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Rollerskates Tanzen auf Rädern

Rollerskates
Rollerskates
© Getty Images
Plötzlich sind alle verrückt nach dem Lieblings-Hobby der Achtziger. Auch GALA kurvte um die Discokugel

Samstagabend auf der Hamburger Reeperbahn. Stylishe Menschen stehen am Eingang des "Mojo Club". Aufmerksam lesen sie sich einen Zettel durch, der ihnen vom Türsteher übergeben wird. Es ist eine Haftungsvereinbarung. Wer fällt, ist selbst schuld. Schließlich ist man hier nicht bei irgendeiner Veranstaltung. Sie alle wollen zum hippsten Event der Stadt: dem "Mojo Rollerskate Jam".

Und Hinplumpsen gehört nun mal dazu wie Glanz-Blouson und Donna Summer. Die Happiness der Achtziger kreist mit den Gästen um die Discokugel im Club. Einige drehen gekonnt ihre Pirouetten, andere müssen sich am Anfang auf ihren ausgeliehenen Rollerskates am (extra gepolsterten) Rand entlanghangeln. Andere landen erst auf dem Boden und später sicherheitshalber an der Bar. Und einige Herren gleiten auf Rollen mit Leucht-Dioden übers Parkett.

Entspannte Partylaune ist es, was alle vereint und immer wiederkommen lässt. Hans-Peter Bravo, Mitveranstalter des "Rollerskate Jam" wundert das nicht:

Disco ist quietschbunt. Disco pusht. Disco bleibt im Ohr. Kurzum: Disco ist freundlich und sorglos. Warum Rollerskates ein so beispielloses Comeback an den Tag legen? Es flasht!

Anders als bei den ehrgeizigen Schwestern der Disco-Roller, den Inline-Skates, geht es auf vier Rollen eher gechillt zu. Außerdem passt der Zeitvertreib zum aktuellen Lifestyle-Gefühl.
"Grund dafür ist meines Erachtens die Retrowelle in der Popkultur", glaubt Bravo. "Ob im modischen Sektor – Seventies und Eighties sind einfach unsagbar stylish – oder in der Musik. Spätestens seit Daft Punks Album ,Random Access Memories‘ ist das Thema Disco wieder allgegenwärtig. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis das Symbol aus der Zeit reanimiert wurde: die Rollschuhe."

Rollerskates waren, neben Aerobic mit Jane Fonda oder Sydne Rome, das beliebteste Hobby einer ganzen Generation. Man schwebte an Promenaden entlang, fuhr Hand in Hand mit dem Liebsten über den Asphalt oder traf sich in der Rollerskate-Disco am Rande der Stadt. Diese Locations hatten zwar, im Nachhinein gesehen, den Charme einer Mehrzweckhalle (was sie meistens ja auch waren).
Dennoch brezelte man sich schillernd auf und rollerte zu Flackerlicht aus der Spot-Ampel im Kreis. Richtungswechsel. Weiter geht’s!

Der Style vom Parkett ist jetzt auch auf den Laufstegen wieder zu sehen. Die Luxusmarke Saint Laurent Paris warb im Frühjahr sogar mit Models auf Rollschuhen. Glanz-Blousons, Logo-T-Shirts und Hotpants, mit denen man seinerzeit im legendären New Yorker Club "Studio 54" sofort Einlass bekommen hätte, sind heute wieder in den angesagten Stores zu finden.

Für Barbie Girls ein Must: Rosa Rollschuhe (mit Stopper!) von Chaya über engelhorn.de
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© PR

Wie eine Welle schwappt der Trend zu uns. Anfangs berichtete die "New York Times" fasziniert über Roller Jams auf Fire Island, Hollywood-Stars cruisen über die Promenade in Venice Beach, und in unseren Vorstädten rollern neuerdings wieder Teenager über die Gehwege, inspiriert von Serien wie "Soy Luna" und seinen bunten Mechandising-Artikeln.
Praktisch also, dass der Jam auf der Reeperbahn schon um 19 Uhr beginnt. So können Kids genauso vorbeikommen wie Ü40er, die sonst am Wochenende einen "Netflix-Abend mit Freunden" machen würden. Rollerskates sind alterslos, demokratisch, stylish. Im "Mojo" wird wieder am 12. Mai um die Glitzerkugel gerollt. Also nichts wie hin: Aber nicht, ohne vorher brav die Haftungsausschlussvereinbarung zu unterschreiben.

Gala

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