Lilly Sayn-Wittgenstein-Berleburg: "Nie zuvor war ich so happy!"

Früher rockte Lilly Sayn-Wittgenstein-Berleburg die Partyszene, dann wurde es stiller um sie. Ruhig geworden ist die Prinzessin allerdings nicht - im Gegenteil. "Gala" traf sie zum Gespräch über ihr neues Leben

Sie hat es immer noch, das sehr gewisse Etwas. Diesen ungezwungenen, perlenden Charme. Früher, an der Seite ihres damaligen Gatten Alexander zu Schaumburg-Lippe, war Lilly Prinzessin Sayn-Wittgenstein-Berleburg, 41, für ihre grandiosen Society-Auftritte berühmt. Heute bringt sie jeden Raum zum Leuchten. Im Bar-Restaurant des Münchner Luxushotels "Vier Jahreszeiten" drücken die anwesenden Herren flugs den Rücken durch, rücken die Krawatte zurecht und linsen verstohlen herüber, als die gazellenhafte Blondine einschwebt und ihre langen, Pilates-gestählten Beine unterm Tisch verstaut. Verzaubert wirkt auch der Kellner, bei dem sie in fließendem Italienisch ("Er sieht aus wie ein Italiener") einen Americano ordert. Er ist zwar Ägypter - bringt ihr aber trotzdem umgehend einen Kaffee.

Einst galt Lilly Sayn-Wittgenstein-Berleburg als schillerndste Prinzessin Deutschlands. Märchenhaft ihre Hochzeit 1993, als die gerade mal 20-Jährige den fast 14 Jahre älteren Alexander zu Schaumburg-Lippe heiratet. "Ich habe schon verflucht jung angefangen", sagt sie und lacht herzlich.

Prinzessin Leonor

Sie hält eine Rede in vier Sprachen

Prinzessin Leonor und König Felipe
König Felipe ist mächtig stolz auf seine Tochter Leonor. Bei den Prinzessin von Girona-Preise hielt die 14-Jährige eine Rede in vier Sprachen.
©Gala

Nach der Heirat zieht sie zu ihrem Traumprinzen aufs Schloss Bückeburg nahe Hannover, bringt fix den ersehnten Erben Heinrich Donatus, genannt Teddy, zur Welt. Außerdem geht Lilly gern feiern, was ihr den Spitznamen "Partyprinzessin" einbringt. "Mein Ex-Mann hat schon viel mit mir aushalten müssen. Er ist ja meistens mitgekommen. Und nur weil ich mehr Aufmerksamkeit erregt habe, heißt das nicht, dass er nicht über die Stränge geschlagen hat."

Die Ehe wird 2002 geschieden - "der Altersunterschied war doch zu groß". Lilly zieht mit Teddy nach München. 2003 heiratet sie den griechischstämmigen Designer Lambros Milona, geht mit ihm nach Mailand und bekommt vor neun Jahren Tochter Lana. Lange schien es so, als sei die Prinzessin an diesem Punkt in ein glückliches Privatleben abgetaucht. Was wirklich bei ihr los war, hat sie noch nie ausführlich erzählt. Für "Gala" öffnet sie nun ihr Herz.

Erste Überraschung: Auch Lillys zweite Ehe neigt sich dem Ende zu. "Wir lassen uns scheiden. Aber ganz friedlich. Eine Trennung ist immer schmerzhaft, aber manchmal wächst man eben auseinander. Es gibt schon Momente, in denen ich mich frage: Was ist bloß falsch mit mir?"

Vorigen Dezember zog Lilly ins idyllisch im Salzkammergut gelegene Örtchen Altaussee. Dort wird sie von der Familie aufgefangen, ihre Schwester Vanessa wohnt mit ihrem Mann und drei Kindern auf einem Landsitz in der 2000-Seelen-Gemeinde, die nun auch die Heimat von Lilly ist. Fast nur Dirndl trägt sie an diesem Sehnsuchtsort zweieinhalb Autostunden von München entfernt, an dem der Sommerwind so wunderbar allen Stress und Kummer wegblasen kann. Was ihr besonders gut gefällt: Tochter Lana wächst quasi mit drei Geschwistern auf und besucht die Grundschule gleich in der Nähe. "Wenn sie 12, 13 Jahre alt ist, werden wir schauen, ob sie ins Internat geht oder wir in eine größere Stadt umziehen."

Bis dahin hat Prinzessin Lilly viele Pläne. Diese Frau brennt für ihr neues Leben. Für das Gefühl, endlich alles selbst regeln zu dürfen. "Ich bin jetzt 41 Jahre und stehe erstmals wirklich für mich. Kein Mann entscheidet für mich! Das fühlt sich unglaublich gut an." Als Bulgari-Markenbotschafterin ist sie derzeit viel unterwegs, reiste für den Edel-Juwelier zur Berlinale und nach Cannes. "Mein Fokus liegt gerade auf meiner Aufgabe bei Bulgari. Alles andere darf sich entfalten." Ein eigenes Fashion-Label etwa, das die gelernte Schneiderin aufbauen möchte. Das Verhältnis zu Ex-Ehemann Alexander ist ausgezeichnet. "Wir waren sehr, sehr innige Freunde, bevor wir zusammenkamen. Und das sind wir heute wieder. Vielleicht sollte das alles so sein. Er ist eine wunderbare Beziehung, die ich mir nie wegdenken möchte."

Lilly vermisst Schloss Bückeburg, diese herrlich an einem Fluss gelegene Wohlfühloase. "Ich habe es sofort geliebt, es fühlt sich für mich nach wie vor wie ein Zuhause an." Ob sie vielleicht doch bei Mann und Schloss hätte bleiben sollen, diese Frage trieb die Prinzessin zeitweise um: "Ich hatte Momente, in denen ich darüber nachgedacht habe. Wirklich bereut habe ich es aber nicht." Fürstin wäre Lilly heute sonst, Herrin von Bückeburg. Eine Aufgabe, die sie schon bei der Eheschließung reizte: "Selbstverständlich war ich zu dieser Rolle bereit, als ich geheiratet habe. Ich wäre gerne Fürstin geworden. Ich bin sehr gut im Repräsentieren und im Umgang mit Menschen." Über dieses Talent darf sich nun ihr Arbeitgeber Bulgari freuen.

Aus der ersten Verbindung geblieben ist nicht nur das gute Gefühl, einen Freund fürs Leben gewonnen zu haben - sondern vor allem Sohn Heinrich Donatus. Er lernt gerade bei der Bundeswehr in Dresden das Offiziershandwerk. "Er wollte das, wir haben ihm das nicht aufgezwungen. Danach möchte er Business und Marketing studieren. Ich finde ja, er sollte vor allem leben und viel Neues ausprobieren." Einmal wollte Heinrich Donatus tatsächlich ausbüxen. Mit 17 schrieb er einen Song, auf den die Plattenfirma EMI aufmerksam wurde. Dann passierte das, was die meisten Mütter wohl zu purer Verzweiflung treiben würde: "Mami, ich mach kein Abi, sondern toure durch die USA", eröffnete der Sohn. Lillys klare Ansage: "Alles gut und schön. Aber ich komme mit. Und wenn du von der Bühne steigst, gibt es nicht Sex, Drugs and Rock’n’ Roll, sondern einen Lehrer, der dich durchs Abi prügelt." Diese Aussicht schien wenig verlockend, Heinrich Donatus blieb auf dem Schweizer Elite-Internat Aiglon. Tschüs, Rock’n’Roll! Und wie steht’s mit Sex und Drogen? "Also Sex und Rock’n’Roll wünsche ich ihm auf jeden Fall. Bei Drogen bin ich mir nicht so sicher", sagt Lilly.

Ihr kleiner Junge, mit dem sie als junge Mutter so gerne "Star Wars" spielte und dabei Salven aus Wasserpistolen auf ihn schoss, ist erwachsen geworden. "Während der Berlinale dachten alle, er ist mein Lover. Darüber habe ich mich sehr amüsiert. Er ist so gar nicht mein Typ", erklärt die Prinzessin und lacht laut. Sie liebt anders. "Es geht natürlich auch um physische Anziehung, das ist klar. Aber ich finde einen Mann mit einer gewissen Patina und einem gereiften Charakter spannender. Ein Mann muss mich weiterbringen." Sie sagt aber auch: "Ich war noch nie so sehr zu Hause in mir wie zurzeit. Nie zuvor im Leben war ich so happy!"

Ein bisschen Feenstaub bleibt im "Vier Jahreszeiten" zurück, als sie kurz nach unserem Gespräch wieder entschwindet. Und ein paar Männer recken ein letztes Mal die Hälse.

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