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Pharrell Williams "Die Kraft liegt bei uns selbst"


Erfolgsproduzent Pharrell Williams stürmt nicht nur die Charts, er will nebenbei auch noch die Weltmeere retten

Wer dermaßen für seinen Style berühmt ist wie Pharrell Williams, wählt auch sein Outfit für ein Gespräch über Nachhaltigkeit mit Bedacht: Ein tarnfarbenes Cap, bestickt mit Gänseblümchen, ziert den kreativen Kopf, der hinter den Sommerhits „Blurred Lines“ und „Get Lucky“ steckt. Sieht so etwa ein moderner Ökokrieger aus?

Sie haben mal gesagt, Sie seien kein „Tree Hugger“, also kein Ökofreak, der Bäume umarmt. Gefällt Ihnen das Wort Ökokrieger besser?

Das trifft es auch nicht ganz. Mir geht es nicht um Revolution, sondern um Evolution. Es ist ein bisschen wie mit dem Aufräumen: Wenn man dich auffordert, in 15 Minuten dein Haus auf Vordermann zu bringen, wird schon der Versuch scheitern. Wenn man dir aber Zeit lässt, ein Teil nach dem anderen an seinen Platz zu stellen, dann ist irgendwann alles sauber und ordentlich.

Sie wollen die Meere sauber und ordentlich machen. Wie wollen Sie das schaffen?

Vor fünf Jahren habe ich mich an der Firma Bionic Yarn beteiligt. Die Jungs stellen Garn aus recycelten Plastikflaschen her. Wir beliefern heute große Firmen wie The Gap, Moncler oder Timberland.

Und was hat das mit Ozeanen zu tun?

Dort schwimmen Unmengen von Plastikmüll. Unsere Idee ist, den herauszuholen, Garn daraus herzustellen und ihn damit zurück in den Kreislauf zu geben. Dafür sind wir einer Gruppe kreativer Denker beigetreten, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Ozeane zu retten.

Sie selbst trinken das aus der Südsee eingeflogene Luxuswasser „Fiji“ aus Plastikflaschen. Wäre es nicht schlauer, weniger Müll zu produzieren und zum Beispiel Leitungswasser zu trinken?

Darüber habe ich ehrlich gesagt noch nicht nachgedacht. Ich bin auch nur ein ganz normaler Mensch, der nicht alles hinterfragt, was er tut. Immerhin gleiche ich mein kontraproduktives Verhalten aus, indem ich mit Bionic Yarn schon über zwei Millionen Flaschen in den Wertstoffkreislauf zurückgebracht habe.

Warum verpacken Sie Ihre Botschaft eigentlich nicht in Songs? Ihre letzten Hits handelten ja eher von Sex und Fun …

Ein „We Are The World“ für Ozeane wird es mit mir nicht geben. Ich möchte nicht predigen. Mir geht es um einen Kulturwandel. Wir müssen es schaffen, dass Achtsamkeit gegenüber Ressourcen selbstverständlich wird und wir unseren Planeten so gut behandeln wie unsere Wohnung, die wir ja auch pflegen. Aber wir rennen doch nicht herum und singen Songs darüber, wie wir unser Haus putzen.

Machen Sie Ihren Einfluss auch bei Politikern wie Barack Obama geltend?

Ich habe Obama zwei Mal getroffen, aber nur wenige Minuten mit ihm sprechen können. Ich glaube nicht, dass es etwas nützt, sich darüber mit Politikern und Gesetzgebern auseinanderzusetzen. Die wahre Kraft liegt bei uns selbst, den normalen Menschen. Das Internet hat gerade in den letzten Jahren gezeigt, welche Macht wir besitzen. Ich glaube an das kollektive Gewissen.

Wie bewerten Sie Deutschlands Rolle in Sachen Nachhaltigkeit?

In dieser Hinsicht seid ihr in Deutschland ganz weit vorne. Andere Länder können eine Menge von euch lernen. Wo die noch mit temporärer Problembewältigung beschäftigt sind, habt ihr offenbar schon dauerhafte Lösungen. Aber was rede ich – ich bin kein Experte, sondern lediglich ein enthusiastischer Newcomer.

Anne Meyer-Minnemann

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