Varosha: Von Zyperns Top-Adresse zur Geisterstadt

Zypern ist bis heute ein geteiltes Land. An kaum einem Ort auf der Mittelmeerinsel wird das so deutlich wie in der Geisterstadt Varosha.

Varosha galt vor allem Anfang der 1970er als legendäres Urlaubsziel

Traumstrände, mediterranes Klima und Sonnengarantie: Die Gegend um Varosha bringt so ziemlich alles mit, was Touristen von einer Mittelmeerinsel erwarten. Wenn da nicht dieser eine große Haken wäre. Man kann sich den Betonklötzen, die einst zehntausende Urlauber beherbergten, nur noch auf mehrere Meter nähern. Am Strand weist ein behelfsmäßig anmutender Zaun aus Metall, Stacheldraht und Wellblech darauf hin, dass hier eine militärische Sperrzone beginnt. Varosha wurde in seiner nur gut 65-jährigen Geschichte zum Sinnbild des zypriotisch-türkischen Konflikts.

Es war der 14. August 1974, als türkische Truppen im Rahmen ihrer Invasion in Nordzypern in die Stadt einmarschierten und sie zum militärischen Sperrgebiet erklärten. Rund 45.000 Touristen und Einwohner mussten Varosha überstürzt verlassen und in den Süden fliehen. Obwohl die Vereinten Nationen den Vorgang scharf verurteilten und außer der Türkei selbst keine Nation die 1983 gegründete Türkische Republik Nordzypern anerkennt, ist die faktische Teilung der Insel bis heute der Status Quo. Seit diesem Tag steht die einstige Urlaubs-Destination Varosha leer und ist dem Verfall preisgegeben.

Der kometenhafte Aufstieg

Die Geschichte des Lost Places ist recht schnell erzählt. Ab 1956 wurde Varosha als eine Vorstadt Famagustas errichtet. Als der Massentourismus in den 1960er-Jahren Zypern erreichte, explodierte die Siedlung regelrecht. Hotels, Restaurants und Geschäfte wurden im Eilverfahren errichtet, um den Besuchermassen Herr zu werden. Binnen kürzester Zeit schwang sich der Ort zum Touristen-Hotspot des gesamten Landes auf. Stars wie oder verbrachten hier einst ihren Urlaub.

Der türkische Einmarsch war mehr als eine Zäsur, er bedeutete das - zumindest vorläufige - Ende Varoshas. Während der Nordteil Zyperns nach und nach von meist türkischstämmigen Einwanderern besiedelt wurde, blieb Varosha bis heute Sperrzone. Zwar wurde in den darauffolgenden Jahrzehnten von türkischer Seite mehrmals angeboten, das ehemalige Badeparadies als Faustpfand oder Tauschobjekt im Zuge politischer Verhandlungen zu "verrechnen", allerdings ohne Erfolg. Und so ist Varosha vor allem eines: Eine riesige Zeitkapsel aus dem Jahr 1974.

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