Rückblick: Scheiden macht Spaß, tut aber auch ein bisschen weh

Die Niederlande erlebten einen entspannten Tag des Thronwechsels, an dem eine noch gesunde Königin das Amt an ihren zukunftsorientierten Sohn weitergab. Alle waren gut gelaunt, eine Thron-Übergabe wie aus dem Bilderbuch. Doch es gab natürlich auch emotionale Momente und das eine oder andere Tränchen

Die frischgebackene Prinzessin Beatrix, ehemals Königin, kann während der religiösen Huldigungszeremoie in der Nieuwe Kerk die Tränen nicht ganz zurückhalten.

Sie war entspannter als oft zu ihren Königinnenzeiten. Doch Beatrix der Niederlande, gerade noch Königin, jetzt dann Prinzessin, zeigte an diesem sonnigen Thronwechseltag aber alle emotionalen Facetten.

Kurz vor der Abdankung wirkte sie locker und geschäftsmäßig, als ob sie jeden Tag vor einer Runde ernst dreinblickender Gestalten mit Kugelschreibern vor der Nase eine Kalligraphie-Urkunde hinlegt und sich mit schwungvollen Federstrichen zur Ruhe setzt.

Beatrix und Willem-Alexander

Dass sie ihr Amt so beruhigt weitergeben kann, liegt auch daran, dass sie es in gute und erfahrene Hände gibt. Nachdem die drei wichtigsten Unterschriften unter die Abdankungsurkunde geleistet worden waren, gab es den Moment, als sich Mutter und Sohn fest die Hand reichten, das war wie eine kleine Einsegnung für sich. Jeder Minute dieses Tages war der Königsfamilie ihre Geschlossenheit und viel Harmonie von Generation zu Generation anzumerken. Ganz oft wurden Blicke und Lächeln ausgetauscht, umarmten sich Schwiegermutter und Schwiegertochter, hat man sich einander zum Gespräch zugeneigt. Kein Wunder - draußen herrschte ja der ohrenbetäubende Lärm der Menschenmassen.

Wunderschön der Augenblick, als nach Beatrix auch Willem-Alexander, der neue König, und Máxima den Balkon betreten, sich an die Seiten von Prinzessin Beatrix stellen und der Sohn und seine Mutter sich an den Händen fassten angesichts dieser überwältigenden Reaktion der Menschen - sie, die sie doch alle schon seit Jahrzehnten fleißig Menschenkontakte und Balkonszenen trainieren konnten. Dennoch war heute ein besonderer Tag.

König Willem-Alexander dankt seine Mutter mit einem Kuss.


Besonders innig waren auch die Worte, die König Willem-Alexander später bei der Huldigungszeremonie an seine Mutter richtete: "Du warst Tochter, Familienoberhaupt, Mutter – jeder dieser Funktionen wolltest Du immer gleichermaßen gerecht werden. Das führte natürlich manchmal zu inneren Konflikten. Aber deine vielen Pflichten konntest Du immer voller Inspiration in Einklang bringen. Man hat sich nie vergeblich an dich gewendet – auch wenn du persönlich traurig warst". Beatrix lächelt, und ihre Augen sind feucht. "Du warst immer für einen festen Kurs und ich trete in deine Fußstapfen", erklärt der blonde 46-Jährige weiter. Und endet mit den warmen Worten: "Vielen Dank für die vielen schönen Jahre, in denen wir dich als Königin haben durften." Der Applaus in der Kirche war lang und laut.

Während der Rede von König Willem-Alexander in der Huldigungszeremonie muss Königin Máxima schon ein bisschen Schluchzen.


Und auch seine Frau Máxima musste sich ein paar Mal während der kleinen Rede Willem-Alexanders die Augen abtupfen, auch für ihre Hingabe, ihre Leidenschaft und ihre Rolle als künftige Königin fand er die richtigen Worte. Das Leben in einem Haushalt mit vier Frauen hat den Oranier offenbar Jahr für Jahr wortgewandter gemacht.

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Dass es wegen der rührenden und gleichzeitig protokollarisch genau geplanten Momente nicht auch noch stocksteif zugehen muss, zeigte dann ausgerechnet die scheidende Königin, die in ihrer Amtszeit nicht unbedingt am meisten durch ihre lockere Art geglänzt hätte. Doch heute war sie ganz stolze Mutter und Großmutter. In der Kirche alberte sie vor der Zeremonie mit ihren Enkelinnen herum und sorgte damit für viele schöne Fotomomente. Vielleicht ist das eine der neuen Freiheiten, die Prinzessin Beatrix, die "Königin im Ruhestand", sich jetzt öfter gönnen wird. Denn sie wird sich nicht ganz aus der Öffentlichkeit zurückziehen.

Prinzessin Beatrix scherzte mit ihren drei Enkelinnen herum und sorgte damit für schöne Fotomomente. In einer so gelösten und lockeren Stimmung erlebte man die 75-Jährige in ihrer Amstzeit nicht häufig.

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