VG-Wort Pixel

Wayne Carpendale ​​​​​​​"Die Erfahrung hat mich an meine Grenzen gebracht"

Wayne Carpendale
Wayne Carpendale, 44, macht ein vierwöchiges Praktikum auf der Unfallchirurgie. 
© SAT.1/André Kowalski
Wayne Carpendale begibt sich mitten ins Geschehen: Für die Sat.1-Reportage-Reihe "Die Herzblut-Aufgabe – Promis in der Pflege" macht der Schauspieler und Moderator ein vierwöchiges Praktikum als Pflegekraft im Helios-Klinikum in Berlin. Wayne ist auf der Station der Unfall-Chirurgie – Knochenbrüche, offene Wunden und Verletzungen stehen auf der Tagesordnung. 

Besonders im letzten Jahr ist die Wertschätzung für Pflegeberufe in der Bevölkerung stark gewachsen. Wayne Carpendale, Jenny Elvers, Patrick Lindner, Jorge González, Faisal Kawusi und Lilly Becker erfahren jetzt am eigenen Leib, welchen Herausforderungen sich Pflegekräfte jeden Tag stellen müssen. Wayne Carpendale spricht im Interview mit GALA über die körperliche und emotionale Last, die ihn auch nach Feierabend noch verfolgt.

Wayne Carpendale: "Ich hatte kein richtiges Ventil, um die Eindrücke zu verarbeiten"

GALA: Wieso wurden Sie für die Station der Unfall-Chirurgie ausgewählt?

Wayne Carpendale: Bevor wir den einzelnen Stationen zugeteilt wurden, haben wir mit dem Krankenhaus-Team einen zweitägigen Crash-Kurs gemacht. So konnten sie uns und unsere individuellen Fähigkeiten kennenlernen. Wahrscheinlich kam ich dann auf die Unfallchirurgie, weil ich vor Jahren mal eine Ausbildung zum Erste-Hilfe-Sanitäter gemacht habe. Zwar sind die Aufgaben auf Station komplett anders, aber grundsätzlich interessiere ich mich einfach für Medizin, bei der man schnell eine Veränderung beim Patienten bewirken kann. Und vielleicht auch, weil ich einfach zu ungeduldig für andere Bereiche bin. 

Wayne Carpendale im Krankenhaus mit Patient
Bei der Betreuung des Patienten unterstützt Wayne Carpendale, 44, seine Mentorin. 
© SAT.1/André Kowalski

Gab es eine Erfahrung, die Sie an Ihre Grenzen gebracht hat?

Die Erfahrung insgesamt hat mich an meine Grenzen gebracht. Wir wurden bei diesem Praktikum oder TV-Projekt schon ziemlich schnell in eine für uns unbekannte Welt reingeworfen. Am ersten Tag des Praktikums habe ich schon Wunden versorgt und meine erste Drainage gezogen. Später war ich dann bei einer kompletten Hüft-OP dabei. 

Während des Praktikums hab ich diese Belastung gar nicht mal so gespürt, weil ja auch alles so neu und spannend war. Nach den Schichten war ich dann meistens voller Adrenalin und hab mich in den üblichen Alltagsstress geworfen. Dabei habe ich vergessen, all diese Eindrücke und Bilder auch mal zu verarbeiten. Auch die ständig wechselnden Arbeitszeiten, inklusive der Nachtschichten, waren nicht ohne. Und deswegen wurde ich dann am Tag nach dem Praktikum sofort krank, lag mit Fieber im Bett und merkte, dass ich seelisch ziemlich an meiner Grenze war.

Ich weiß, das hört sich jetzt alles total wehleidig an, aber das zeigt eigentlich nur, wie unglaublich hart dieser Beruf ist. Und auch was Pfleger, die das Jahre oder sogar Jahrzehnte machen, für unsere Gesellschaft leisten. Alles in allem habe ich diese vier Wochen aber sehr genossen. Denn bei all dem Stress und der Belastung ist es auch ein vielfältiger, aufregender Beruf mit viel Sinn und Menschlichkeit.

An dieser Stelle hat unsere Redaktion Inhalte aus Instagram integriert.
Aufgrund Ihrer Datenschutz-Einstellungen wurden diese Inhalte nicht geladen, um Ihre Privatsphäre zu schützen.
DATENSCHUTZ-EINSTELLUNGEN
Hier können Sie die Einstellungen für die Anbieter ändern, deren Inhalte sie anzeigen möchten. Diese Anbieter setzen möglicherweise Cookies und sammeln Informationen zu Ihrem Browser und weiteren, vom jeweiligen Anbieter bestimmten Kriterien. Weitere Informationen finden Sie in den Datenschutzhinweisen.

Promi-Bonus oder authentisches Anpacken?

Hatten Sie einen Promi-Bonus auf Station?

Ich habe bei diesem Projekt nur unter der Voraussetzung zugesagt, dass es möglichst real ist: Dass keine Aufnahmen wiederholt oder nachgestellt werden. Das war auch so, die ganzen vier Wochen. Natürlich ist das für die Station ein bisschen aufregend, wenn da einer mit Kamerabegleitung rumläuft. Aber ich bin nicht auf Station gekommen und hab gesagt: "Gang frei, jetzt komm ich!".

Ich habe versucht, meiner Mentorin und ihren Kollegen von Anfang an zu vermitteln, dass ich einfach nur ein Typ bin, der sich für ihren Job interessiert und gern mal in ihre Welt eintauchen möchte.

Mittagspause hab ich dann auch nicht mit dem Produktionsteam gemacht, sondern mit den Pflegern auf Station. Und so hab ich mich auch wenn die Kamera nicht lief, teilweise alleine, um die Patienten gekümmert. Ohne Kamera im Raum hielten sie mich oft für einen ganz normalen Pflegepraktikanten. Ich hatte ja auch noch ständig ne FFP2-Maske auf und konnte so ziemlich inkognito mein Ding machen. 

Was haben Sie für Ihr Privatleben mitgenommen?

Vielleicht, dass ich ein bisschen besser Wunden versorgen kann, aber natürlich werde ich privat nicht oft in Verlegenheit kommen, Drainagen zu ziehen. Aber natürlich bewegt es dich nachhaltig, wenn Du jeden Tag Menschen siehst, deren Leben sich durch einen Unfall von einer Sekunde auf die andere komplett verändert haben. Aber ich glaube nicht, dass ich deswegen jetzt vorsichtiger bin. Höchstens etwas bewusster. 

Ich denke, vor allem hat sich nochmal mein Blick für Menschen geschärft, die im Schichtbetrieb und dann auch noch in systemrelevanten Berufen arbeiten. Sie haben meinen größten Respekt und ich weiß, wie wichtig es ist, dass wir ihre Leistung mehr wertschätzen. Und damit meine ich nicht bloß in Form von mehr Gehalt, sondern dass wir es allgemein leichter für sie machen müssen, ihren Beruf mit Leidenschaft auszuüben. Das fängt bei besserer Kinderbetreuung an und hört bei bezahlbarem Wohnraum in der Nähe des Arbeitsplatzes noch lange nicht auf.

Die zweite Folge der Reportage-Reihe "Die Herzblut-Aufgabe – Promis in der Pflege" läuft heute um 20.15 auf Sat.1.

In der Originalversion wurde im Interview gegendert. Das war so nicht mit Wayne Carpendale abgesprochen und dafür entschuldigen wir uns.

Verwendete Quelle: eigenes Interview

Gala


Mehr zum Thema


Gala entdecken