Prinz Naruhito: Schneller Kaiser von Japan als gedacht?

Japan steht unter Schock. Kaiser Akihito soll angekündigt haben, in den kommenden Jahren auf den Thron zu verzichten und den Weg für seinen Sohn freizumachen. Doch das ist nicht unproblematisch

Prinz Naruhito von Japan

Die japanische Nachrichtenagentur "NHK" meldete am Mittwoch, dem 13. Juli, dass Kaiser Akihito seinen nahen Vertrauten am Hof erzählt habe, dass er sich in den kommenden Jahren zurückziehen möchte. Er wolle den Thron lieber früher an den Kronprinzen übergeben und - laut Hofquellen - zurücktreten, bevor er zu schwach sei, um seine Aufgaben noch erfüllen zu können. Akihito bestieg am 7. Januar 1989 den Thron und ist damit seit 27 Jahren Oberhaupt dieser ältesten monarchischen Familie.

Der Kaiser soll auch seine Familie schon über seine Pläne informiert haben. Das kaiserliche Haushofamt allerdings, die kaiserliche Pressestelle, warte noch auf eine geeignete Gelegenheit, bei der der Kaiser sein Volk von seinen Plänen erzählen kann. Das hat die Nachrichtenagentur ja nun bereits übernommen - und der Schock bei den Japanern ist groß.

Abdankung ist in Japan nicht üblich

Zwar hatte der Kaiser in den vergangenen Jahren ab und zu mal altersgemäße Gesundheitsprobleme, er ist immerhin auch schon 82 Jahre alt. Kaiserin Michiko ist 81. Auf den Thron zu verzichten ist allerdings auch in Japan - wie in vielen europäischen Monarchien - eher ungewöhnlich. Das letzte Mal passierte das im Jahre 1817, als Kaiser Kokaku zurücktrat.

Der japanische Kaiser Akihito und seine Frau Michiko, das scheidende Kaiserpaar Japans - schon 27 Jahre ist der jetzt 82-jährige Akihito der Mann auf dem Chrysanthementhron.


Möglicherweise müsste sogar das "Imperial Household Law", das Hausgesetzt, geändert werden, um einen solchen Schritt aktuell zu ermöglichen. Erst im Mai war ein Plan aufgestellt worden, mittels dessen die Belastungen des Kaiserpaares durch Audienzen und Termine deutlich reduziert werden sollten. Denn noch 2015 hatte das Paar etwa 270 Empfänge im Palast abgehalten. Nach der Visite auf den Philippinen im Januar 2016 hatte das kaiserliche Hofamt die Agenda des alternden Kaiserpaares überprüft, um zu sehen, ob seine Aktivitäten eingeschränkt werden könnten. Akihito und Michiko haben den Änderungen zugestimmt, sollten nur noch zehn Audienzen im Jahr wahrnehmen und weniger ausländische Gäste empfangen. Kronprinz Naruhito und Kronprinzessin Masako sollten Aufgaben von seinen Eltern übernehmen.

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©Gala

Beliebte Kronprinzenfamilie

Naruhito, Masako und ihre Tochter Aiko gelten als äußerst beliebt und der eifrige Kronprinz schreckt vor keiner Arbeitsbelastung zurück. Schwieriger ist es allerdings für seine Frau Masako, die seit Jahren unter "stressbedingten Anpassungsstörungen" und Depressionen leidetund jahrelang kaum an die Öffentlichkeit ging. Das Kaiserhaus kommentierte diesen Umstand so sparsam wie möglich, 2015 allerdings machte Kronprinz Naruhito in einem Interview öffentlich, dass seine Frau weiterhin in Therapie ist.

Auch wenn sie auf Europäer immer ein wenig steif und seltsam wirken: Japans Kronprinz Naruhito und seine Frau Masako sowie die gemeinsame Tochter Aiko sind beim Volk sehr beliebt.


Die Anzahl von Masakos Auftritten stieg zwar in den letzten Jahren kontinuierlich an und sie ging seit 2013 sogar schon wieder vereinzelt auf Auslandsreisen. Sie ist aber sicher weiterhin nur in eingeschränktem Maße belastbar. Sicherlich wird auch das das Tempo beeinflussen, in dem das alte Kaiserpaar schon jetzt und in den kommenden Jahren seine Aufgaben an die nächste Generation übertragen wird. Begonnen hat der Wechsel schon vor dieser gar nicht so bahnbrechenden Nachricht aus dem Haus des Tenno.

Wechsel der Generationen überall - wenn auch mit unterschiedlicher Konsequenz

Das ist in anderen Königsfamilien übrigens nicht anders: In Dänemark unter stützt Prinz Frederik immer stärker Königin Margrethe, die Norweger Haakon und Mette-Marit versuchen, den auch gesundheitlich angeschlagenen König Harald zu entlasten und in Großbritannien liegen die Auslandsreisen inzwischen fast komplett in den Händen von Prinz Charles, Herzogin Camilla und der Enkelgeneration mit Prinz William, Herzogin Catherine und Prinz Harry. Nur von Abdankung selbst ist in diesen Königshäusern keine Rede.

Japan

Konichiwa beim Kaiser

2. Januar 2020  Einen feierlichen Anblick bietet die japanische Kaiserfamilie, als sie zum Neujahresempfang durch den Kaiserpalast in Tokio schreitet. Kaiser Naruhito und Kaiserin Masako gehen der Zeremonie voran, gefolgt vom Prinzenpaar Akishino und ihren Töchtern. 
9. Dezember 2019  Ein wahrlich kaiserlicher Geburtstag: Masako von Japan, hier während der königlichen Parade zur Inthronisierung von Kaiser Naruhito im November, wird heute 56 Jahre alt. Wir gratulieren herzlichst. 
1. Dezember 2019  An ihrem 18. Geburtstag winkt Prinzessin Aiko bei ihrer Ankunft am Kaiserpalast in Tokio den umstehenden Fotografen lächelnd zu. 
25. November 2019  Einige Tage vor ihrem 18. Geburtstag veröffentlicht der japanische Hof offizielle Fotos von Prinzessin Aiko. Die nun volljährige Prinzessin trägt einen cremefarbenen knielangen Rock und eine rosafarbene Schluppenbluse. 

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Vielleicht nimmt Akihito sich beim Gedanken an einem möglichen mittelfristigen Thronverzicht aber auch seine royalen Kollegen in den Niederlanden, Belgien, Katar und Spanien zum Vorbild - hier haben in den letzten drei Jahren tatsächliche mehrere Monarchen den vorzeitigen Rückzug in den Altersruhestand vollzogen. Gönnen würde man das Akihito und Michiko. Die Debatte um die Möglichkeit des Rücktritts hat durch den NHK-Bericht jedenfalls begonnen. Der Kaiserliche Hof allerdings dämpfte die erste Aufregung und ließ durch den Abteilungsleiter Shinichiro Yamamoto laut "asahi.com", einer großen japanisch-aisatischen Netzzeitung, gegenüber Reportern erklären "Die von NHK berichteten Tatsachen existieren nicht." Mehr Staements werde es dazu auch nicht geben.

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