Royals in Hamburg: Blumen für die Königin

Wenn eine Königin in die Stadt kommt, dann werden kleine Prinzessinnen neugierig. Auf der Spur der Royals mit einer Sechsjährigen

Warten auf die Königin

Sechsjährige Mädchen lieben Prinzessinnen und fühlen sich oft selbst wie eine. Sechsjährige Mädchen werden daher ganz aufgeregt, wenn sie hören, dass eine waschechte Königin in die Stadt kommt. Sie will sie sehen, ihr die Hand schütteln, ihr ein selbst gemaltes Bild und die Blumen auf dem neuen Kleid zeigen.

"Sind ihre Prinzessinnen-Töchter auch da?"

Das Mädchen hat jede Menge Fragen darüber, wie es sich als echte Prinzessin lebt. Aus einem Haarreifen und einem orangefarbenen Haarband hat es sich eine Art Krone gebastelt. Dass die drei Mädchen von Königin Máxima und König Willem-Alexander gar nicht mit ihren Eltern reisen, weil sie daheim nicht in der Schule fehlen dürfen, kann es sich gar nicht vorstellen. "Eine Prinzessinnenschule?" - Disneys "Prinzessin Sophia" lässt grüßen. Nein, eine ganz normale Schule. "Waas? Es gibt Kinder, die mit einer echten Prinzessin in die Schule gehen?"

"Sind wir eher da als die Königin?"

Das Mädchen sitzt in der U-Bahn und überlegt, welche andere Passagiere auch unterwegs zum Rathaus sein könnten. Es kann kaum stillsitzen. Beim Aussteigen würde es am liebsten losrennen. Doch die Menschenmenge am Rathaus wirkt abschreckend. Ein Platz in der Menge muss gefunden werden, am besten einer, auf den das Königspaar aufmerksam werden kann. Also bei den bunt gekleideten Holländern, die ihre Landesflaggen über die Absperrung gehängt haben. Ganz schön weit weg vom Eingang. Aber sie sind laut und fröhlich und definitiv Landsleute des Königspaares - vielleicht hilft das. Die Absperrung ist so weiträumig, dass schwer abzuschätzen ist, ob der royale Besuch vielleicht ein kleines Stück an den Schaulustigen entlanglaufen wird.

"Ich kann sie gar nicht sehen."

Dieser Satz des Mädchens sorgt für die Aufmerksamkeit der älteren Damen im Umfeld, die das Kind ganz nach vorne schieben, sich mit ihm unterhalten, die Blumen bewundern, die Landesflagge erklären und so helfen, die Wartezeit zu überbrücken. Schon Minuten bevor die Polizeiwagen den nahenden Troß ankündigen, ist der Mädchenarm mit dem Blumenstrauß vom vielen Winken müde. Doch die Aufregung hilft, als die ersten Polizeiautos vorbeifahren, wird das Winken wieder heftiger.

"Wie heißt die Königin nochmal?"

Winken, rufen, auch die lautstarken Holländer geben alles, um "Willem, unser Koning" und "Máaaaxima" herzulocken - vergebens. Eine sehr kurze Strecke Absperrung vom Aussteigen bis zum roten Teppich schreiten sie ab, nehmen einen Arm voll einzelne Tulpen entgegen, schütteln ein paar Hände. Dann sind sie schon weg.
Das Mädchen schaut die Blumen an und zum Rathaus, dann bricht es in Tränen aus. Die Umgebung tröstet, sagt, sie kommen ja vielleicht gleich wieder raus, macht Mut, weiter zu warten. Das Mädchen geht mit seiner Begleitung ein Stück weiter, steht nun direkt gegenüber der Rathaustür. Viele andere verlassen enttäuscht den Platz, die meisten haben die Majestäten nur aus der Ferne gesehen. Die Menge stockt noch einmal, als Königin Máxima und König Willem-Alexander kurz auf einen der Eckbalkone des Rathauses treten und winken und dann gleich wieder nach drinnen verschwinden. Die Wartenden versuchen, Polizisten und Sicherheitsleuten zu entlocken, ob das Königspaar hier gleich wieder rauskommen wird - als Reaktion gibt es nur Schulterzucken. Doch als die Autos umgeparkt werden, wird klar: Hier kommen sie nicht mehr raus.

Das Mädchen ist weiter betrübt, dass die Königin es nicht und es selbst auch die Königin nicht gesehen hat. Was tun? Zum nächsten Programmpunkt marschieren, das sind fünf Minuten zu Fuß, und hoffen, dass man sie da erspähen kann. Auf dem Weg dahin wird Brot gekauft, das wird sich noch auszahlen.

Nach dem Platzwechsel: Blumenstraußwinken die zweite.


Vor der Handelskammer sind die Absperrungen noch nicht aufgestellt. Ein sicheres Zeichen, dass es noch lange dauern wird. Ein ebenso kugeliger wie aufgeregter Mann erzählt, er habe der Königin eben die Hand geschüttelt und wolle das hier nochmal tun. Das Mädchen guckt wieder traurig. Müde Beine knien sich auf die Stufe vor dem roten Teppich. An der Stelle wird der erste Polizist auf die junge Royalista aufmerksam. Als Minuten später das größer werdende Publikum zur Seite gescheucht wird, kommt einer der Uniformierten zum Mädchen und sagt: "Du musst nachher ganz laut schreien, damit die Königin zu dir kommt." Das Mädchen nickt. Er warnt aber auch, dass es noch eine Stunde dauern wird, bis sie kommt.

"Ich probier mal, ob ich so geduldig bin."

Das Mädchen macht es sich auf dem steinernen Absatz unter einer Laterne bequem, direkt an der Absperrung, in bester Auf-sich-aufmerksam-mach-Position. Es pflückt den abblätternden Lack von den leicht angerosteten Abesperrungen. Dann vertreibt es sich die Zeit im Gespräch mit freundlichen und entzückten Umstehenden - meist Frauen, meist älter -, mit Brot essen, mit Blumenblätter zählen. Nur als einmal ein Radiomikrofon näher kommt, da wird die Stimme plötzlich leise.

"Wie heißt die Königin nochmal?"

Máxima. Das muss geübt werden. "Maxima, Maxima, Maxima, Maxima, ..." spricht das Kind vor sich hin. Ungefähr 50 Mal. Fast könnte ein Sprechchor daraus werden. Aber die Königin kommt immer noch nicht raus. Es wird dunkler, die großen Lichter gehen an. Die wartende Menge ist wieder größer und ein bisschen ungeduldig geworden. Etliche Anwesende erzählen sich gegenseitig, sie seien eher so durch Zufall hier und wollten jetzt nur mal gucken. Aber es ist einfach so: Mit jeder Minute, die man da steht und wartet, wächst die Hemmung, einfach zu gehen. Sie könnten ja in fünf Minuten kommen ... und dann hätte man nicht mal den Lohn fürs stundenlange Rumstehen.

Das Mädchen will auch nicht heim, obwohl längst Abendbrotzeit ist. Lieber noch eine Scheibe trockenes Brot in die Hand. Vorsichtshalber sprechen wir mal kurz an, dass es sein kann, dass die Königin ihre Blumen gar nicht nehmen darf, weil die Aufpasser es nicht erlauben, Sicherheitsbedenken. Könnte passieren. Wir haben in der letzten Stunde schon zwei Leute mit Blumensträußen und langen Gesichtern aus dem Gebäude kommen sehen, die sind ihre Blumen jedenfalls nicht losgeworden.

Dieses unscharfe Foto vor dämmerigem Abendhimmel ist das Ergebnis der Warterei.

"Kommen die endlich?"

Plötzlich verlassen etliche Leute das Gebäude, es wird wuselig, das Königspaar und seine Begleiter kommen durchs Foyer. Rufen und Fahnenschwenken der Menge vor der Tür. Blitzlichter zucken durch die Dämmerung. Das Königspaar bleibt oberhalb der Treppe stehen, winkt, blickt in Fotoapparat und Kameras - und leider in die andere Richtung. Zwei ältere Damen, die neben dem Mädchen seitlich der Absperrung sitzen, stehen auf, schieben es am Zaun vorbei, sind überzeugt, dass der Polizist vorhin genau das erlaubt habe. Lauf los, sagen sie. Zögernd macht das Mädchen ein paar Schritte. Und wird von einem anderen Polizisten gestoppt. Nett, aber bestimmt. Sie macht mit ihren Blumen kehrt, kommt wieder hinter den Zaun. Ihre Nachbarinnen schimpfen lauthals über den Polizisten und wie man ein kleines Kind aufhalten könne. Und überhaupt hätte der Kollege vorher was anderes gesagt. Das sei so nicht in Ordnung. Rebellische Stimmung.

"Was macht die Königin jetzt?"

Königin Máxima + König Willem-Alexander

Staatsbesuch im Norden

In einem Workshop zum Thema "Connected Cities" nehmen Königin Máxima und König Willem-Alexander aktiv an zwei Diskussionrunden über intelligente Mobilität in Städten teil - es geht beispielsweise um Ambulanz-Dronen und Wasserstraßen. Die Gesprächspartner der Königin beschreiben sie hinterher als interessiert und eine eigene Meinung vertretend.
Deutschland Tag 2  In der "Joop van den Ende Academy of Stage Entertainment" gibt es einiges zu sehen - und zu hören. Studenten präsentieren ihr Können.
Deutschland Tag 2  An der Hamburger Fischauktionshalle verfolgt das Königspaar, mit Spezialbrillen ausgestattet, die Sonnenfinsternes.
Deutschland Tag 2  Für Königin Máxima werden sogar Blumen von einer "Blume" überreicht.

32

Im Trubel der Szene hat das Mädchen nun wieder kaum etwas von der Königin gesehen. Es stellt sich hin, ruft, andere rufen mit, es winkt mit den Blumen - vergebens. Die Königin ist wieder spät dran und abgeschirmt, sie dreht sich noch einmal kurz zu der Seite um, auf der das Mädchen steht, winkt in die Menge, dann hastet sie ebenso wie der König in ein schwarzes Haus und das braust los. Kommen nun die Tränen? Nein, diesmal ist das Mädchen gefasster. Gefasster als die Zuschauerinnen, die immer noch darüber wettern, dass das kleine Mädchen hier enttäuscht wurde.

Der Polizist von eben kommt zurück und betont, dass es ihm selbst leid täte, die Vorgaben aber halt so streng seien. Ihm scheint wichtig zu sein, dass die Kleine nicht in ihrem Polizistenbild erschüttert ist. Ist sie nicht. Die Kleine freut sich, als plötzlich viele Polizeiautos mit Blaulicht auftauchen, weil das bestimmt ein tolles Foto für den kleine Bruder wird.

Dies Foto bekam das Mädchen von einer Dame, die mehr Glück hatte, geschickt.


Eine weitere Zuschauerin kommt heran, guckt die Blumen an, lobt die Geduld und zeigt dem Mädchen auf ihrem Mobiltelefon die Schnappschüsse, die ihr vor dem Rathaus gelungen sind. Endlich ist die Königin mal von ganz nah zu sehen, mit Hut und Blumen und einem Lachen im Gesicht. Das Mädchen freut sich, die Dame verspricht, dem Mädchen das Bild zu schicken (was sie auch gleich tut).

"Wir nehmen die Blumen einfach mit nach Hause",

spricht das kleine Mädchen und ist bereit zu gehen. Das Bild, das es der Königin gemalt hat, kann ja vielleicht auch per Post geschickt werden. Und ein Foto von Königin für seine beste Freundin, die nicht mitkommen konnte, hat es jetzt auch. Das Mädchen ist müde. Aber vielleicht, ja vielleicht darf es zuhause noch einen kleinen Prinzessinnenfilm gucken, sagt es und lächelt dabei.

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