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Delphine Boël Erstes Interview als Prinzessin von Belgien

Nach sieben Jahren Kampf darf Delphine Boël sich nun endlich Ihre Königliche Hoheit, Prinzessin Delphine von Belgien nennen. 
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Delphine Boël darf sich ab sofort Ihre Königliche Hoheit, Prinzessin Delphine von Belgien nennen und den Namen des Königshauses, von Sachsen-Coburg und Gotha, tragen. Das entschied das Brüsseler Berufungsgericht am 1. Oktober. Vier Tage später spricht Delphine zum ersten Mal ausführlich vor der Presse.

Das Interesse ist groß, als sich Delphine Boël, 52, auf den Weg zum Podium macht und dort neben ihren drei Anwälten Platz nimmt. Etwa 50 bis 60 Medienvertreter sind in die Freie Universität Brüssel gekommen, um sich die Worte der neuen Prinzessin von Belgien anzuhören. 

Bei Prinzessin Delphine fließen die Tränen

Sieben Jahre hat Delphine vor Gericht um die Anerkennung als Tochter von König Albert, 86, gekämpft. Ein kräftezerrendes Unterfangen, wie sie zugibt. "Du bist die ganze Zeit wie auf einem Schlachtfeld, immer wie in einem kleinen Krieg. Es fühlte sich so unnatürlich an, vor Gericht zu gehen, besonders dafür, von meinem eigenen Blut, meinem eigenen Vater, erkannt zu werden." Eine Person war ihr eine besonders wichtige Stütze: Jim O'Hare, der Vater ihrer beiden Kinder Josephine, 16, und Oscar, 12. "Er war meine große Schulter [zum Anlehnen]", sagt die Prinzessin auf Nachfrage. Die Emotionen übermannen sie, Tränen laufen. Sie muss das Interview kurzzeitig unterbrechen. Jim O'Hare kommt ans Podium, reicht ihr ein Taschentuch. Delphine fängt sich, die PK kann weitergehen.

Enttäuscht von Alt-König Albert

Sie habe Albert geliebt und früher eine gute Beziehung zu ihm gehabt, erklärt Delphine. Sie habe ihn und ihre Mutter Sybille de Sélys Longchamps, deren Beziehung von 1966 bis 1984 gedauert haben soll, sogar vor der Öffentlichkeit geschützt. 2001 brach der Kontakt laut früherer Aussagen von Delphine Boël ab, nachdem Albert sie am Telefon mit "Du bist nicht meine Tochter" angeschrien habe. Nach dem DNA-Test habe sie gehofft, dass sie und Albert sich aussprechen und sie beide als Gewinner aus der Situation herausgehen würden. Dass ihr Vater demütig sei, erklärt Delphine heute in Brüssel.

Doch diese Hoffnung wurde enttäuscht: Albert ließ über seinen Anwalt nach dem DNA-Test verlauten, dass er nie in Betracht gezogen habe, dass Delphine seine Tochter sei und keine väterlichen Gefühle für sie hege. Die Distanzierung war ein Schlag für Delphine.

Es fühlte sich an wie ein Messer im Rücken.

Die Reaktion des Königs sollte sich als Wendepunkt erweisen. "Danach dachte ich: 'Okay, wenn das der Fall ist, dann ist alles, wonach ich frage, dass ich mit meinen Brüdern und Schwestern gleichgestellt bin", erklärt die neue Prinzessin in der Pressekonferenz. Mit Erfolg, wie die Entscheidung des Brüsseler Berufungsgerichts zeigt.

Prinzessin Delphine dementiert Vorwurf der Geldgier

Den Vorwurf, es gehe ihr um finanzielle Vorteile, dementiert Prinzessin Delphine erneut. "Wenn ich es für das Geld getan hätte, wäre es ziemlich dumm von mir gewesen, diesen Weg zu gehen." Damit spielt sie auf das Vermögen jenes Mannes an, als dessen Tochter sie bis zum DNA-Test galt: Der Industrielle Jacques Boël ist etwa viermal so reicht wie König Albert. (Von Sybille de Sélys Longchamps ist er schon seit Jahrzehnten geschieden).

Auf ihren Prinzessinnen-Titel legt sie im Alltag offenbar keinen großen Wert. "Ich werde immer noch Delphine sein. Ich werde nicht auf der Straße rumhängen und sagen: Bitte nennen Sie mich Prinzessin." Sie räumt jedoch ein, ihren Namen für karitative Zwecke gerne zur Verfügung stellen zu wollen. 

Auftritte mit den belgischen Royals? Ja, wenn ...

Die Frage, ob sie sich vorstellen könne, mit ihrem Halbbruder König Philippe, 60, für das belgische Königshaus aufzutreten, beantwortet Boël wie folgt: "Wenn sie [der Palast] mich mit großer Freundlichkeit und großem Willkommen einladen würden, würde ich mich sehr freuen. Das müsste sein, weil sie es wollen, nicht weil sie gezwungen werden." Mit einer Einladung rechne sie allerdings nicht, fährt Prinzessin Delphine fort. "Ich erwarte nichts [von der belgischen Königsfamilie]. Ich werde einfach meine Arbeit [als Künstlerin] fortsetzen." Doch sie stellt auch in Bezug ihr ihren Halbbruder klar: "Ich werde nicht auf die Knie gehen und ihn um etwas bitten." Bisher hat sich der König noch nicht öffentlich zum neuen Familienmitglied geäußert.Ihren Frieden immerhin scheint Delphine nach den Jahren des Kampfes gefunden zu haben: "Ich glaube, ich schulde es jetzt, zu sagen, wie ich mich dabei fühle. Ich hoffe, die Dinge sind jetzt anders und machen mehr Spaß."

Verwendete Quelle: twitter.com/WDehandschutter

jre Gala

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