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Videocalls So hält man Beziehungen aufrecht

In Corona-Zeiten ersetzen Videocalls das persönliche Treffen.
In Corona-Zeiten ersetzen Videocalls das persönliche Treffen.
© Shift Drive/Shutterstock.com
Aufgrund der Corona-Pandemie ist das soziale Leben heruntergefahren. Wie man Beziehungen aufrecht erhält, erklärt Rebecca Vogels.

Die Corona-Pandemie bestimmt weiterhin unseren Alltag. Das soziale Leben ist stark eingeschränkt. Viele greifen zu Videocalls, um mit Freunden und Familie in Kontakt zu bleiben. Welche Auswirkungen das auf unsere Beziehungen hat, weiß Unternehmerin und Autorin Rebecca Vogels ("Erzähl dein Leben neu: Wie Storytelling dir zeigt, wer du wirklich bist"). Wie Nähe vor dem Bildschirm nicht verloren geht und wie oft man seine Familie und Freunde anrufen sollte, erklärt Vogels im Interview mit der Nachrichtenagentur spot on news.

Das soziale Leben ist durch die Corona-Krise stark eingeschränkt. Wie erhält man auch in Videocalls Verbindungen aufrecht?

Rebecca Vogels: Storytelling kann dabei helfen, menschliche Verbindungen aufrecht zu erhalten. Die Grundidee ist folgende: Man kommuniziert nicht über Fakten, sondern über Geschichten. Unsere Story besteht immer aus zwei Teilen: Unserer Motivation (Warum machen wir das?) und unserer Perspektive (Wie sehen wir die Welt?). Beide Teile können wir in unseren Gesprächen einfließen lassen und kommen dadurch auf eine ganz andere menschliche Ebene. Das schafft Verbindungen. Zum Beispiel kennen wir alle die Situation, wenn Freunde ganz chronologisch von ihrer Woche erzählen: "Montags habe ich das gemacht, am Dienstag das." Wenn eine Schilderung einzig von der Chronologie der Ereignisse zusammengehalten wird, wird es schnell langweilig.

Denn der Mensch dahinter wird nicht sichtbar. Wenn ich zum Beispiel sage: "Ich war gestern beim Arzt", ist es eine reine Sachinfo. Wenn ich aber erzähle, dass es mich große Überwindung gekostet hat, weil ich Angst davor hatte, werde ich als Mensch sichtbar. Vielleicht wird mein Gegenüber dadurch angeregt, zu erzählen, wovor er oder sie Angst hat. Wem das schwer fällt, sollte sich selbst im Vorfeld folgende Fragen stellen: Welches Erlebnis war das Einprägsamste der letzten Woche? Worüber konntest du richtig lachen? Welche Menschen hast du kennengelernt?

Welche Auswirkungen haben Videocalls auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen?

Vogels: Natürlich ist es toll, sich persönlich zu treffen. Es ist auch durch nichts zu ersetzen. Auch wenn man sich per Videocall zu einem gemeinsamen Essen verabreden kann, ist es nicht das gleiche als zusammen in einem Restaurant zu sitzen. Aber man kann zum Beispiel gemeinsam per Videocall neue Rezepte ausprobieren - so kann man sich direkt darüber austauschen und hat sogar ein neues, gemeinsames Erlebnis. Das Wichtigste ist aber, dass man eine Verbindung schafft und beibehält. In dem man den anderen an seinem Leben Anteil nehmen lässt und auch am Leben des anderen wirklich Anteil nimmt.

Dabei kann es helfen, wenn man auf eine andere Gesprächsebene wechselt, also über das Erzählen von Fakten und Daten hinauskommt. Was beschäftigt mich? Was bewegt mein Gegenüber? Wenn das mitschwingt, ist es fast egal, wieviel Kilometer einen trennen. In einem Videocall kann Mimik manchmal durch schlechte Internetverbindung ein wenig verloren gehen. Das macht es schwer, kleinere Gefühlsregungen mitzubekommen. Da hilft aktives Zuhören und im Zweifelsfall auch nachfragen: "Das scheint dich traurig gemacht zu haben, oder täusche ich mich da?" Selbst sollte man auch keine Scheu davor haben, Gefühle auszusprechen.

Haben Sie konkrete Tipps, wie man die Nähe auch vor dem Bildschirm nicht verliert?

Vogels: Wichtig ist, die größere Story zu erzählen. Man erzählt also ein konkretes Erlebnis, zum Beispiel: "Ich bin gerade umgezogen." Dann stellt man es in einen größeren Kontext. Zum Beispiel: Wie läuft ein Umzug in einer Pandemie ab? Das schafft Verbindung zu unserem Gegenüber, weil es das individuelle Erlebnis in einen größeren Kontext stellt. Das funktioniert in fast jeder Situation. Auch wenn mein Gegenüber vielleicht gerade nicht umzieht, ist es interessant darüber zu sprechen, was in dieser besonderen Zeit damit einhergeht.

Auch kleine Aufmerksamkeiten können Nähe aufrechterhalten: Die Freundin hat eine wichtige Präsentation, vor der sie aufgeregt ist? Tragen Sie sich den Termin in Ihren Kalender ein und schreiben Sie eine kleine Motivationsnachricht. Sie sehen beim Einkaufen die Lieblingsblumen Ihrer Mutter? Schicken Sie ihr kurz ein Foto davon. So bleibt man auch über Distanz und ohne persönliche Treffen im Alltagstrubel zwischendurch in Kontakt.

Was sollte man bei Videochats beachten, damit man dem anderen ein gutes Gefühl gibt?

Vogels: Mein Tipp: Weniger Wikipedia-Small-Talk, mehr echte Gespräche. Wir bleiben in Gesprächen oft auf einer reinen Sachebene, die sehr unverbindlich ist. Aber echte Verbindungen entstehen dann, wenn man seine Motivation und Perspektive teilt. Wenn sich jemand in einem Videocall verletzlich zeigt oder emotional wird, fällt es vielen schwer damit umzugehen. Einfach, weil man die Person nicht in den Arm nehmen kann. Sollten Sie den Impuls haben, können Sie es auch einfach aussprechen: "Ich würde dich jetzt gerne drücken." Ansonsten hilft es, Verständnis zu zeigen und Mitgefühl zu artikulieren. Zum Beispiel: "Ich kann verstehen, dass du gerade traurig bist!"

In Videocalls hilft es, Gefühle des Gegenübers anzuerkennen und nicht zu versuchen, sie wegzudiskutieren. Nur weil es uns selbst schwerfällt, jemand anderes traurig oder enttäuscht zu sehen. Ernst genommen zu werden, gibt jedem Mensch ein gutes Gefühl - ob in einem Videocall oder im persönlichen Gespräch. Wenn jemand sein Herz ausschüttet, sei es über Streit mit dem Partner, Kritik vom Chef oder die anstrengende Homeoffice-Situation, und Sie nicht sicher sind, fragen Sie ruhig: "Willst du einen Rat?" Manchmal will derjenige auch einfach nur Dampf ablassen.

Wie oft sollte man mit Freunden, Familie, etc. per Videocall in Kontakt treten, um den Anschluss nicht zu verlieren?

Vogels: Es ist weniger die Dauer als die Frequenz. Man knüpft engere Beziehungen, wenn man mehrmals die Woche kurz telefoniert als einmal lange. Der Grund dafür: Wir lassen die Menschen in unserem Umfeld an unseren persönlichen Geschichten teilhaben. Die müssen gar nicht hollywoodmäßig sein, sondern können einfach von einer netten Begegnung beim Bäcker um die Ecke handeln. Auch hier geht es darum, zu erzählen: Was hat das Erlebnis mit uns gemacht? Was nehmen wir davon mit? Das mit Freunden und Familie zu teilen, schafft Verbindungen.

SpotOnNews