Oliver Hirschbiegel: Fragil, aber ein Leitbild

Zum Deutschland-Start seiner umstrittenen Film-Biografie "Diana" erklärt Regisseur Oliver Hirschbiegel, warum er ein Fan der Monarchie ist - auch in Deutschland

Oliver Hirschbiegel bei der Premiere des Kinofilms "Diana" in München.

Am Stoff kann es nicht liegen. Die Liaison, die Prinzessin Diana in ihren letzten beiden Lebensjahren mit dem pakistanischen Herzchirurgen Hasnat Khan verband, bot alles, was ein guter Film braucht: Leidenschaft, Drama, Action. Trotzdem floppte das Biopic "Diana" in vielen Ländern, in denen es seit der Weltpremiere im September bereits lief. In Großbritannien, Amerika und anderen Märkten spielte es nur rund sieben Millionen Dollar ein - bei geschätzten Produktionskosten von 40 Millionen. Der echte Hasnat Khan sowie die britische Königsfamilie distanzierten sich von dem Film, viele Diana-Fans sahen ihr Idol ins falsche Licht gerückt. Vor diesem Hintergrund ist es schon erstaunlich, wie entspannt Regisseur Oliver Hirschbiegel, 56, beim "Gala"-Interview in München wirkt. Dem deutschen Kinostart diese Woche sieht er optimistisch entgegen.

Als deutscher Regisseur haben Sie einen Film über eine britische Ikone gemacht. Ist das nicht ein Sakrileg?

Für einen englischen Regisseur wäre es wahrscheinlich unmöglich gewesen, da halbwegs neutral vorzugehen. Für die Engländer ist das Königshaus absolut identitätsstiftend, auch wenn sie es hassen. Deswegen war die Entscheidung der Produzenten, einen Deutschen zu engagieren, wahrscheinlich ganz clever.

Wie stehen Sie generell zur Monarchie?

Unterm Strich würde ich sagen: Die Idee einer Monarchie ist nicht blöd. Vorausgesetzt, es sind die richtigen Leute an der Spitze.

Was gefällt Ihnen daran?

Gerade in der heutigen Zeit, wo Werte schwinden und die Religion an Bedeutung verliert, kann ein Herrscher, der ein bisschen abgehoben über allem steht, ein wichtiges Leitbild sein.

In England wurde "Diana" stark kritisiert, und auch dort floppte der Film. Glauben Sie, dass er nun in Deutschland wohlwollender aufgenommen wird?

Davon bin ich fest überzeugt. Bei den Dänen zum Beispiel war er wochenlang ein Number-One-Hit. Gut, die haben auch eine Monarchie - aber die dänischen Königlichen sind immer berührbar gewesen, ganz anders als die britischen. Die Faszination Diana ist ja auch deshalb so groß, weil sie als Erste in dieser unberührbaren, gefühllosen Welt sehr emotional, sehr unverstellt war und eine Verbindung zu den Menschen gesucht hat.

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Deutschland ist eine Republik, aber das Interesse für Königshäuser ist hier riesig. Woran mag das liegen?

Wir hatten mal den Kaiser. Aber verglichen mit der Geschichte Englands oder Frankreichs war das nur eine sehr kurze Episode. Deutschland bestand immer aus all diesen verschiedenen Staaten und Stadtstaaten und Minireichen. Vielleicht liegt die Faszination darin, dass man sich idealisiert etwas wünscht, was man selber nicht hat, nicht haben kann und auch nicht wirklich haben will. Aber man findet die Idee spannend.

Regisseur Hirschbiegel mit GALA-Königshausexpertin Stefanie Richter beim Interview in München.

Jedes kleine Mädchen kennt den Traum, einen Prinzen zu heiraten und Prinzessin zu werden. Wenn man sich Dianas Leben anschaut, ist das eher ein Albtraum …

Ich glaube, als Prinzessin befindet man sich in einer Isolation, der schwer zu entkommen ist. Und die tragisch ist. In England lebt die Königsfamilie separiert von der übrigen Gesellschaft, bis heute. Nur William und Harry haben das ein bisschen gelockert - ganz im Sinne ihrer Mutter Diana.

Hat Williams Frau Kate das Zeug, die neue Diana zu werden?

Die beiden sind so unterschiedlich, das kann man nicht vergleichen! Kate ist viel rationaler, viel kontrollierter. Was sie für mich persönlich ein bisschen langweiliger macht. Diana ist so spannend für mich, weil man nie wusste, was ihr nächster Schritt sein würde.

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War Diana eine tragische Figur?

Sie hat nicht nur gelitten, sie hat die Öffentlichkeit auch gebraucht. Sie konnte frech sein, war intelligent, hatte einen super Instinkt. Doch es gab auch eine große Unsicherheit in ihr - wie bei Schauspielern. Die brauchen das Scheinwerferlicht, um zu leben, sich auszudrücken, Bestätigung zu erhalten. Aber sie sind oft sehr fragile Persönlichkeiten.

Wen könnten Sie sich denn auf dem deutschen Thron vorstellen?

Auf jeden Fall muss es ein Vertreter eines deutschen Adelshauses sein. Ich müsste direkt mal gucken, wen es da so gibt. (lacht)

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