Nico Hofmann: "Ich dachte, der Roman sei unverfilmbar"

26 Jahre nach dem Bucherfolg hat es "Der Medicus" auch ins Kino geschafft. In "Gala" erklärt Nico Hofmann den abenteuerlichen Weg, den er dafür als Produzent gehen musste

Sein Name steht für Erfolg. Ob "Der Turm", "Unsere Mütter, unsere Väter" oder "Die Flucht" - Filmproduzent Nico Hofmann, 54, hat einen Riecher für gute Filmstoffe. Auch der Bestsellerroman "Der Medicus" stand ganz oben auf der Wunschliste von ihm und UFA-Chef Wolf Bauer. Bevor die erste Klappe für die 26-Millionen-Euro-Produktion mit Stars wie Sir Ben Kingsley und Olivier Martinez fallen konnte, mussten jedoch einige Hürden genommen werden.

Wann sind Sie dem "Medicus" verfallen?

Gleich 1987, als der Roman erschien. Die großen Themen Religion und menschliche Toleranz haben Wolf Bauer und mich sehr bewegt - es war eine unglaubliche Entdeckungsreise. Offenbar hat Noah Gordon den Zeitgeist getroffen: In Deutschland haben das Buch mehr als sechs Millionen Menschen gelesen.

Erkannten Sie damals schon, dass es ein toller Filmstoff ist?

Ehrlich gesagt habe ich zunächst gedacht, dass der Roman unverfilmbar sei. Ich konnte mir nicht vorstellen, wie man so viele Bilderwelten in zweieinhalb Stunden zeigen kann.

Dann sind die Rechte erst mal an jemand anderen gegangen.

Wolf Bauer, der gemeinsam mit mir den "Medicus" produziert hat, hatte sich gleich 1987 um die Filmrechte bemüht, kam aber 14 Tage zu spät: Sie waren schon vergeben. Zunächst hatte sie Dietrich Grönemeyer, der Bruder von Herbert Grönemeyer, gekauft, dann Senator-Film mit Regisseur Uli Edel. Doch keinem ist es gelungen, den "Medicus" zu verfilmen. Schließlich bekamen wir 2008 noch einmal die Chance, weil die Rechte wieder zurück an Noah Gordon gingen.

Die Arbeit für den "Medicus" führte Nico Hofmann unter anderem nach Marokko und auf eine Burg in Thüringen. Für den Cast konnte er die Jungstars Tom Payne und Emma Rigby gewinnen.

Wie konnten Sie Gordon überzeugen?

Wolf und ich mussten allein zweimal nach New York fliegen, um seinen Agenten zu überreden, dass sich Noah Gordon mit uns trifft. Er war sehr kritisch, weil es mit der Verfilmung bis zu dem Zeitpunkt nicht wirklich vorangegangen war.

Wie war Ihre erste Begegnung?

Filmpremiere

Der Medicus kommt nach Berlin

Ursula Karven und Maria Furtwängler

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Noah Gordon ist ein toller Mensch in seiner ganzen Ausstrahlung, seiner Menschlichkeit, seinem jüdischen Witz, seiner Klugheit und seiner großen Güte. Wolf Bauer und ich sind nach Boston geflogen und erst mal mit ihm spazieren gegangen. Wir haben ihm dabei fast vier Stunden erklärt, wie wir uns den Film vorstellen. Das hat ihn überzeugt.

Vom Buch zum Film: Die Produzenten Wolf Bauer (l.) und Nico Hofmann (r.) sind mehrmals nach Boston geflogen, um Noah Gordon und dessen Tochter Lise zu treffen. Letztlich konnten die Deutschen den Erfolgsautor überzeugen, ihnen die Filmrechte an "Der Medicus" zu geben. Der Bestseller hatte weltweit über 21 Millionen Leser. Kinostart: 25. Dezember

Was war ihm wichtig?

Er wollte unbedingt, dass es ein europäischer Film wird und kein amerikanischer Blockbuster. Obwohl er Amerikaner ist und auch immer in Amerika gelebt hat, ist er in seinem Herzen eigentlich Europäer.

Was war die größte Herausforderung?

Das Schwierigste war sicherlich, die Hauptfigur zu besetzen, unseren Rob Cole zu finden. Es war ein langes Casting, aber am Ende war uns ganz klar, dass wir mit Tom Payne den Richtigen gefunden haben. Es gab auch bekanntere Namen, die vielleicht besser zu "verkaufen" gewesen wären. Wir aber haben an Payne festgehalten.

Konnte Noah Gordon den fertigen Film schon sehen, 26 Jahre nachdem er den Roman geschrieben hat?

Ja, wir sind noch mal nach Boston geflogen, haben ein Kino in seiner Nachbarschaft gemietet und ihm und seiner Frau den "Medicus" gezeigt. Es war extrem bewegend. Vor allem seine Frau war sehr berührt. Zum einen, weil sie den Film toll fand, aber auch weil sie sich so gefreut hat, dass ihr Mann den Film nun doch noch auf der Leinwand sehen kann. Er ist ja schon 87.

Gala

Inhaltsverzeichnis

Gala: Inhaltsverzeichnis

Mit Elyas M’Barek und Fahri Yardim spielen auch zwei deutsche Stars mit.

Elyas wollte ich unbedingt dabei haben, weil ich ihn und seine schauspielerische Leistung sehr schätze. Auch Fahri ist ein gigantischer Schauspieler. Seine Kraft mag ich sehr, er bläst einen mit seiner Rolle richtig weg. Selbst Weltstars wie Ben Kingsley und Olivier Martinez haben respektvoll die Leistung der beiden anerkannt.

"Der Medicus" läuft ab 25. Dezember in den Kinos. Sind Sie aufgeregt?

Jetzt nicht mehr, aber beim ersten Testscreening in Mainz war ich sehr aufgeregt. Denn da merkt man sofort, ob ein Film funktioniert oder ob er untergeht. Und eigentlich deckt sich das fast immer mit dem Erfolg. Zum Glück war das Screening sehr positiv.

Welche neuen Projekte stehen nun an?

Ich komme gerade aus Südafrika. Da beginnen wir im April mit den Dreharbeiten zu "Grzimek" mit Ulrich Tukur. Außerdem werden wir bald mit Maria Furtwängler "Leni Riefenstahl" produzieren, und im Januar hat die Kinoversion von "Unsere Mütter, unsere Väter" Weltpremiere in New York - also fliege ich wieder durch die Weltgeschichte.

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