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Weihnachten Marcus Luft über den besonderen Zauber der Festtage

Cara Delevingne
© Getty Images
Warum es gut ist, wenn in der Weihnachtszeit die rationalen Sicherungen durchbrennen

Dieser besondere Moment ist immer gleich. Während eines City-Bummels im November sehe ich in der Auslage des Fachgeschäfts Weitz am Hamburger Neuen Wall das Geschirr von Royal Copenhagen. Die Weihnachts-Edition! Golden umrandet, mit kleinen Tannen und roten Schleifchen. Noch bevor ich etwas sagen kann, schaut mich mein Freund an: "Nein, wir brauchen kein Weihnachtgeschirr. Es ist auch viel zu kitschig für uns." Ich nicke. Und denke: Montag kaufe ich die süße Dose, für Vanillekipferl im Büro …

So beginnt der Rationalitätsverlust. Fragen wie "Brauche ich das?" kommen mir vier Wochen lang nicht mehr in den Sinn. Ich ergebe mich dem konsumistischen Weihnachtsgefühl. Meine Pausen verbringe ich in Dekoabteilungen. Ich kaufe alle Duftkerzen von Jo Malone über Diptyque bis Ralph Lauren. Es muss nur so was wie "Christmas" oder "Tanne" draufstehen.

Fast täglich schlendere ich über den Weihnachtsmarkt und esse eine Orginal Thüringer Rostbratwurst. Selbstverständlich laufen bei Spotify nur noch Weihnachtsalben. Céline Dion. Mariah Carey. Michael Bublé. Helene Fischer. Ich höre sie sogar beim Sport. Was etwas unangenehm werden kann, wenn sich bei Sit-ups der dusselige Kopfhörer lockert und das ganze Studio "All I Want Is Christmas" mithören muss.

Am 24. Dezember erreicht die Tradition ihren Höhepunkt. Wir gehen morgens unter einem Vorwand ("Ach, wir brauchen ja noch Geschenkpapier!") in die City, trinken mittags Champagner im "Café Paris". Abends brate ich Wiener Schnitzel und es gibt Feldsalat dazu. Alles soll so sein wie jedes Jahr.

Die Keksdose bringe ich übrigens Mitte Dezember mit nach Hause. Mein Freund lacht dann, nimmt ein Kipferl und sagt: "Eigentlich brauchen wir auch noch die süßen Kerzenständer dazu."

Ach, so liebe ich Weihnachten!

Gala

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