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Pauline Ducruet "Ich telefoniere täglich mit Mama"


Ihre Mutter ist Prinzessin Stéphanie, ihr Vater deren ehemaliger Leibwächter - jetzt bringt Pauline Ducruet frischen Glanz ins Fürstentum Monaco. Wie sie über ihre Familie und den Jetset denkt, erklärt sie in ihrem ersten Interview

Sitzt man ihr gegenüber, fühlt man sich sofort an die Schönheit ihrer Großmutter erinnert: das ovale Gesicht, der Porzellanteint. Doch Pauline Grace Maguy Ducruet Grimaldi weist lächelnd alle Vergleiche mit Monacos legendärer Fürstin Gracia Patricia zurück. "Die Einzige, an der ich gemessen werden möchte, bin ich selbst", sagt sie selbstbewusst. Die 18-jährige Tochter von Prinzessin Stéphanie und deren ehemaligem Leibwächter Daniel Ducruet mausert sich zum It-Girl Monacos. Eine Rolle, die bisher ihre Cousine Charlotte Casiraghi, 26, innehatte.

Wir haben uns an diesem Sonntagnachmittag in Paris verabredet, im Hotel "Murano". Es ist Paulines erstes Interview, und es macht ihr Spaß. Ihre Augen strahlen, wenn sie von ihrer Kindheit erzählt, die sie unter anderem im Zirkus Knie in der Schweiz verbrachte: Nachdem Paulines Eltern sich hatten scheiden lassen, lernte Prinzessin Stéphanie den Zirkusdirektor Franco Knie kennen. Von 2000 bis 2002 waren sie ein Paar, Stéphanie begleitete seinen Zirkus in einem eigenen Wagen - Pauline, ihr heute 20-jähriger Bruder Louis und Halbschwester Camille, heute 14, immer dabei. "Für ein Kind ist es ein Traum, in einem Zirkuszelt zu leben", sagt Pauline. Mittlerweile lebt sie ihre Zirkusleidenschaft in offizieller Mission aus. Sie ist Vorsitzende des Festivals "New Generation" in Monte Carlo, bei dem jedes Jahr junge Artisten mit Trophäen in Gold, Silber und Bronze ausgezeichnet werden.

2010 trat Pauline bei den Olympischen Jugend-Sommerspielen in Singapur an, beim Wasserspringen vom Dreimeterbrett. Sie erreichte das Finale.
2010 trat Pauline bei den Olympischen Jugend-Sommerspielen in Singapur an, beim Wasserspringen vom Dreimeterbrett. Sie erreichte das Finale.
© Reuters

Pauline, was ist Ihre schönste Erinnerung, wenn Sie an Ihre Zirkuszeit als Kind und Jugendliche zurückdenken?

Meine schönste Erinnerung ist auf jeden Fall sehr eng mit meinem Opa Fürst Rainier verbunden. Zur Weihnachtszeit wusste ich immer, dass wir uns sehen und gemeinsam in den Zirkus gehen. Es war eine Art Ritual. Und jedes Mal war ich wieder sehr aufgeregt. Wenn wir über Clowns, Löwen und Pferde sprachen, entstand zwischen uns sofort eine magische Verbindung. Meine Mutter sagte mir einmal, dass es ihr mit ihm genauso ergangen sei.

Sie lagen als Kind sogar mal unter den Füßen eines Elefanten ...

Elefanten sind immer schon meine große Leidenschaft gewesen. Aber eigentlich liebe ich alle Tiere und streichle sie ohne Probleme. Nur die Löwen machen mir etwas Angst.

Sie sind Vorsitzende eines Festivals für Nachwuchsartisten - und Sie haben 2010 als Turmspringerin an den Olympischen Jugend-Sommerspielen in Singapur teilgenommen. Gibt es Gemeinsamkeiten zwischen Zirkus und Sport?

Und ob! Meine Begeisterung für den Zirkus hat in mir auch die Begeisterung für den Sport entfacht. Das sind zwei Disziplinen, die sich sehr ähneln: Ein Akrobat ist wie ein Athlet. Er muss nach strengen Regeln leben, täglich trainieren, seinen Körper und seine Seele in Einklang bringen, um seine Ziele zu erreichen. Dank meiner Erfahrung als Sportlerin verstehe ich, wie viel Mühe und Anstrengung hinter vielen Zirkusnummern steckt. Zuweilen ist da eine absolute Perfektion in den Bewegungen gefragt.

Ist Ihre sportliche Karriere denn jetzt schon zu Ende?

Ja, leider. Als Heranwachsende habe ich in meinem Leben bestimmte Entscheidungen treffen müssen. Als Leistungssportler muss man täglich trainieren - das war einfach unvereinbar mit meinem Studium in Paris. Ich kann aber sagen, dass der Sport meine bis dato wichtigste Lebenserfahrung war. Er hat mich strukturell geformt. Durch ihn habe ich gelernt, was Wettkampf bedeutet. Und dass man strenge Regeln beachten muss. Das sind Werte, die ich im alltäglichen Leben gut gebrauchen kann.

Was haben Sie für die Zukunft vor?

Zurzeit mache ich ein dreijähriges Studium an einer Pariser Modeschule. Konkret weiß ich noch nicht, wie es dann beruflich weitergeht, aber eines Tages möchte ich für ein Modemagazin arbeiten.

Pauline mit ihrer Mutter Stéphanie, die über ihre Tochter sagt: "Sie ist mein Mini-Ich".
Pauline mit ihrer Mutter Stéphanie, die über ihre Tochter sagt: "Sie ist mein Mini-Ich".
© Picture Alliance

Wie sieht Ihr Leben in Paris aus? Fehlt Ihnen Ihre Familie?

Schon. Aber ich telefoniere so gut wie täglich mit Mama und Papa. Meine Tage sind sehr ausgefüllt: Bis zum späten Nachmittag bin ich in der Schule, und dann muss ich erst mal meine Hausaufgaben erledigen. Wenn ich mal frei habe, schaue ich mir gerne eine Ausstellung an oder erkunde die verschiedensten Ecken der Stadt. Ich habe immer schon davon geträumt, in Paris zu leben. Es gefällt mir hier so viel besser als in London oder New York.

Ihre Mutter Stéphanie sagt von sich, sie sei eine gute Hausfrau und könne bügeln, abwaschen, nähen und kochen. Das habe sie ihrer Mutter, Fürstin Gracia Patricia, zu verdanken - sie habe ihr das alles beigebracht, weil man ja nie wisse, was im Leben so kommt. Zählen diese Regeln auch für Sie?

Absolut. Ich bin sehr gut im Bügeln, und es fällt mir leicht, meine Wohnung in Ordnung zu halten. Meine Eltern haben mir von klein auf beigebracht, dass es im Leben sehr wichtig ist, für sich selbst sorgen zu können. Deshalb wäre es für mich undenkbar, zu erwarten, dass jemand anderes diese Dinge für mich erledigt.

Wie oft sehen Sie eigentlich Ihren Vater Daniel Ducruet?

So oft wie möglich. Papa und ich stehen uns sehr nahe. Oft essen wir gemeinsam mit Mama und meinen Geschwistern. Wir haben als Familie wieder zusammengefunden. Die Gefühle, die uns verbinden, sind stark und aufrichtig.

Wie ist Ihre Beziehung zu den Casiraghis, den Kindern Ihrer Tante Caroline?

Wir führen sehr unterschiedliche Leben, aber wir freuen uns immer, wenn wir uns bei Familientreffen begegnen.

Kürzlich sah man Sie an der Seite Ihrer Mutter bei der "Fight Aids"-Gala in Monaco. Wollen Sie sich künftig auch auf diesem Gebiet engagieren?

Ich nehme großen Anteil am Leiden von HIV-positiven Menschen, aber der Kampf gegen Aids ist das Engagement meiner Mutter, nicht meines. Dass ich sie an dem Abend begleitet habe, war in erster Linie eine liebevolle Geste ihr gegenüber, weil ich weiß, wie sehr ihr die Stiftung am Herzen liegt. Ich wollte bei diesem wichtigen Event an ihrer Seite sein. Das würde ich immer wieder tun, wenn sie mich darum bittet. Aber wenn ich mich für eine Charity einsetzen würde, dann möchte ich sie mir auch selbst aussuchen.

Derzeit gilt Ihr Engagement dem Zirkusfestival "New Generation". Was macht es so besonders?

Es ist ein Festival von Jugendlichen für Jugendliche. Ich bin 18, die Löwendompteurin dort war gerade mal 17. Die Trapezkünstler sind unter 20. Das ist außergewöhnlich, denn das Trapez verlangt die Physis eines Erwachsenen.

Für Sie ist das Festival immer wieder eine Gelegenheit, nach Monaco zurückzukommen. Was gefällt Ihnen am Fürstentum?

Um ehrlich zu sein, habe ich ja eigentlich nie richtig dort gelebt. Mit meiner Mutter sind wir erst viele Jahre lang herumgereist, wir haben in Auron gelebt, einem 500-Seelen-Dorf unterhalb der Alpen, und später im Zirkus, weit weg vom Prunk in Monaco.

Also ist der Glamour des Fürstentums nichts für Sie?

Der Glanz des Zirkus gefällt mir besser. Aber mein Modestudium ist sicherlich von den schönen Kleidern, den Theaterkostümen und der Atmosphäre, die man in Monaco tagtäglich einatmet, inspiriert. Ich hänge jedoch sehr an meinem ruhigen Leben. Der Sport, den ich jeden Tag treibe, meine Freunde, meine Familie - das ist es, was für mich zählt.

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