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Prinz Felipe + König Juan Carlos Zügiger Thronwechsel geplant


Nachdem das spanische Kabinett mit einem Gesetzesentwurf die Weichen gestellt hat, könnte Prinz Felipe schon in knapp zwei Wochen König werden. Bis dahin gilt es aber, einige Fragen zu klären - und die betreffen auch die künftige Rolle von König Juan Carlos

Der Thronwechsel in Spanien könnte offenbar schneller gehen als zunächst angenommen: Das Kabinett beschloss in einer Sondersitzung am Dienstag (3. Juni) einen Gesetzesentwurf, der die Abdankung von König Juan Carlos zugunsten seines Sohnes Felipe wirksam macht. Dies war nötig gewesen, da in der spanischen Verfassung hierzu keine Regelung existierte.

Verschiedenen Medienberichten zufolge gilt es in Parlamentskreisen als sicher, dass der Gesetzesentwurf bereits am 18. Juni von beiden Kammern verabschiedet sein wird. Direkt danach könnte der Kronprinz als Felipe VI. zum neuen König von Spanien vereidigt werden. Zunächst war man davon ausgegangen, dass der Thronwechsel-Prozess um einiges länger dauern würde. Eine Bestätigung des Termins steht allerdings noch aus.

Da es in der jüngsten Geschichte der spanischen Monarchie - im Gegensatz beispielsweise zu den Niederlanden und Luxemburg - keine Abdankung gab, müssen bis zum tatsächlichen Thronwechsel noch einige Regelungen getroffen werden. Dies betrifft unter anderem den Titel des künftigen Ex-Königs Juan Carlos und seiner Frau Königin Sofia. In den Niederlanden trägt die ehemalige Königin Beatrix heute den Titel einer Prinzessin, genauso wie ihre Mutter und Großmutter nach ihren Abdankungen. In Belgien dagegen gab Albert II. 2013 den Königstitel nicht ab.

Eine aufwendige Krönungszeremonie wie man sie aus England kennt, wird es in Spanien nicht geben. Wie unter anderem "sueddeutsche.de" berichtet, wird Felipe in einer gemeinsamen Sitzung beider Kammern proklamiert werden. Erwarten darf man also eine wenig pompöse Zeremonie, die ähnlich ablaufen wird wie bei Juan Carlos' Thronbesteigung 1975. Aufgrund der kurzen Vorbereitungszeit ist auch fraglich, ob ausländische Gäste und Mitglieder anderer Königsfamilien anreisen werden.

Welche Rolle Spaniens scheidender König künftig einnehmen wird, ist noch unklar. Wenn er es wie seine "Amtskollegin" Prinzessin Beatrix in den Niederlanden machte, würde er die Anzahl seiner Termine und Auftritte zwar deutlich reduzieren. Er würde aber weiterhin als Schirmherr von gemeinnützigen Organisationen fungieren, Repräsentationsaufgaben wahrnehmen und bei Besuchen von ausländischen Staatsgästen an der Seite seines Sohnes und seiner Schwiegertochter auftreten. Denkbar wäre allerdings, dass sich der gesundheitlich angeschlagene 76-Jährige stark aus der Öffentlichkeit zurückzieht, um Felipe, von dem Reformen und Modernisierungen des höfischen Lebens und der Monarchie erwartet werden, nicht im Wege zu stehen.

Das dies nötig ist, zeigen auch die Kundgebungen und Proteste von Anti-Royalisten, die unmittelbar nachdem Juan Carlos am Montag (2. Juni) völlig überraschend seine Abdankung angekündigt hatte, in einigen Städten entbrannten. Felipe tritt eine schwierige Nachfolge an, denn das Ansehen des Königshauses befindet sich auf einem Tiefpunkt.

Während andere europäische Monarchen anhaltend hohe Zustimmungswerte erhalten, mussten König Juan Carlos und seine Familie zuletzt herbe Popularitätseinbußen verzeichnen, vor allem wegen einiger öffentlich gewordener Fehltritte und der Verstrickung in diverse Skandale. Der König selber sorgte mit einer Elefantenjagd in Botswana für negative Schlagzeilen. Seine Tochter Cristina musste - als erstes Mitglied des Königshauses überhaupt - vor Gericht eine Aussage machen, da ihrem Ehemann Iñaki Urdangarin unter anderem Korruption und Steuerhinterziehung vorgeworfen werden. Auch mit diesem Verfahren wird sich Felipe in Zukunft befassen müssen.

Die Ehe und das Familienleben von Prinz Felipe und seiner Frau Letizia gilt als skandalfrei. Das Paar hatte sich am 22. Mai 2004 das Ja-Wort gegeben.
Die Ehe und das Familienleben von Prinz Felipe und seiner Frau Letizia gilt als skandalfrei. Das Paar hatte sich am 22. Mai 2004 das Ja-Wort gegeben.
© Reuters

Der Kronprinz gilt als weniger volkstümlich als sein Vater. Er hat eine hervorragende Ausbildung genossen und besonders in den vergangenen Jahren als Repräsentant Spaniens und als Juan Carlos' Vertreter Erfahrungen im In- und Ausland sammeln können. Sein Familienleben mit Ehefrau Letizia, einer ehemaligen Journalistin, und den beiden Töchtern Leonor und Sofia gilt als mustergültig-skandalfrei und bodenständig. Der 46-Jährige hat bislang weder Schlagzeilen als Schürzen- noch als Großwildjäger gemacht, was ihm Pluspunkte einbringen kann. Und neben seiner Mutter Königin Sofia gilt Prinz Felipe als das populärste Mitglied der königlichen Familie.

Gala

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