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Prinz Harry + Herzogin Meghan Nach Mobbing-Vorwürfen: Kommt jetzt der "Krieg der Sussexes?"

Prinz Harry, Herzogin Meghan, Prinz William und Herzogin Meghan
© Getty Images / Dana Press
Einen "Scoop" nennen es die Briten anerkennend, wenn ein Journalist eine herausragende Geschichte zu Papier gebracht hat. Was Valentine Low am 2. März 2021 auf der Website der Zeitung "The Times" veröffentlicht, ist ein solcher "Knüller" –  und zwar einer, der das Haus Windsor in den schlimmsten PR-Krieg seit Prinzessin Diana und Prinz Charles führen könnte. 

Es sind schwerwiegende Anschuldigungen, mit denen Herzogin Meghan, 39, konfrontiert wird. Mehrere Personen aus dem Umfeld des Kensington Palastes geben an, dass die Ehefrau von Prinz Harry, 36, während ihrer Zeit in London Mitarbeiter "schikaniert", "gedemütigt" und "schrecklich behandelt" habe. 

Die Antwort der Sussexes auf den Artikel ist als außerordentlich zu bewerten: Man sei Opfer einer kalkulierten Schmierkampagne geworden, die auf irreführenden und schädlichen Fehlinformationen beruhe. Die "Times" werde "vom Buckingham Palast benutzt [...], um eine völlig falsche Erzählung zu verkaufen", heißt es weiter. Es ist eine höchst empfindliche und gefährliche Grenze, die mit diesen Worten überschritten wird.

Weder das Paar noch der Palast haben sich zuvor jemals so explizit eines Angriffes beschuldigt. Eines ist klar: Sowohl in London als auch in Santa Barbara brodelt es; die Fronten sind verhärtet. Die Ankündigung des Palastes am Abend, die in der "Times" angesprochenen Vorfälle zu untersuchen, wird die angespannte Lage noch einmal verschärfen.

Wie vertrauenswürdig ist der Bericht von "The Times"?

Die 1785 gegründete "The Times" ist kein Boulevardblatt wie "Daily Mail", "Sun", "Express" oder "Mirror". Sie beteiligt sich zwar an der Berichterstattung über Prinz Harry und Herzogin Meghan, und das muss sie auch, um für ihre Leserschaft relevant zu bleiben. Doch im Vergleich zur Konkurrenz bleiben Ton und der Umfang der Artikel moderat. Zuletzt hatte sich "The Times" im August 2020 hervorgetan, weil sie als einzige Zeitung Vorab-Auszüge aus der Harry-und-Meghan-Biographie "Finding Freedom" abdrucken durfte.

Herzogin Meghan

Mobbing-Vorwürfe gegen ein hochrangiges Mitglied der Königsfamilie zu erheben ist heikel. Zum einen belastet es die Beziehung der "Times" zum Palast, zum anderen könnte von Seiten der Sussexes juristische Schritte eingeleitet werden. Dass die Zeitung zu ihrer Geschichte steht, deutet auf eine starke Beweislast gegen Meghan hin. Valentine Low ist sich offenbar sicher, dass seine Gesprächspartner die Wahrheit sagen. Was ihm Recht zu geben scheint: Prinz Harry und Herzogin Meghan verurteilen die Berichterstattung über ihre Anwälte zwar aufs Schärfste, ein klares Dementi der Vorfälle bleiben sie aber schuldig.

Warum werden Vorwürfe ausgerechnet jetzt publik?

Fakt ist: Die Vorwürfe gegen Herzogin Meghan kommen a) überraschend und b) zu einem auffälligen Zeitpunkt. Schon im Oktober 2018 soll Jason Knauf, der damalige Kommunikations-Sekretär der Sussexes, eine beunruhigende E-Mail an die Chefin der Personalabteilung des Buckingham Palastes geschrieben haben. Er sei besorgt, dass Meghan zwei persönliche Assistenten aus dem Haushalt "schikaniert" habe; ihr Verhalten sei "völlig inakzeptabel" gewesen. Nichts davon drang an die Öffentlichkeit – bis jetzt.

Die Vermutung liegt nahe, dass das für 7. März angekündigte Interview von Prinz Harry und Herzogin Meghan mit Oprah Winfrey den Palast und/oder betroffene Mitarbeiter verärgert hat. Tatsächlich spiele das Gespräch eine Rolle, sagt Valentine Low zu "ITV News". Allen voran gehe es aber darum, dass das Personal endlich seine Sicht der Dinge über Herzogin Meghan erzählen wolle.

Die Identität seiner Quellen gibt Valentine Low, der seit 2008 für die "Times" über die Königsfamilie berichtet, nicht preis.  Manche von ihnen seien "verletzt und angeschlagen" und "immer noch in einem fragilen Zustand". Die Details des Artikels – wie beispielsweise Zitate aus E-Mails – deuten allerdings darauf hin, dass die Informanten aus dem aktuellen und/oder vergangenen "Inner Circle" des Königshauses stammen.

Haben Prinz Charles und Prinz William etwas mit dem Leak zu tun?

Aus Sicht des Palastes ist es nachvollziehbar, dass die Geduld mit Prinz Harry und Herzogin Meghan erschöpft ist. Einen sauberen Schnitt hat der Megxit vielleicht auf dem Papier gebracht, in der öffentlichen Wahrnehmung allerdings nicht. Umso schwerer ist dieser Umstand zu akzeptieren, wenn man zum Schutze der Monarchie zum Schweigen verpflichtet ist. Über die Palastmauern dringt nur so viel hervor: Prinz William, 38, sei "schockiert und traurig" über das Oprah-Interview.

Hat es ihn – oder ein anders hochrangiges Mitglied der Königsfamilie ­­– dazu verleitet, gegen Herzogin Meghan vorzugehen? Immerhin sind die vertraulichen E-Mails, aus denen "The Times" in seinem Bericht zitiert, zwischen den damals engsten Mitarbeitern von Prinz William und Prinz Harry verschickt worden.

Gegenüber "ITV News" stellt Valentine Low klar, dass es keine Sache zwischen dem Palast und den Sussexes sei, sondern zwischen Privatpersonen und den Sussexes. 

Ob sich die schikaniert gefühlten Mitarbeiter mit oder ohne das Wissen von Queen Elizabeth, Prinz Charles und William an die Presse wandten, ist die nächste Masterfrage. Für einen Alleingang spricht, dass nach der Beschwerde-E-Mail an die Personalabteilung 2018 nichts zum Schutze der Mitarbeiter unternommen wurde und der Palast von den "Times"-Informanten beschuldigt wird, Meghan "ständig beschützt" zu haben.

So oder so sind die Royals jetzt offenbar um Schadenbegrenzung bemüht. Nicht einmal 24 Stunden nach der Veröffentlichung des "Times"-Artikels – und damit ungewöhnlich schnell – kündigte der Buckingham Palast eine Untersuchung der Vorwürfe gegen Meghan an. "Mobbing oder Belästigung am Arbeitsplatz" würden nicht toleriert werden, heißt es. 

Wer auch immer für den Leak der Anschuldigungen gegen Meghan verantwortlich ist: Er nimmt in Kauf, dass für sein Vorgehen ein hoher Preis eingefordert werden könnte. Actio und Reactio. Dieses Gesetz gilt nicht nur in der Physik, sondern auch in der zwischenmenschlichen Kommunikation. Heißt: Eine Antwort von Prinz Harry und Herzogin Meghan wird nicht ausbleiben. Sie sind überzeugt, dass der Palast an dem Leak beteiligt ist und eine "Schmierkampagne" gegen sie gestartet hat. Damit könnte eine gefährliche Kaskade in Gang gesetzt werden, die so schnell nicht mehr aufzuhalten ist – und alle Parteien zu Verlierern macht. 

Queen Elizabeth, Prinz Charles, Herzogin Catherine und Co.

Wiederholt ein "Krieg der Sussexes" die Geschichte von Prinz Charles und Prinzessin Diana?

Was passiert, wenn Familienfehden im Hause Windsor öffentlich ausgetragen werden, zeigen die 1980er und 1990er Jahre. Damals gingen der Prinz und die Prinzessin von Wales in einem solchen Ausmaß gegeneinander vor, dass Medien den "Krieg der Walses" ausriefen. Nur höchst selten wuschen Charles und Diana persönlich schmutzige Wäsche. Die goldene Kommunikationsregel des Palastes – "Beschwere dich nie, erkläre dich nie" – umgingen sie, in dem sie andere mit Informationen versorgten und als Sprachrohr benutzten. Während sich die Titelblätter mit dem Machtkampf des Walses füllte, gerieten die royalen Pflichten zur Nebensache.

Im Dezember 1995, nachdem Prinzessin Dianas mit dem "Panorama"-Interview endgültig die rote Linie überschritten hatte, zog die Queen die Reißleine – und ordnete nach Jahren der öffentlichen Schlammschlachten die Scheidung ihres Sohnes und ihrer Schwiegertochter an. 

Prinz Harry hat die Scheidung vom Königshaus formal am 8. Januar 2020 eingereicht. Er, Meghan und der gemeinsame Sohn Archie, ließ Queen Elizabeth danach in einem Statement verlauten, würden jedoch weiterhin geliebte Mitglieder der Königsfamilie bleiben. Damit diese Aussage Bestand hat und ein "Krieg der Sussexes" verhindert wird, muss jemand erneut die Reißleine ziehen – und die Fehde zwischen Harry und Meghan mit dem Palast ein für alle Mal beenden. Es scheint an der Zeit für Queen Elizabeth, nach 26 Jahren ein neues Machtwort zu sprechen. 

Verwendete Quelle: eigene Recherche

Gala


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