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Sarah Nuru "Und dann haben wir getanzt"


Topmodel Sarah Nuru engagiert sich seit Jahren in Äthiopien, der Heimat ihrer Eltern. Dort eröffnete sie eine Grundschule, die ihren Namen trägt. Exklusiv in "Gala" berichtet sie von dieser Reise

Wenn ich die Augen schließe,

ist dieser typische Geruch wieder in meiner Nase, die Mischung aus verbranntem Holz, Weihrauch, Berbere - einer Chilisorte - und Diesel. Das ist für mich der Duft von Äthiopien!

Jedes mal, wenn ich dort aus dem Flugzeug steige und tief einatme, weiß ich, dass ich "angekommen" bin. Wer noch nicht in Äthiopien war, kann sich kaum vorstellen, unter welch schwierigen Bedingungen die meisten Menschen dort leben. Dennoch habe ich bei der Eröffnung der "Sara Nuru Grundschule" in Degele kein trauriges Gesicht gesehen. Alle waren so unfassbar glücklich. Und ich war überwältigt von meinen Gefühlen - der ganze Druck fiel von mir ab. Ich wusste vorher ja nicht, wie die Leute auf mich reagieren und ob die Schule überhaupt ihren Erwartungen entspricht.

Auch die Herzlichkeit hat mich sehr bewegt. 5000 Menschen, die nicht mal eben um die Ecke wohnen, waren lange Strecken gelaufen um dabeizusein. Und dann haben wir getanzt! Ich stand in ihrer Mitte, wir haben zugleich gelacht und geweint. Das war für mich der pure Ausdruck von Glück.

Dabei hatten wir in der Nacht zuvor noch befürchtet, alles würde im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fallen. Es war eine Odyssee, bis wir unser Ziel schließlich erreichten: Stundenlang mussten wir über Schotter pisten fahren, es regnete nonstop, wir blieben erst mit dem Jeep im Schlamm stecken, dann platzte ein Reifen. Aber genau in dem Moment, als wir endlich ankamen, verzogen sich die Wolken. Wie durch ein Wunder. Die Menschen hatten ihren "Wettergott" im Dorf bezahlt, damit er das gute Wetter ruft...

Sara Nuru engagiert sich seit 2009 als Botschafterin der Stiftung "Menschen für Menschen". Mit Spenden in Höhe von 290000 Euro k
Sara Nuru engagiert sich seit 2009 als Botschafterin der Stiftung "Menschen für Menschen". Mit Spenden in Höhe von 290000 Euro konnte sie nun die "Sara Nuru Grundschule" in Degele einweihen, einem Ort im Westen Äthiopiens. 1500 Schüler von der 5. bis zur 8. Klasse werden dort lernen. Im nächsten Jahr soll eine weitere Schule gebaut werden.
© Jürgen Wacker/Menschen für Menschen

Wir haben dann gemeinsam Alidscha gegessen, einen Eintopf mit Lamm und Kartoffeln. Wenn man in Äthiopien zusammen isst, verbindet das sehr: Alle nehmen sich das Essen mit den Fingern von einem einzigen großen Teller. Generell ist das Gemeinschaftsgefühl sehr intensiv. Was sicher daran liegt, dass die Familie oft das einzige ist, was die Menschen haben.

Ich bin wahnsinnig glücklich und stolz, dass ich - dank der Unterstützung vieler Helfer und Spender - etwas Nachhaltiges geschaffen habe. 1500 Kinder können jetzt zur Schule gehen. Mir hat diese Reise nach Äthiopien eine gewisse Erdung gegeben. Zurück in Deutschland wird einem wieder bewusst, wie übersättigt viele Menschen hier sind, wie sie sich oft von Hektik und einer Grundunzufriedenheit leiten lassen. Viele wollen immer mehr und das ganz schnell. Manchmal vermisse ich dann die Gelassenheit der Menschen in Äthiopien.

Ilka Peemöller gala.de

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