen Antony Armstrong-Jones, später Lord Snowden. Das Paar bekommt zwei Kinder, David und Sarah. Doch das Glück, es sollte ihnen nicht erhalten bleiben. "Margarets Vorstellung von einer Ehe unterschied sich stark von Tony", sagt Anne de Courcy, die ein Buch über Lord Snowdon geschrieben hat. "Er hatte Eltern, die sich getrennt hatten, während die Ehe Margarets Eltern und ihrer Schwester sehr glücklich war. Sie erwartete, dass ihr Mann mehr bei ihr sein würde, aber eines der stärksten Motive von Tony war die Arbeit." Beide beginnen Affären. "Es waren keine Racheakte", sagt Anne de Courcy über Margarets außereheliche Treffen. "Sie wollte sich nur begehrt fühlen." 1976 trennen sie und Armstrong-Jones sich, zwei Jahre später gibt der Palast die Scheidung bekannt. Das hatte es, schreiben britische Medien, seit dem 16. Jahrhundert nicht mehr gegeben.

Armstrong-Jones zieht nach Frankreich und heiratet erneut. Auch für Townsend ist das Leben ohne Margaret weitergegangen: Er gibt 1959 eine Frau namens Marie-Luce Jamagne sein Jawort. Die Ehe, aus der eine Tochter hervorgeht, hält bis zu seinem Tod. Er und die Prinzessin, die nach der gescheiterten Ehe zu Armstrong-Jones nie wieder heiratete, sollten sich nur noch einmal wiedersehen. 

Antony Armstrong-Jones und Prinzessin Margaret zeigen sich nach ihrer Hochzeit in der Westminster Abbey in London am 6. Mai 1960.

Lady Anne Glencoccer, eine enge Freundin Margarets, erzählte 2018 in der Dokumentation "Elizabeth: Our Queen", dass sie sich mit Margaret über das Treffen unterhalten habe. "Peter Townsend ging mit ihr zum Mittagessen, und ich sagte: 'Wie war es, ihn zu sehen?' Sie sagte: 'Charmant, er hatte sich überhaupt nicht verändert.'" Dass er rein äußerlich gealtert war, machte für Margaret keinen Unterschied. "Ich schaute aus dem Fenster und sah ihn aus dem Auto steigen, er war ein alter Mann", soll sie zu Lady Anne Glencoccer gesagt haben. Doch in ihren Augen sei er immer noch derjenige gewesen, in den sie sich damals verliebt habe.

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Zwei Jahre nach dem Wiedersehen mit Prinzessin Margaret stirbt Townsend im Alter von 80 Jahren in Paris. Die Schwester der Queen sollte nicht mehr glücklich werden: 1998 erleidet sie einen leichten Schlaganfall; kurze Zeit später folgt ein Sturz, der zu einer dauerhaften Beeinträchtigung ihrer Bewegungsfähigkeit führt. Weitere Schlaganfälle folgen in den Jahren 2000 und 2001, sie ist nun dauerhaft auf den Rollstuhl angewiesen. Am 8. Februar 2002 stirbt Prinzessin Margaret im Alter von 71 Jahren.

Einer der letzten Auftritte von Prinzessin Margaret: Beim 101. Geburtstag ihrer Mutter Queen Mum (l.) am 4. August 2001 ist sie bereits schwer gezeichnet, sitzt im Rollstuhl. Wenige Monate später, am 9. Februar 2002, stirbt Margaret im King Edward VII's Hospital in London

 Verwendete Quellen: CNN, BBC, The Express, Town&Country Magazine, Daily Mail, The Telegraph

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