Prinzessin Victoria + Co. : Streit um die Nachfolge

Prinzessin Victoria ist bereit für die Krone, doch ihr Vater will seinen Platz nicht räumen. Auch in anderen Monarchien entbrennt derzeit ein heftiger Streit um die Nachfolge

Victoria ist äußerst beliebt

Hübsch ist sie – und eine jener Frauen, die live sogar noch besser aussehen als auf Fotos. Eine persönliche Begegnung mit Victoria von Schweden offenbart außerdem, was sie manch anderer Prinzessin voraushat: Sie strahlt ungekünstelte Warmherzigkeit aus und sehr viel Charme. Eigenschaften, die sich selbst in der härtesten Prinzessinnenschule nicht antrainieren lassen. Ihre herzliche Art kommt bei den Landsleuten sehr gut an. Für den Geschmack ihres Vaters König Carl Gustaf vielleicht zu gut. Karin Lennmor, einflussreiche Kolumnistin der schwedischen Zeitung "Expressen", plädierte vor Kurzem eindringlich dafür, beliebten Thronfolgern möglichst schnell das Zepter in die Hand zu drücken.

Nachfolge in anderen Königshäusern

In Spanien, den Niederlanden und Belgien, so Lennmor, habe die Monarchie diesen wichtigen Schritt ja bereits geleistet. Wie es dort läuft? Sehr gut! Die Spanier hatten König "Elefantentöter" längst satt, freuen sich nach Juan Carlos heute über die positive Ausstrahlung von Felipe und Letizia. In Holland kann sich kaum noch jemand an die Ära vor Willem-Alexander und Máxima erinnern. Und auch das skandalgeschüttelte belgische Königshaus erreicht dank des freundlichbiederen Paars Mathilde und Philippe plötzlich ungeahnte Sympathiewerte. Was spräche also dagegen, in Stockholm den König vom Thron zu schubsen?

Lustiger Vater-Tochter-Moment

König Felipe erlaubt sich einen Spaß mit Tochter Leonor

König Felipe & Prinzessin Leonor
König Felipe hat sich bei einem Workshop unter dem Motto „Talent zieht Talent an“ ein Späßchen mit Tochter Leonor erlaubt.
©Gala

Abdanken kommt nicht in Frage

Der wichtigste Gegner für solch ein Projekt wäre Carl Gustaf selbst. Wie in vielen Monarchien amtieren Royals in Schweden bis zum letzten Atemzug. Dieses Prinzip hat er verinnerlicht. "Abdanken hat bei uns keine Tradition", sagte er kurz und knapp, als er vor einiger Zeit von "Expressen" auf das Thema angesprochen wurde. Und auch seine Tochter Victoria sieht diese Ordnung als gottgegeben an. Wie sich für sie der Gedanke anfühle, irgendwann Königin zu sein?

"Traurig. Weil das bedeutet, dass mein Vater dann tot ist."

Prinzessin Victoria ist nach Ansicht von Beobachtern längst bereit für den Thron, doch nie würde sie gegen ihren Vater rebellieren. Nebenbei hat die Warteschleife für sie und alle anderen Thronfolger ja auch einen unschätzbaren Vorteil: Zeit. Für die Kinder, den Partner, das Familienleben. Steht man erst mal an der Spitze des Staates, ist es mit diesem Privileg vorbei.

Anders als viele seiner royalen Kollegen fühlt sich König Carl Gustaf, 71, hier mit Königin Silvia, 74, – topfit. Abzudanken kommt für ihn nicht infrage

Abschaffung der Monarchie?

Bei der Frage "Wie sicher ist der Thron überhaupt?" mischen in Schweden viele mit. So plant die Republikanische Vereinigung eine Eingabe beim Parlament, um eine Volksabstimmung durchzusetzen. Ziel ist die Abschaffung der Monarchie. Man hofft, dass sich die Bürger, wenn sie ihr Kreuzchen machen, an König Carl Gustafs unselige Bettgeschichten erinnern, die eine Ex-Affäre vor fünf Jahren genüsslich in einem Buch ausbreitete – und ihn abwählen. Ein eher unwahrscheinliches Prozedere, dennoch ein klares Warnzeichen für die Bernadottes.

Thronfolge in England

Noch heißer kocht die Diskussion in England hoch. Thronfolger Charles, 69, sehnt sich nach der Krone. Während andere Männer seines Alters ihr Gärtchen harken, hat sein wahres Arbeitsleben nicht mal begonnen. Nur der Gedanke an seine Bestimmung, sein Lebensziel, lasse ihn die vielen hämischen Äußerungen ertragen, erfuhr GALA von einem Insider aus dem Buckingham-Palast. Geht es nach dem Volk, dann dürfte Charles sein Lebensziel niemals erreichen.

William for king! Das fordern immer mehr Briten. Er ist jung und smart, ganz im Gegensatz zu seinem verstaubt wirkenden Vater Charles

Eine aktuelle Umfrage ergab, dass 59 Prozent ihn zugunsten seines Sohnes William, 35, überspringen würden. Nur 22 Prozent wünschen sich Charles als Nachfolger der Queen. Der Londoner Zeitung "Express" zufolge ist seine Frau Camilla so empört über diese neuerliche herbe Schlappe, dass sie ihn angestachelt habe, seinen "Mann zu stehen und zu kämpfen".

Die Queen hält an ihm fest

Dabei muss Charles eigentlich nur Ruhe bewahren und die Zeit für sich arbeiten lassen. Sein Glück ist, dass seine Mutter, die allmächtige Elizabeth, 91, an ihm festhält. Sie werde 2018 noch mehr Verpflichtungen an ihn abtreten, sein Ansehen damit möglichst stärken, sagt der Palast-Insider. Schon 2017 absolvierte Charles satte 546 offizielle Termine. Platz eins auf der royalen Fleiß-Liste. Spätestens mit 95, berichtet die "Mail on Sunday", strebe die Königin einen sogenannten Regency Act an, eine Anfrage beim Parlament, die ihr erlauben würde, Charles als Prinzregenten einzusetzen. Abdanken? Das ist für die Queen keine Option. Ihre Mutter Queen Mum wurde 101 …

Prinz William genießt seine Position

Charles "Konkurrent" drängt selbst gar nicht gen Thronsessel. Prinz William genießt mit Kate und den bald  drei Kindern ein entspanntes Dasein. Von ihm wird keine Vision für die Monarchie des 21. Jahrhunderts gefordert, sondern nur, dass er ab und an publikumswirksam repräsentiert und über die lieben Kleinen plaudert. Nicht der schlechteste Job in der "Firma".

Die Situation in Dänemark

Bei den Dänen fühlt sich Kronprinz Frederik ebenso wohl mit seinen – eher kärglichen – Aufgaben. Bislang tangiert es ihn herzlich wenig, dass die Forderung nach Königin Margrethes Abdankung lauter wird. Sie ist gesundheitlich angegriffen, möchte außerdem mehr Zeit mit ihrem dementen Ehemann Henrik verbringen. Doch ihr Pflichtbewusstsein bindet auch sie.

Prinzessin Mary + Prinz Frederik

Zwischen Dänemark und Down Under

3. November 2019  Im letzten Jahr besuchte noch die ganze dänische Kronprinzenfamilie die traditionelle Hubertusjagd im Hirschpark Dyrehaven in Klampenborg. Heute haben es aber immerhin Prinzessin Mary mit ihrem Ältesten Prinz Christian und Prinzessin Josephine per Kutsche zum Schloss Eremitage geschafft.
3. November 2019  Vom Balkon aus haben die drei Dänen-Royals den besten Blick auf das Pferderennen, und Prinz Christian nutzt die Zeit für eine kleine Kuschelrunde mit Mama Mary.
3. November 2019  Prinzessin Josephine kommt natürlich auch nicht zu kurz.
3. November 2019  Und ein Gruppenfoto mit einer jungen Reiterin und ihrem Pferd gehört für Prinzessin Mary und ihre Tochter auch dazu.   

268

Kronprinz Frederik hält sich zurück

Und die Angst vor dem, der nach ihr kommt: Frederik, der im Mai seinen 50. Geburtstag feiert, gilt als unbeschwerter Lümmel, der am liebsten mit seinen Militärkumpels abhängt. Nervige Termine überlässt er großzügig seiner taffen Frau Mary, die auch ohne ihn glänzt. Als jüngst eine königliche Jagd anstand, widmete sich Frederik einmal mehr seinem Lieblings-Nebenjob als Mitglied des Olympischen Komitees. Beim Halali lief an seiner Stelle Mary auf. Gerade erst ließ sich Frederik zur Wiederwahl für das IOC aufstellen. Offenbar rechnet er noch lange nicht mit der Beförderung zum König.

"Es passt ihm gut, Kronprinz zu sein, er kann sich so ein bisschen verstecken",

sagt Königshausexperte Sören Jacobsen. Wenn Frederik Pech hat, könnte seine lustige Prinzenrolle aber bald passé sein. Wie GALA erfuhr, bereitet man in Kopenhagen auf Schloss Amalienborg für August eine sehr, sehr große Feier vor.

König Harald hat klare Vorstellungen

Ganz anders in Oslo König Harald, ein rüstiger 80-Jähriger, gibt die klare Marschrichtung vor: "Ich habe einen Eid auf die Verfassung abgelegt. Und der gilt, solange ich lebe." Allerdings, so räumte der für seine markigen Sprüche bekannte Monarch ein, würde er zurücktreten, sollte er irgendwann "gaga" sein. Sein Verstand funktioniert jedoch wunderbar, also verharrt Kronprinz Haakon samt Mette in Wartestellung. Allerdings teilt sich "Team Norwegen" alle Verpflichtungen auf, damit Harald nicht zu viel stemmen muss.

Man sieht: Wenn sich Monarchen an Thron und Krone klammern, gibt es dafür viele verschiedene Gründe. Sich mit einer Abdankung auseinanderzusetzen gehört jedoch zum Job eines royalen Regenten. Denn wer den Einfluss der eigenen Dynastie für künftige Generationen erhalten will, muss die Nachfolge-Diskussion zulassen.

Themen

Erfahren Sie mehr:

Palastgeflüster: Das machen die Royals