Prinzessin Cristina: Prinzessin auf der Pritsche?

König Felipes Schwester Cristina ist nun offiziell wegen Geldwäsche angeklagt - und könnte wie ihr Mann im Gefängnis landen

Infantin Cristina

Mit einem Schlag war die hoch emotionale Krönung vergessen. Dabei hatten sich Felipe und Letizia so viel Mühe gegeben und an ihrem großen Tag eifrig Werbung für eine erneuerte und bescheidene Monarchie gemacht. Was wenig später bekannt wurde, ließ selbst gestandene Royalisten aufheulen: Felipes Lieblingsschwester Cristina wird wegen Geldwäsche und Steuerhinterziehung angeklagt. Ihrem Ehemann Iñaki Urdangarín werden zudem etliche weitere Vergehen zur Last gelegt: Ihm wird vorgeworfen, als Präsident der gemeinnützigen Stiftung Nóos rund sechs Millionen Euro veruntreut und mithilfe der Scheinfirma Aizoon am Fiskus vorbeigeschleust zu haben. Cristina ist zu 50 Prozent Teilhaberin von Aizoon.

König Felipes Schwester Cristina von Spanien mit ihrem Ehemann Iñaki Urdangarín und ihren drei Söhnen Juan (hinten), Pablo, Miguel und Tochter Irene (v.l.)

Im Februar hatte sie bei einer ersten Befragung zu Protokoll gegeben, sie habe von den Geschäften ihres Mannes nichts gewusst und einfach alles blind unterschrieben. Beim Durchforsten ihrer Konten stieß Untersuchungsrichter José Castro jedoch auf zahlreiche private Rechnungen, die Cristina munter vom Aizoon-Konto beglichen haben soll. "Sie war aktiv an den illegalen Machenschaften bei Aizoon beteiligt", begründet Castro in der Anklageschrift sein rigides Vorgehen. Die Prinzessin könnte tatsächlich im Gefängnis landen. "Cristina drohen bis zu elf Jahre", erläutert Verfassungsrechtler Antonio Torres del Moral im Gespräch mit "Gala". Wird also aus der Prinzessin auf der Erbse eine Prinzessin auf der Pritsche? Ihr Ehemann könnte als Drahtzieher sogar noch länger einfahren.

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©Gala

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Schützenhilfe für Cristina kommt von unerwarteter Seite: Der auf Mallorca für Korruptionsbekämpfung zuständige Staatsanwalt Pedro Horrach legte Einspruch gegen die Anklage ein. Hinter Castros Argumenten vermutet er eine "inquisitorische Spirale" und kritisierte, die Beschuldigung basiere auf einer "einfachen Vermutung". Angesichts der Fülle von Indizien wirkt das auf die meisten Spanier wie blanker Hohn. Nun muss das übergeordnete Gericht in Palma de Mallorca entscheiden, wie weiter verfahren wird. Viele würden gern wissen, wofür die Prinzessin so viel Geld gebraucht hat. Indizien gibt es einige: Zigtausende Euro soll sie in die Renovierung des ehelichen Stadtpalais in Barcelona gesteckt haben, außerdem soll sie ihre Hausangestellten, Kunstwerke, Reisen und Kindergeburtstage damit finanziert haben. Wer Cristina kennt, weiß: Sie wirkt bieder, ist aber ein echtes Luxusgeschöpf. Ihre Wohnung im exklusiven Genfer Viertel Florissant - dort lebt sie seit August vorigen Jahres mit ihrer Familie - kostet monatlich über 10 000 Euro Miete, die Privatschule der Kinder schlägt mit bis zu 120 000 Euro pro Jahr zu Buche. Mit ihrem Mann Iñaki reist Cristina gern exklusiv, so residierte das Paar im April ein paar Tage im Berliner "Adlon"; Silvester feierten alle zusammen im Pariser Hotel "Intercontinental".

Dank ihrer königlichen Herkunft kassiert Cristina ohnehin nicht schlecht. Für die Stiftung der spanischen Sparkasse La Caixa betreut sie in Genf internationale UN-Projekte, verdient damit rund 320 000 Euro pro Jahr. Zu der lukrativen Stelle gelangte sie wohl durch Vermittlung ihres Vaters Juan Carlos - er wollte wohl durch ihren fixen Umzug in die Schweiz verhindern, dass der Skandal des Gatten auf sie abfärbt. Zudem überweist ihr laut spanischen Medien die Stiftung des Milliardärs Aga Khan - ein enger Freund von Juan Carlos - 300 000 Euro im Jahr für Beraterjobs. Für Felipe kommt die Anklage gegen Cristina zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt. "Vor der Wirtschaftskrise nahmen die Spanier den hohen Grad an Korruption im Land noch hin. Doch jetzt hat das Volk die illegale Bereicherung der Regierenden satt. Man sehnt sich nach einer moralisch anständigen Krone", sagt Königshausexperte José Apezarena zu "Gala". Die Moral soll Felipe nun garantieren - was bedeutet, dass er mit Cristina nie mehr allzu viel zu tun haben darf. Ein hoher Preis. Doch für die spanische Monarchie ist der neue König wohl bereit, diesen zu zahlen.

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