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Prinzessin Máxima + Prinz Willem-Alexander Zwischen Traum und Trauma


Am Dienstag werden Willem-Alexander und Máxima zum neuen Königspaar der Niederlande. Doch in die Vorfreude mischt sich große Sorge

Es wird die größte Party, die Amsterdam seit Langem gefeiert hat - genau genommen seit der Hochzeit von Máxima und Willem- Alexander vor elf Jahren. Nicht nur die Niederländer fiebern auf den Thronwechsel am 30. April hin, auch in Deutschland, wo vier TV-Sender die Feierlichkeiten übertragen werden, ist das Interesse riesengroß. Im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit: Máxima. Die Amtseinführung ihres Mannes macht die gebürtige Argentinierin mit ihren 41 Jahren zur jüngsten und - wie viele sagen - attraktivsten Königin Europas. Doch in die Vorfreude mischt sich Sorge. Es geht nicht darum, ob sie und Willem-Alexander, 45, der neuen Verantwortung gewachsen sein werden - daran zweifelt niemand. Es ist die Furcht, ihr Trauma könne sich wiederholen.

Vor genau vier Jahren, bei den Feierlichkeiten zum Königinnentag in Apeldoorn 2009, sterben bei der Kamikazefahrt eines Wirrkopfes sechs Menschen, zehn werden verletzt, die niederländische Königsfamilie entkommt dem Anschlag nur knapp. Königin Beatrix, 75, der die Nähe zum Volk stets am Herzen lag, fährt an diesem Tag mit ihrer Familie im offenen Doppeldeckerbus durch die Stadt. Tausende Niederländer stehen an den Straßen, schwenken kleine Fahnen, tragen selbst gebastelte Krönchen. Als ein schwarzer Kleinwagen plötzlich in die Menschenmenge rast, herrscht nur noch Panik. Entsetzt presst Máxima die Hand vor den Mund, weint. Willem- Alexander legt schützend den Arm um sie.

Blutiger Anschlag: Entsetzt mussten Máxima und Willem-Alexander mit ansehen, wie am Königinnentag 2009 ein Auto in die Menschenmenge raste und den königlichen Bus knapp verfehlte.
Blutiger Anschlag: Entsetzt mussten Máxima und Willem-Alexander mit ansehen, wie am Königinnentag 2009 ein Auto in die Menschenmenge raste und den königlichen Bus knapp verfehlte.
© Action Press

"Ich habe noch einen Monat danach instinktiv darauf reagiert, wenn ein Auto in meiner Nähe zu stark gebremst hat", erinnerte sich Máxima vergangene Woche in einem TV-Interview. "Es dauert lange, bis man das verarbeitet hat", fügte Willem- Alexander hinzu. Seit jenem Tag ist nichts mehr so, wie es war in den Niederlanden. Die Angst vor Anschlägen begleitet alle größeren öffentlichen Feiern. Auch durch den Bombenanschlag beim Marathon in Boston vor zwei Wochen ist einmal mehr klar geworden: Absolute Sicherheit lässt sich nicht garantieren.

Ein heikles Thema, auf das die niederländischen Behörden empfindlich reagieren. "Wir beantworten keine Fragen zur Sicherheit am Tag des Thronwechsels. Es handelt sich um eine private und sehr sensible Angelegenheit", so eine Sprecherin des Ministeriums für Allgemeine Angelegenheiten, das dem Premierminister untersteht und für das Königshaus zuständig ist, auf "Gala"-Nachfrage.

"Ich beneide die Kollegen in den Niederlanden nicht um ihren Job", sagt Andy Hewlett, Sicherheitsexperte der Londoner Polizei, zu "Gala". "Der Thronwechsel muss als Top-Terrorziel gelten. Den Gegnern des niederländischen Staates und der Royals ist natürlich klar, dass die Welt an diesem Tag auf Holland schaut."

Vergangene Woche gaben Máxima und Willem-Alexander im niederländischen Fernsehen ein einstündiges Interview. Darin verriet der Kronprinz, dass er schon vor einem Jahr wusste, wann seine Mutter abdanken würde.
Vergangene Woche gaben Máxima und Willem-Alexander im niederländischen Fernsehen ein einstündiges Interview. Darin verriet der Kronprinz, dass er schon vor einem Jahr wusste, wann seine Mutter abdanken würde.
© Picture Alliance

Eine Visitenkarte soll der 30. April sein, nicht nur für das neue Königspaar, sondern für das ganze Land. "Offiziell rechnet man mit circa einer Million Besuchern. Es gibt zwar noch Hotelbetten in Amsterdam, aber nur zu relativ hohen Preisen", sagt Alexandra Klaus vom niederländischen Tourismusbüro. Überall laden Leinwände zum Public Viewing ein, es gibt Live-Konzerte und Tanzveranstaltungen.

Ein Höhepunkt: die "Königsfahrt" auf dem IJmeer, einer Bucht bei Amsterdam. Sie wird an die Flottenparade zum 60. Thronjubiläum der britischen Queen im vergangenen Sommer erinnern, für die die Londoner Polizei eine organisatorische Höchstleistung hinlegen musste. "Bei solchen Anlässen ist es üblich, dass sich Polizisten in Zivilkleidung unter die Schaulustigen mischen. Sollte jemand etwas planen, kann die Polizei schneller eingreifen", so Sicherheitsexperte Andy Hewlett.

Das Dilemma: Obwohl sie um die Risiken wissen, wünschen sich Máxima und Willem-Alexander, dass so viele Menschen wie möglich die Gelegenheit bekommen, mit ihnen zu feiern. Es soll ein unvergesslich schöner Tag werden. Willem-Alexander hat seine Antrittsrede schon fertig in der Schublade liegen. Er und Máxima wissen bereits ganz genau, wann sie am Dienstag wo gehen und stehen werden und was passiert. Einen Tag vorher gibt es eine große Generalprobe, auch für die drei Töchter. "Wir sind nicht nervös", meinte Willem-Alexander zuletzt im Interview mit den niederländischen TV-Sendern NOS und RTL zuversichtlich. "Die Atmosphäre, in der die Vorbereitungen stattfinden, ist so gut, dass eigentlich nichts schiefgehen kann."

Mitarbeit: Arndt Striegler


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