Queen Elizabeth: Diamantengeflüster

Für ein neues Buch gewährt die Queen erstmals Einblicke in ihre private Schmuckschatulle. Die deutsche Übersetzerin des Werks, Tatjana Gräfin Dönhoff, erzählt in "Gala" die Geschichte eines einmaligen Schatzes

Königin Elizabeths allererstes Schmuckstück war noch bescheiden:

eine kleine Kette aus Korallen und Perlen. Da war sie süße sieben Monate alt und Prinzessin von York. Als ihr Vater unerwartet König wurde, fing man an, die Thronfolgerin mit wertvolleren, oft mit Diamanten und anderen Edelsteinen bestückten Schmuckgeschenken zu bedenken.

Royaler Schmuck

Königliche Hochkaräter

Prinzessin Margaret, † 72, sorgte zu ihren Lebzeiten für Aufsehen innerhalb der britischen Königsfamilie. Auch ihr liebstes Diadem ist ein Ausdruck ihrer "Ungehorsamkeit": Die sogenannte "Poltimore Tiara" ersteigerte Prinzessin Margaret laut der "Vogue" im Jahr 1959 für 5500 Pfund. Damit habe die damals 29-Jährige ein Zeichen gesetzt, da sie ebenso gut Kronjuwelen hätte tragen können, doch sie sich scheinbar mit etwas Eigenem schmücken wollte. Bei ihrer Hochzeit mit Antony Armstrong-Jones im Jahr 1960 krönte das wunderschöne Diadem, das 1870 von "House of Garrard" kreiert wurde, Margarets Haupt.
Das Schmuckstück, das unzählige in Silber und Gold gefasste Altschliff-Diamanten in floraler Form anordnet, bekam auch deshalb einen ikonischen Charakter, weil Margaret sich nur damit bekleidet in der Badewanne von ihrem Ehemann ablichten ließ. Bei öffentlichen Auftritten sollte die Tiara die jüngste Schwester von Queen Elizabeth zudem noch viele Jahre begleiten. Wie 1997 bei der Eröffnung des Parlaments. Nach ihrem Tod 2002 wurde der edle Kopfschmuck für knapp eine Million Pfund an einen privaten Käufer versteigert. 
Zunächst sticht vor allem die äußerst edle Krone, die Königin Letizias Kopf schmückt, ins Auge. Doch das liebste Accessoire der spanischen Königin ist das Zwillingsarmband, das sie hier an ihrem linken Handgelenk trägt. Die zwei identischen Diamant-Schmuckstücke aus dem Hause Cartier wurden aus einer Krone gefertigt, die König Alfons XIII. einst seiner Victoria Eugenia zur Hochzeit schenkte.
Auch bei einem Staatsbesuch in Israel ziert das funkelnde Armband das zarte Handgelenk der schönen Königin. Allerdings scheint das wertvolle Schmuckstück auf Dauer recht schwer zu sein: Bei verschiedenen Anlässen soll beobachtet worden sein, wie Letizia ihr Lieblingsstück von einem Handgelenk zum anderen wandern lässt. Qualität hat eben ihren Preis - und Gewicht!

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Mit der Krönung 1953 erhielt sie nicht nur Zugriff auf die Kronjuwelen, die im Tower liegen, sondern auch auf die private Juwelensammlung der britischen Königinnen. Die wird im Safe im Keller von Buckingham Palace aufbewahrt - ein atemberaubender Schatz, bestehend aus persönlichen Schmuckstücken, Juwelen und Preziosen, vererbt und weitergegeben seit rund 500 Jahren, seit den Tagen von Königin Elizabeth I. (1533 - 1603).

Anlässlich ihres diamantenen Thronjubiläums gewährt die Queen nun zum ersten Mal einen Blick in ihre private Schatzkammer und die dazugehörigen Archivunterlagen. Für ein exklusives Jubiläumsbuch durfte der emeritierte Ku rator der königlichen Sammlungen Hugh Roberts drei Jahre lang recherchieren, dann wählte er gemeinsam mit der Königin 74 Stücke aus der Diamantsammlung aus. Ein prächtiger Anblick! Nicht ohne Grund gilt der Schmuck der Windsors als die beste und historisch wertvollste Sammlung weltweit. In den vergangenen 200 Jahren haben vor allem die Königinnen Victoria und Alexandra durch Geschenke und Zukäufe zum Zuwachs der royalen Schatulle beigetragen. Die passionierteste Juwelenliebhaberin aber war Queen Mary, die Großmutter der Queen: Sie erschien nie ohne Tiara zum abendlichen Dinner der Familie. Viele der berühmtesten Stücke fallen in ihre Zeit, wie die "Delhi Durbar Parure" und die "Liebesknoten"-Tiara (beide ihr Design), die "Wladimir"-Tiara (Ankauf von einer geflüchteten russischen Verwandten) und natürlich die "Cullinan"-Diamanten-Brosche und der dazugehörige Ring, von den Royals "Granny’s Chips" genannt. Elizabeth II. ist sentimental, wenn es um die Juwelengeschenke aus ihrer engsten Familie geht. So trägt sie privat kaum Schmuck - bis auf eine Perlenkette, zweireihig oder dreireihig, Präsente der Eltern. Oft sieht man an ihrer linken Schulter auch die Brosche in Form eines Obstkorbs, die eine Anerkennung des Vaters zur Geburt von Charles war. Und natürlich ihren Verlobungsring, den sie so gut wie nie abnimmt. Prinz Philip hatte ihn nach eigenem Design mit Diamanten aus einer Tiara seiner Mutter anfertigen lassen.

"Halo"-Tiara: 2011 trug Catherine Middleton die "Glorienschein"-Tiara zu ihrer Hochzeit mit Prinz William. Cartier fertigte sie einst aus Platin mit 16 Blattvoluten, die mit 739 Brillanten und 149 Baton-Diamanten besetzt sind, plus je einem Solitärbrillanten in den Zwischenräumen und einem großen Brillanten an der Stirnseite. 1936 erworben vom Herzog von York (später George VI) für seine Gemahlin. Tochter Prinzessin Elizabeth erhielt sie zum 18. Geburtstag. In den Fünfzigerjahren verlieh sie das Diadem an Prinzessin Margaret (r.) und in den Siebzigerjahren an Prinzessin Anne.

Nur zu Staatsbesuchen, Banketten oder Hochzeitsbällen greift die Monarchin in ihre Schatzkiste und holt die funkelnden Preziosen heraus. Oft verleiht sie einzelne Stücke, Broschen, Ketten, Ohrringe, alle von unschätzbarem Wert, auch an die weiblichen Verwandten. Sogar die Bürgerliche Catherine Middleton durfte bei ihrer Hochzeit mit Prinz William vor einem Jahr eine Tiara der Queen tragen. Eine emotionale Geste: Das Juwel war ursprünglich ein Geschenk ihrer Eltern zum 18. Geburtstag und lag der Queen deshalb besonders am Herzen.

Welche Tiara die Monarchin aus ihrer umfangreichen Sammlung (mehr als 50 sollen es sein) auswählt, hat oft eine tiefer gehende Bedeutung. Camilla erhielt 2005 nach der Hochzeit mit Charles gleich zwei prächtige Tiaras, die vormals Queen Mom gehörten: die "Delhi Durbar"-Tiara und die "Greville"-Tiara. Ein Beweis besonderer Wertschätzung, der die Behauptung einiger Lästermäuler widerlegte, die Queen könne Camilla nicht ausstehen. Camilla und Catherine haben Glück: Die beiden dürfen ihre Diademe bis auf Weiteres behalten, sie gelten als Dauerleihgaben. Alle anderen Juwelen wandern zurück in die Schatzkiste der Königin. Tatjana Gräfin Dönhoff

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