Oktoberfest 2012: München leuchtet

Allerweil das Gleiche, doch immer anders schön: Jedes Jahr strömen bajuwarische Promis und Stars aus aller Welt zum Oktoberfest auf die Theresienwiese. "Gala" hat sie begleitet

Das Wiesn-Fieber beginnt schon am Tag zuvor.

Die Flieger aus Hamburg, Berlin, Köln sind rappelvoll. Es zieht die Münchner heim. Im Koffer: Dirndl oder Krachlederne, Janker, Hüte, Haferlschuhe. Heimat. Am Samstag Vormittag ist es dann so weit: Wer Glück und Beziehungen hat, darf bei einem der Wiesn-Wirte mitfahren, die anderen schauen zu, wie die geschmückten Pferde ihre Wagen auf die Wiesn ziehen. Oder nehmen ein "Frühstück bei Tiffany's" in der Residenzstraße, bevor es dann zum Anstich ins Festzelt geht. Hier klimpern die Damen mit ihren Armbändern, es knistern die Dirndl (viele haben ein "Wiesn-Eröffnungs- Dirndl", das sie jedes Jahr tragen), hier prickelt Vorfreude in Champagnergläsern.

Ein bisschen Glamour, vor allem aber Tradition und Heimatverbundenheit, das ist es, was die Wiesn von allen anderen großen Volksfesten unterscheidet. "Dahinter steckt eine Sehnsucht nach alten Werten", meint Schauspielerin Anja Kruse, 56, die am Nachmittag zur Feier der Künstleragentin Birgitt Wolff ins Hippodrom gekommen ist. Sie lebt in Salzburg und trägt auch privat Dirndl, etwa wenn sie samstags zum Markt geht. Für Gäste, die nicht aus dem Alpenland kommen, ist die Tracht eher ungewohnt. "Soll ich die anlassen?", schaut "Germany's next Topmodel"-Juror Thomas Hayo, 43, fragend auf seine Lodenweste. Ja, er soll. Sieht am Schießstand doch gleich viel zünftiger aus. "Kommen’S aus New York?", fragt der Budenbetreiber. "Da fahr ich in drei Wochen mit meiner Frau hin." Hayo verteilt ein paar Tipps. Dort kennt er sich aus, hier ist er - noch - fremd. Topmodel-Siegerin Sara Nuru, 23, hingegen ist mit der Wiesn aufgewachsen. "Meine Eltern wohnen ganz nah von hier. Der Duft von gebrannten Mandeln, der zu uns hinüberwehte, gehört zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen", erzählt sie am Fuß der Bavaria, wo gerade eine Kapelle des Trachten- und Schützenzugs anhält.

Magdalena Neuner

"Jede Mama ist Familienmanager"

Magdalena Neuner: "Jede Mama ist Familienmanager"
©Gala

Oktoberfest 2012

O'zapft is in München

Der FC Bayern München besucht auch in diesem Jahr wieder geschlossen die Wiesn: Bastian Schweinsteiger und seine Freundin Sarah
Phillipp Lahm und seine Frau Claudia
Der Spanier Javier Martinez feiert sein erstes Oktoberfest mit der Mannschaft.
Thomas Müller kommt mit seiner Frau Lisa

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Auch für Schauspielerin Sophie Wepper gehört das Oktoberfest seit frühester Kindheit zum Pflichtprogramm. Heute ist die Wiesn für die 30-Jährige wie ein Klassentreffen. "Alle alten Freunde kommen nach München. Ich habe viele private Einladungen. Es ist schön, alle einmal im Jahr wiederzusehen."

Irgendwo hat immer jemand einen Tisch oder gar eine ganze Box reserviert, und so arbeitet man sich von Festzelt zu Festzelt, trifft Freunde, trinkt Bier und schlemmt. Die knusprigsten Hendl gibt es im Hippodrom, die Käsespätzle schmecken in der Schützenfesthalle am besten, und bei Käfer muss es unbedingt die Ente sein. Überhaupt, Käfer. Die urige Holzhütte oberhalb der Wirtsbudenstraße ist etwas ganz Besonderes. Eine Welt für sich, die für jeden etwas bereithält, aber nicht alles für jeden. Vor der Hütte gibt es Kaffee und Zwetschgendatschi, im Garten Bier für alle. Für drinnen braucht man dann schon eine Reservierung, und wer in die obere Etage möchte, muss an einem Security-Posten vorbei. Kein Bändchen für oben? Dann wird's nichts. Bereits im März schicken Michael Käfer und seine Leute das Angebot an die Stammkunden raus, erneut zu reservieren. Sind sie alle mit Tischen versorgt, werden die restlichen Anfragen abgearbeitet. So mancher muss aus Platzgründen eine Absage bekommen. Einige buchen gleich die ganze obere Etage, wie Event- Manager Philip Greffenius für seinen "Almauftrieb" am ersten Sonntagabend. Bis zu 15 000 Gäste begrüßt Michael Käfer pro Tag in seiner Wiesn-Schenke. Viele davon persönlich. In sechzehn Tagen kommt er damit auf rund 240 000 Besucher. Ausnahmezustand, aber auch "die schönste Zeit im Jahr, denn man bekommt sofort Feedback. Wenn nachts um halb eins die Gäste alle glücklich nach Hause gehen, ist das einfach nur schön", schwärmt er.

So mancher, der allein gekommen ist, verlässt das Fest zu zweit. Und manchmal entstehen daraus wunderbare Liebesgeschichten. Wie bei Alexander Fürst zu Schaumburg- Lippe, 53, der seine Frau Nadja Anna, 37, auf der Wiesn kennenlernte. Anders als der Bückeburger ist seine Frau ein echtes Münchner Kindl. "Das erste Bild von mir auf der Wiesn hat mein Vater beim Fotoschießen gemacht. Ich sitze darauf in einem Kinderwagen und trage bereits ein Dirndl", erzählt die Rechtsanwältin. Heute geht sie mit Tochter Felipa, 3, am Kindertag auf die Theresienwiese. Denn auch das ist die Wiesn: ein wunderbares Familienfest. Anne Meyer-Minnemann

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