Steve Jobs: Jetzt zählt nur noch die Familie

Jahrelang hat Apple-Magier Steve Jobs gekämpft - nun droht der Krebs ihn zu besiegen. Zeit, um sich auf das wirklich Wichtige zu konzentrieren

Seine Kräfte schwinden. Tag für Tag

. Unerbittlich. Ohne Rollstuhl ist der Alltag für Steve Jobs, bis Ende August Mastermind des Multimedia-Unternehmens Apple, kaum noch zu bewältigen. Ein paar Schritte im Garten seines Hauses im kalifornischen Palo Alto? Fast eine unlösbare Aufgabe. Immer wieder braucht er eine Pause, um sich zu sammeln. Immer wieder müssen ihn Ehefrau Laurene und die Kinder stützen. Vergangene Woche ließ sich der AppleGründer von seinem Sohn Reed durch San Francisco fahren. Gemeinsam steuerten sie Punkte in seiner Heimatstadt an, die dem 56-Jährigen besonders viel bedeuten. Steve Jobs spürt offenbar deutlich: Die Zeit des Abschiednehmens ist gekommen. Sein Rücktritt als Konzernchef vor zwei Wochen bedeutet nicht nur das Ende einer Ära - mit diesem Schritt gesteht sich Steve Jobs endgültig ein, dass es einfach nicht mehr geht, dass ihn der Bauchspeicheldrüsenkrebs trotz aller gewonnen geglaubten Schlachten nun doch besiegt. "Für ihn ist das eine bittere Erkenntnis. Er liebt Apple über alles. Das ist sein Leben!", sagt sein Biograf Leander Kahney zu "Gala". Nun muss Jobs loslassen und versuchen, Frieden im Schoß seiner Familie zu finden. Der "zweiten großen Liebe meines Lebens", wie er einmal sagte.

Als die Krebsdiagnose ihm 2004 fast den Boden unter den Füßen wegzog, war es die Familie, die ihm Halt gab. Ehefrau Laurene, 47, eine studierte Wirtschaftswissenschaftlerin, ist die wichtigste Bezugsperson für den fünffachen Milliardär. Sie spendet Trost, versucht Zuversicht zu verbreiten. Die tiefe Bindung zwischen den beiden war auch im Juni bei einer Präsentation in San Francisco zu spüren. Da ging der besorgniserregend abgemagerte, sehr zerbrechlich wirkende Steve Jobs nach seinem Vortrag ins Auditorium, direkt auf seine Frau zu, sah ihr tief in die Augen, nahm sie in den Arm. Wortloses Verständnis. Ein inniger, ein zärtlicher Moment. Seit sieben Jahren wütet der Krebs in seinem Körper. Statistisch gesehen leben fünf Jahre nach Diagnose dieser Krebsart nur noch fünf Prozent der Patienten. Steve Jobs hat Glück im Unglück - er leidet an einer seltenen Form der Krankheit, die weniger aggressiv ist. Außerdem bäumte sich wie ein Besessener gegen den schleichenden Verfall auf. Denn 2004 hatte er noch viele große Pläne: In den Folgejahren baute er Apple durch iPod, iPhone und iPad zum zweitgrößten Unternehmen der Welt aus. Nun muss er sich wohl geschlagen geben

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Steve Jobs mit seiner Frau Lauren Powell Jobs bei der Oscar-Verleihung 2010. Die beiden sind seit 20 Jahren verheiratet.

"Ich habe die großartigste Familie der Welt", betonte Steve Jobs in einem Interview mit "Businessweek". Jetzt, in seinen dunkelsten Tagen, zählen für ihn nur noch Frau und Kinder. Wie viel Zeit noch bleibt - ein paar Monate oder vielleicht nur noch Wochen -, kann niemand sagen. Umso kostbarer ist für ihn heute jeder schöne Moment. Beispielsweise bei einem Frühstück mit seinen Töchtern Erin, 16, und Eve, 14, auf der heimischen Terrasse in Palo Alto, mit Blick auf den Wildblumen-Garten, den er eigenhändig angelegt hat. Oder beim Gespräch mit Sohn Reed, 20, während die Abendsonne das Gesicht wärmt. Ein liebevoller Dad war Steve Jobs schon immer. Auch wenn er die Kultmarke Apple mit bisweilen fast manischem Enthusiasmus vorantrieb - für seine Familie nahm sich der Workaholic stets Zeit. Er half den Kids bei den Hausaufgaben, besuchte Elternabende, achtete auf eine gesunde Ernährung.

Zeit des Abschiednehmens: Steve Jobs tritt im August als Konzernchef von Apple zurück.

"Die Balance zwischen meiner Karriere und meiner Rolle als Vater ist mir wichtig", betonte er. Außerdem: Durch den Einfluss seiner Familie veränderte sich Jobs. Früher galt er als Choleriker und Kontrollfreak. "Mit ihm zu arbeiten war so, als würde man im Boxring stehen und alle Schläge einstecken müssen", erinnert sich ein ehemaliger Mitarbeiter gegenüber "Gala". Später wurde Steve Jobs umgänglicher. Sogar zu seiner unehelichen Tochter Lisa Brennan-Jobs, heute 33, die er zunächst nicht hatte anerkennen wollen, entwickelte er ein enges Verhältnis. Seine frühere emotionale Härte erklären viele mit seiner Vita. Als Baby wurde Steve 1955 von seinen Eltern, einem Studentenpärchen, zur Adoption freigegeben. Hintergrund: Der Vater seiner leiblichen Mutter Joanne torpedierte die Beziehung Joannes zu dem gebürtigen Syrer John Jandali. Als Joannes Vater wenig später starb, heirateten die beiden doch noch. Zwei Jahre später kam Steve Jobs' Schwester Mona zur Welt. Erst mit Mitte 20 lernte er sie und seine leibliche Mutter kennen. Zu John Jandali hatte er nie Kontakt. Im August dieses Jahres meldete sich der mittlerweile 80-Jährige völlig überraschend über die Presse zu Wort, bat in der britischen Zeitung "The Sun" um Vergebung: "Ich habe das Gefühl, die Zeit läuft ab. Auch wenn wir uns nur auf einen Kaffee treffen, würde mich das sehr glücklich machen."

Vor elf Jahren musste Steve Jobs, hier bei einer Messe in Tokio, noch nicht gegen den Krebs kämpfen.

Die Vergänglichkeit des Lebens - ein Thema, mit dem sich der Buddhist Steve Jobs nach seiner ersten Krebsdiagnose intensiv beschäftigte. "Niemand möchte sterben. Und doch ist der Tod das Schicksal, das wir alle teilen. So soll es auch sein: Denn der Tod ist wohl die mit Abstand beste Erfindung des Lebens. Er ist der Katalysator des Wandels", sagte er 2005 in einer Rede vor Studenten der Stanford University. Damals verriet er auch, dass ihn ein Sprichwort besonders beeindrucke: "Lebt man jeden Tag so, als wäre er der letzte, liegt man eines Tages damit richtig." Worte, die für Steve Jobs auf bedrückende Weise an Bedeutung gewonnen haben. Was bleibt, ist der Trost, dass er sich seinem schweren Schicksal nicht alleine stellen muss. Alexander Nebe Mitarbeit: Ariane Sommer, Julide Tanriverdi, Anna-Barbara Tietz

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