Prinzessin Cristina: Sechs Stunden vor Gericht

Als erstes Mitglied der spanischen Königsfamilie überhaupt musste Prinzessin Cristina vor einem Richter aussagen. Ihr und ihrem Ehemann werden Geldwäsche und Steuerbetrug vorgeworfen

Sie lächelt, als sei alles gar nicht so schlimm gewesen, doch ein über sechsstündiger Aufenthalt vor Gericht ist mit Sicherheit auch für Infantin Cristina von Spanien kein Spaziergang. Begleitet vom Geschrei Dutzender Monarchie-Gegnern, die sich laut "spiegel.de" zu Protesten gegen die spanische Königsfamilie versammelt hatten, war Cristina am vergangenen Samstag (8. Februar) vor einem Gericht in Palma de Mallorca erschienen.

Gegen Iñaki Urdangarin, den Ehemann der Tochter von König Juan Carlos, wird bereits seit mehr als zwei Jahren ermittelt. Ihm wird vorgeworfen, mit seiner Wohltätigkeitsorganisation "Nóos" öffentliche Gelder in Millionenhöhe veruntreut zu haben. Im Laufe der bisherigen Ermittlungen lastete man dem Ex-Handballspieler zusätzlich Betrug, Korruption, Steuerhinterziehung und Urkundenfälschung an.

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Prinzessin Cristina geriet dabei ebenfalls immer wieder ins Visier der Ermittler, bevor am 7. Januar 2013 die Ladung vor Gericht erfolgte. Die Prinzessin hatte auf Rechtsmittel gegen die Vorladung verzichtet. Bislang hatte die 48-Jährige stets beteuert, von den Finanzaffären ihres Ehemannes nichts gewusst zu haben. Passend dazu präsentierte sie sich bereits bei ihrer Ankunft am Justizpalast in Palma de Mallorca mit einem fast schon entschuldigenden Lächeln den Journalisten und Demonstranten.

Demonstranten vor dem Gerichtsgebäude auf Mallorca, in dem die Anhörung von Prinzessin Cristina stattfand.

Wie unter anderem die "Frankfurter Rundschau" und "tagesschau.de" berichten, stellte Untersuchungsrichter José Castro der Infantin an die 500 Fragen, die sich über insgesamt sechs Stunden hinzogen. Der Anwalt Delgado, der rechtliche Vertreter einer der klagenden Bürgerinitiativen, erklärte dem Bericht zufolge später, die Prinzessin habe hauptsächlich ausweichende Antworten gegeben. Cristinas Anwalt Jesús María Silva wird hingegen mit den Worten "Ihre Hoheit war sicher, kategorisch und gefasst. Sie hat bejahend und verneinend geantwortet und manchmal, dass sie sich nicht erinnere" zitiert. Richter José Castro muss nun entscheiden, ob er die Vorwürfe gegen Cristina auf Grundlage der Anhörung fallen lässt oder offiziell Anklage erhebt.

Für die Monarchie in Spanien ist der Prozess um die Königstochter und ihren Ehemann unabhängig von dessen Ausgang eine große Belastung. Laut einer repräsentativen Umfrage, die die spanische Zeitung "El Mundo" erst vor kurzem in Auftrag gegeben hatte, unterstützen nur noch 41,3 Prozent der Spanier die Monarchie. Damit befindet sich die spanische Monarchie in der schwersten Krise seit König Juan Carlos vor vierzig Jahren den Thron bestieg.

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