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Delphine Boël und die Vaterschaftsfrage Jetzt wird es eng für den Ex-König

Delphine Boël
Delphine Boël
© Getty Images
Delphine Boël ist fast am Ziel. Ein Gericht entscheidet nun, ob die Künstlerin die uneheliche Tochter von König Albert von Belgien ist

Seine Strategie ist seit 16 Jahren dieselbe: schweigen. Nun aber kommt der belgische Ex-König Albert, 82, mit dem Aussitzen nicht mehr weiter. So oder so werden die Richter am Brüsseler Gericht in den kommenden Tagen das Urteil sprechen. Es geht um die Frage, ob Delphine Boël, 49, seine Tochter ist. Oder nicht.

Zur Not werden Indizien entscheiden

Verweigert er einen Vaterschaftstest, wird das Gericht nach Indizienlage entscheiden. Fotos und Dokumente sollen denn Aufschluss darüber geben, ob Boël das Kind aus einer heimlichen Beziehung ihrer Mutter Baronin Sybille de Sélys-Longchamps mit Albert ist.
An der Thronfolge würde das zwar nichts ändern, wohl aber an der Verteilung des Erbes.

Besonders pikant: Ein anderer DNA-Test hat bereits bewiesen, dass Jacques Boël, der offiziell Delphines Vater sein sollte, es nicht ist. Es wird also eng für den ehemaligen Monarchen, der sich bei der jüngsten Verhandlung nicht blicken ließ. Er müsse seiner kranken Frau Paola, 79, zur Seite stehen, richteten seine Anwälte aus. Boël erschien in Begleitung ihres Ehemannes und ihrer Mutter; die Künstlerin wirkte selbstbewusst und ungebrochen. 

Delphine Boel und ihr Anwalt Marc Uyttendaele verlassen am 21. Februar 2017 gut gelaunt und zuversichtlich das Gerichtsgebäude in Brüssel.
Delphine Boel und ihr Anwalt Marc Uyttendaele verlassen am 21. Februar 2017 gut gelaunt und zuversichtlich das Gerichtsgebäude in Brüssel.
© Getty Images

Boël ist Künstlerin und verarbeitet so auch ihre Geschichte

»NEVER GIVE UP«heißt eine Bilderserie ihrer Ausstellung, die gerade in einem Brüsseler Museum zu sehen ist. Und dass sie nicht aufgeben wird, sollte Albert wohl allmählich erkannt haben. Seit den Gerüchten über die angebliche Vaterschaft um die Jahrtausendwende herum versuchte Delphine Kontakt zu ihm aufzunehmen. „Er hat aber alle Briefe und Anrufe ignoriert“, so die Mutter einer zehnjährigen Tochter in einem Interview.
Dabei, so Boël weiter, sei der Kontakt früher so eng gewesen. Gern erzählt sie, wie häufig Albert seine Mutter und sie in den Sechziger- und Siebzigerjahren in „einer Wohnung mit diskretem Parkplatz“ besuchte und sie später, wenn sie vom Essengehen zurückkamen, in den Aufzug getragen habe.

Ein Buch veränderte ihr Leben

In einer 1999 veröffentlichen Biografie über Paola wurden die Gerüchte, dass der regelmäßige Besucher ihr Vater sein soll, dann erstmals öffentlich. Und sie stellten das Leben der Künstlerin auf den Kopf. „Zunächst habe ich mich für zwei Jahre versteckt.
Aber das hat mich unglücklich gemacht. Es hat nicht zu mir gepasst", sagte sie vor wenigen Jahren in einem GALA-Interview. 

Besser passt offenbar zu ihr, dass sie die Wahrheit sucht. Als Albert 2013 die Regentschaft an seinen Sohn Philippe, 56, abgab und damit im rechtlichen Sinne nicht mehr immun war, reichte Boël eine Vaterschaftsklage ein. Bald hält sie das Urteil in den Händen. Dass er mit ihr reden muss, wird allerdings nicht darin stehen.

Gala

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