Fürstin Charlène von Monaco: Ihr Spiel mit dem Feuer

Sie sagt, was sie denkt, und geht, wohin sie will. Knapp vier Monate nach ihrer Hochzeit macht sich Fürstin Charlène mit ihrer eigenständigen Art nicht nur Freunde

Der monegassische Fürstenpalast

braucht dringend eine Generalüberholung. Neue Teppiche, neue Möbel, neue Vorhänge – die Einrichtung stammt zum größten Teil aus den Sechzigerjahren, als Fürstin Gracia Patricia hier ihre Kinder aufzog. Zeit für die neue Fürstin, ordentlich zu entrümpeln, frischen Wind in die Palastmauern zu bringen!

Was sie bereits festgestellt haben dürfte: Nicht nur die Inneneinrichtung, auch vieles andere am Hof der Grimaldis bedarf einer Erneuerung. Doch nicht mit allem, was sie unternimmt, stößt Charlène auf so viel Beifall wie mit ihrer Vorliebe für modernes Design. In den ersten vier Monaten seit ihrer Hochzeit mit Fürst Albert hat sie vor allem eines deutlich gemacht: Sie ist ein Freigeist, der sich nicht einsperren lässt - auch nicht in einen goldenen Käfig. Statt ihre eigenen Interessen komplett denen ihres Mannes und seines Amtes unterzuordnen, will sie über ihre Zeit möglichst selbst bestimmen. "Ich bin eine unabhängige Frau", sagte Charlène dem englischen "Telegraph", als sie Anfang Oktober überraschend bei der Fashion Week in Paris auftauchte, um die Schau ihres Lieblings-Labels Akris zu sehen.

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©Gala

Für solche Auftritte wird die Fürstin von den Monegassen geschätzt: Bei einer Präsentation der humanitären Vereinigung von Monaco nahm Charlène liebevoll ein kleines Mädchen auf den Arm.

"Sie wirkte sehr entspannt, gut gelaunt und begeistert", sagt Albert Kriemler, Kreativchef der Modefirma, zu "Gala". "Mich fasziniert, mit wie viel Eleganz und Grazie sie die Rolle als Fürstin ausfüllt und wie sie ihren ganz eigenen Stil in Monaco etabliert hat." Tatsächlich ist es sympathisch, wie bodenständig die gebürtige Südafrikanerin offenbar geblieben ist. Große Entourage, Horden von Bodyguards? Fehlanzeige. "Ich mag das nicht", gab Charlène überraschend offenherzig zu Protokoll. Sie habe vor, ein normales Leben zu führen - "auf meine Weise". Mutig oder leichtsinnig? Hinter den Kulissen dürfte es jedenfalls mächtig gebrodelt haben. Man stelle sich vor, der Fürstin wäre etwas zugestoßen! Das hätte nicht nur die monegassische Leibgarde, sondern auch die französische Polizei in größte Erklärungsnöte gebracht. "Ein Albtraum für jeden Sicherheitschef!", so ein Monaco-Insider zu "Gala". "Palastmitarbeiter sind es gewohnt, alles unter Kontrolle zu haben. Bei öffentlichen Auftritten ist eigentlich immer ein Stab von Beratern dabei, die dafür sorgen, dass alles nach Plan läuft." Normalerweise werde auch jedes Interview gegengelesen, um das Image des Fürsten oder der Fürstin im Blick zu behalten.

Sport als "gemeinsamer Nenner": Auf der Tribüne bei der Rugby-Weltmeisterschaft in Neuseeland amüsierten sich Fürstin Charlène und Fürst Albert prächtig.

Etwas verloren wirkte Fürstin Charléne beim Staatsbesuch des kroatischen Präsidenten Anfang Oktober.

Bis vor Kurzem war das vor allem Aufgabe von Christiane Stahl, Alberts engster Vertrauten und Beraterin. Doch Anfang August verließ die Französin den Hof, um sich anderen Aufgaben zu widmen, wie der Palast bekannt gab. Auch auf die Dienste seines ehemaligen Protokollchefs General John Jayet muss Albert inzwischen verzichten. Dieser schied nur wenige Tage nach der Hochzeit, die er selbst organisiert hatte, aus dem Dienst. "Am monegassischen Hof arbeiten heute vor allem viele Urgesteine, die schon Fürst Rainier einst eingestellt hat", sagt der Insider. "Sie besitzen oft wenig Verständnis für die modernen Ansichten von Albert und Charlène." Dass sich die junge Fürstin mit ihren freimütigen Äußerungen und unbewachten Ausflügen hier nicht nur Freunde macht, ist klar. Ihr Ehemann dürfte da schon toleranter sein - gilt doch auch er als Modernisierer.

Seit dem Tod seines Vaters vor sechs Jahren versucht Albert, das Fürstentum in wirtschaftlicher und ökologischer Hinsicht zu reformieren, sein Regierungsstil ist weit weniger autoritär als der seines Vorgängers. "Albert will ein Fürst zum Anfassen sein", so der Palast-Kenner. Von seiner Frau wünsche er sich vor allem, dass sie seine Arbeit unterstütze und eine gute Repräsentantin des monegassischen Staats abgebe. Trotzdem: Oft sah man den Fürsten in den vergangenen Monaten ohne Charlène in der Öffentlichkeit. Sie selbst gab zu, sie habe ihre Rolle noch nicht wirklich gefunden.

Fürst Albert + Fürstin Charlène

Der Fürst und die schöne Schwimmerin

27. Januar 2020  Schon am Vorabend fanden Feierlichkeiten zu Ehren des Schutzheiligen der Grimaldi-Familie Saint Devote statt. Und am Tag drauf erfreuen Charlène, Albert und die Zwillinge ihre Monegassen mit einem Auftritt auf dem Balkon des Fürstenpalastes.
27. Januar 2020  Alles etwas langweilig für die energiegeladene kleine Prinzessin Gabriella. Sie schaut sich die Welt lieber durch ihr Schmalzgebäck an.
Bei den Feierlichkeiten Sainte Dévot​e 2020 in Monte-Carlo zeigen sich die Zwillinge Jacques und Gabriella nicht nur andächtig, sondern auch überaus stylish. Wohingegen der fünfjährige Jacques von Monaco ganz auf die Farbe Blau setzt und somit im Partnerlook mit seinem Vater Fürst Albert und seiner Mama Fürstin Charlène geht, wählt seine süße Schwester ... 
... Gabriella von Monaco die Mantel-Variante in Rot. Dazu kombiniert die fünfjährige Prinzessin eine schwarze Strumpfhose und ebenfalls schwarze Lack-Ballerina. Die Zwillinge mögen an dem Tag zwar unterschiedlich aussehen, doch diese niedlichen Gesten verraten, wie nah sie sich doch stehen. Sie tuscheln, lachen und ... 

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"Die Fürstin hat sich seit der Hochzeit nur zu sehr ausgewählten Anlässen gezeigt", sagt Petra Hall, Chefredakteurin der "Riviera Côte d'Azur Zeitung" zu "Gala", "natürlich beim Rot-Kreuz-Ball im August, aber sonst eher im karitativen oder sozialen Rahmen." Manche Termine scheinen der ehemaligen Profi-Schwimmerin mehr zu liegen als andere: Beim Staatsbesuch des kroatischen Präsidenten Anfang Oktober stand Charlène ein wenig verloren hinter ihrem Gatten. Als sie wenige Tage später bei einer Hilfsorganisation ein kleines Mädchen auf den Arm nahm, schien sie hingegen aufzublühen. So richtig in ihrem Element war sie schließlich am Wochenende bei der Rugby-Weltmeisterschaft in Neuseeland. Dass Sport der "gemeinsame Nenner" in ihrer Beziehung sei, hatte Charlène schon kurz vor der Hochzeit verraten. Bloß nichts überstürzen, bloß nicht verzetteln.

Wenn der Fürstenpalast in Monaco für Enge und Strenge steht, dann steht Roc Agel für Freiheit, Licht und Luft. Das Sommerhaus der Grimaldis, oberhalb der französischen Riviera, diente schon Gracia Patricia als Refugium. Charlène genoss hier bloß wenige Wochen nach ihrer Trauung eine Auszeit.

Zuletzt verbrachte Charlène viel Zeit auf Roc Agel, dem Landsitz der Grimaldis. Hier, jenseits der französischen Grenze, scheint der monegassische Fürstenpalast mit seinen staubigen Möbeln, den vielen Regeln und altmodischen Hofschranzen weit weg zu sein. Ein Gefühl, dass auch Charlènes Vorgängerin Gracia Patricia sehr zu schätzen wusste. "Roc Agel ist ein Haus der Entspannung, jenseits des Protokolls, wo man machen kann, was man will", sagte Alberts Mutter einmal. Jetzt muss die junge Fürstin nur noch lernen, die richtige Balance zu finden. Stefanie Richter

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