Niederlande: Keine Musik für die Massen

Ein "Königslied", das zu Ehren des Thronwechsels von Königin Beatrix auf ihren Sohn Willem-Alexander und Prinzessin Máxima aufgeführt und angestimmt werden sollte, geriet zur Lachnummer. Ein empörter und vielfach beleidigter Komponist zog das Lied daraufhin offiziell zurück - das Festkomitee aber hält an der Aufführung fest

Am Tag des Thronwechsels gesungen wird in den Niederlanden allem Spott zum Trotz das extra dafür komponierte "Koningslied" gesungen. Das beschloss das "Nationale Festkomitee" am Montagabend und löste damit in den sozialen Netzwerken einen erneuten Proteststurm empörter Niederländer aus. Denn die hatten das Thema bereits vom Tisch gewähnt.

Denn der Komponist John Ewbank hatte am Samstag sein "Königslied", das am 30. April bei einem "Mitsingkonzert" in Rotterdam von vielen Chören und Künstlern angestimmt werden sollte, selbst zurückgezogen. Grund dafür war der herbe Spott, den er von seinen Landsleuten einstecken musste. Zu lang, zu kitschig, zu unentschieden zwischen allen Musikstilen hin- und herschwankend, mit einer Rapeinlage, die weder bei Jung noch bei Alt gut ankam - das waren die wichtigsten Kritikpunkte an dem pompösen Fünfminutensong. Der war zumindest textlich das Ergebnis eines Aufrufs an die Niederländer, niederländische Attribute und gute Wünsche an den neuen König einzusenden und dann diese Passagen in einen Text zu gießen (Text von Jack Poels, John Ewbank, Alain Clark, Guus Meeuwis, Daphne Deckers, Kraantje Pappie, Gers Pardoel, Ali B, Lange Frans). "Durch Regen und Wind werde ich bei dir bleiben, ich werde dich gegen alles beschützen, was kommt. Ich werde wachen, wenn du schläfst. Ich behüte dich vor dem Sturm. Ich bewahre dich sicher, solange ich lebe." - diesem Kitsch stand ein Rap gegenüber, der "drei Finger in die Luft" zeigte und textlich forderte - "das W von Willem ist das W von Wir", hieß es dazu.

Das V wie Volk fand's nicht lustig und bombardierte den Künstler auf der entsprechenden Facebookseite seit der Premiere des Songs am Freitag mit Kommentaren wie "zwei Finger in die Ohren und einer in den Hals" oder "Pocahontas-Lied".

Ein Mitglied des Festkomitees, der Musicalproduzent Joop van den Ende, begründete die überraschende Entscheidung damit, dass das Lied in den Schulen bereits geübt werde. Er zitierte auch eine bislang unbekannte Umfrage: "60 Prozent der Niederländer finden es gut." Dann kommen diese 60 Prozent aber weder auf der Facebookseite "Koningslied" noch unter dem offiziellen Youtube-Video zu Wort - da herrscht jetzt weiter größte Unzufriedenheit bei den sonst so entspannten Niederländern. Das Komitee nimmt es schon leichter: "Es ist schließlich nur ein Lied, mehr nicht", sagte van den Ende der Presse.

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Das "Königslied"

Hier ist das Lied des Anstoßes im offiziellen Youtube-Channel zu sehen

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