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Großherzogin Maria Teresa + Großherzog Henri Personalentscheidungen ohne die Großherzogin

Großherzogin Maria Teresa, Großherzog Henri 
© Dana Press
Die Monate der Unsicherheit im Großherzogtum Luxemburg sind gezählt: Seit dem heutigen Freitag liegt der sogenannte Waringo-Bericht des grossherzoglichen Hofes vor, eine von der luxemburgischen Regierung in Auftrag gegebene Untersuchung über die Personal- und Finanzpolitik des Hofes. Kann das in die Kritik geratene Großherzogspaar aufatmen?

Es dürfte in gewisser Weise ein lang ersehnter Moment der Erleichterung gekommen sein für Großherzogin Maria Teresa, 63, und Großherzog Henri von Luxemburg, 64. Nach über einem halben Jahr der Anspannung liegt nun endlich der Bericht des Sonderbeauftragten Jeannot Waringo, 67, vor. "Ich hoffe, dass die in diesem Bericht enthaltenen Analysen und Vorschläge ein bisschen etwas zur Debatte über die Modernisierung und die Funktionsweise unserer Monarchie beitragen können”, schreibt der frühere Chef der "Inspection Générale des Finances" zu Beginn seiner 43-seitigen Analyse. Waringo war im vergangenen Juni von Premierminister Xavier Bettel damit betraut worden, die Personal- und Finanzpolitik des Hofes einmal genauer unter die Lupe zu nehmen.

Großherzogin Maria Teresa & Großherzog Henri: Personal übt Kritik

Kündigungen und Entlassungen von Mitarbeitern und die Personalkosten am Hof hatten die Regierung zu diesem Schritt veranlasst. Insbesondere Großherzogin Maria Teresa wird als Dreh- und Angelpunkt der Krise am Hof betrachtet. Die Angestellten sollen vor allem wegen ihrer häufigen schlechten Laune und ihren ständigen Stimmungsschwankungen gekündigt haben oder entlassen worden sein. Waringo soll mit gegenwärtigen und ehemaligen Mitarbeitern gesprochen haben, die von "Angst bei der Arbeit" erzählt haben. Der Druck sei groß, berichten die Angestellten.

Großherzog Henri hat sich unterdessen vor wenigen Tagen mit einem emotionalen Statement zu den Vorwürfen gegen seine Frau gemeldet. In seinem Bericht versucht auch Waringo, die Großherzogin ein wenig aus dem Kreuzfeuer der Kritik zu nehmen: "Die Rolle der Großherzogin sollte nicht zur Diskussion stehen", schreibt er, sie bekleide eine "rein repräsentative Rolle".  

Jeannot Waringo hat unter anderem untersucht, wie der Hof in Luxemburg aktuell funktioniert und was dessen Kosten sind. Er hat sich dazu die Monarchien in Schweden, den Niederlande und Belgien als Vorbild genommen.

Die wichtigsten Punkte des Waringo-Berichts im Überblick

  • Das läuft schief am luxemburgischen Hof

Zwischen 2014 und 2019 gab es offenbar 16 Kündigungen, elf Entlassungen und acht Vertragsbeendigungen während der Probezeit. Insgesamt sollen 51 Personen den Hof verlassen haben, Pensionäre nicht mit eingeschlossen. Das ist laut Waringo viel, da nur etwa 110 Mitarbeiter am Hof arbeiten. Der Sonderbeauftragte stellt auch fest, dass am Hof "ein definierter Rekrutierungsprozess" fehle. Es gebe kaum interne Kommunikation und Probleme würden kaum besprochen. Unter den Mitarbeitern stelle er "eine gewisse Besorgnis" fest. Mitarbeiter haben das Gefühl, nicht geachtet zu werden. "Es gibt Anzeichen, die nicht täuschen", schreibt Waringo. "Mir ist aufgefallen, ob zu Recht oder zu Unrecht, dass in Gesprächen und Diskussionen unter Kollegen Fröhlichkeit und Humor selten waren. Jeder ist auf der Hut und wägt seine Worte ab."

  • Die Rolle der Großherzogin Maria Teresa

Großherzogin Maria Teresa ist bisher ein entscheidender Faktor am Hof, wenn es um Personalentscheidungen geht. "Nach den bestätigenden Informationen, die ich während meiner Mission von einer großen Anzahl ehemaliger und gegenwärtiger Mitarbeiter des Hofes sammeln konnte, werden die wichtigsten Entscheidungen im Bereich der Personalverwaltung, sei es in Bezug auf die Einstellung, die Zuweisung an die verschiedenen Abteilungen oder die Entlassung, von I.K.H. der Großherzogin getroffen", stellt Waringo fest. Ihm sei die Mitwirkung der Großherzogin in der Funktionsweise des Hofes besonders in zwei Fällen deutlich geworden, in denen er einen "Beitrag zur Lösungsfindung" leisten wollte. Sehr diplomatisch formuliert der 67-Jährige seine Zweifel daran, dass Maria Teresa weiterhin an wichtigen Personalentscheidungen beteiligt sein sollte:

 Ich möchte sehr ehrlich und unter dem Risiko eines Missverständnisses sagen, dass in der Entscheidungskette des Palastes und insbesondere im Bereich der Personalverwaltung die Großherzogin, die eine rein repräsentative Funktion ausübt, keine Rolle spielen sollte.
  • Maßnahmen zur Verbesserung des Personalmanagements

Es sei wichtig zu akzeptieren, dass die Probleme bestehen und gelöst werden müssen, findet der Sonderbeauftragte. Es sei unvermeidbar, die Monarchie in den wesentlichen Punkt zu reformieren. "Es gibt meiner Meinung nach keine andere Lösung", betont Waringo die Notwendigkeit, das Personalmanagement zu optimieren. Dazu gehöre auch ein geordnetes Bewerbungsverfahren: “Im Moment fehlt dieser Prozess, es gibt keinen solchen Prozess. Sicherlich gibt es einige Puzzlestücke, aber das Puzzle gibt es nicht". 

  • Optimierung der Finanzpolitik

Jeannot Waringo empfiehlt eine größere Transparenz über die Verwendung der Mittel am Hof. Luxemburg soll sich, seiner Ansicht nach, an Belgien orientieren. Alle staatlichen Zuwendungen an den großherzoglichen Hof sollten deutlich aufgeführt sein.

Inwiefern die Vorschläge des Experten Jeannot Waringo umgesetzt werden, wird in den kommenden Tagen eingehend auf Regierungsebene diskutiert werden. Waringos Bericht gilt als Empfehlung und dient als Ausgangspunkt für die Ausarbeitung eines Reformkonzepts für den luxemburgischen Hof. 

Verwendete Quellen: Dana Press, Luxemburger Wort

ama Gala

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