Leonardo DiCaprio: Man tut, was man sagt

Wenn Leonardo DiCaprio von Umweltschutz spricht, kann man davon ausgehen, dass er es ernst meint. "Gala" erklärt den grünen Lebenswandel des Vorzeige-Aktivisten Hollywoods

Meeresbiologe wollte er früher werden oder auch Klimaforscher. Zwar wuchs Leonardo DiCaprio in unmittelbarer Nachbarschaft der Hollywood-Studios auf, doch der Glamour interessierte ihn als Junge überhaupt nicht. Stundenlang saß er vorm Fernseher, um Tiershows und Naturfilme zu schauen. "Diese Bilder haben mich tief beeindruckt", sagt der 38-Jährige. Heute, als einer der erfolgreichsten Schauspieler der Welt, greift er seine frühe Leidenschaft für Flora und Fauna wieder auf. DiCaprio gilt als einer engagiertesten und ernsthaftesten Naturschützer unter den Celebritys.

Leonardo DiCaprio im Mai bei einer Auktion, die Christie's mit seiner Stiftung ausrichtete. Der Erlös floss in den Schutz für Wildtiere.

Dass Showgrößen sich gern mit sozialem Einsatz schmücken, empfindet der einstige "Titanic"-Star jedoch eher als hinderlich für die Sache: "Wenn ich die Vorzüge von Hybridautos und Solarenergie aufzähle, kann das auch wie eine Predigt wirken", sagt DiCaprio. "Dabei möchte ich niemandem vorschreiben, wie er zu leben hat, sondern nur die Aufmerksamkeit für ein Problem erzeugen. Meine Person ist dabei irrelevant."

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Das stimmt natürlich nicht so ganz. Der Charakterdarsteller setzt freilich seine Popularität ein, um mit der Leonardo DiCaprio Foundation Themen zu setzen: Wasserknappheit, Elfenbeinraub in Afrika, Schutz von Wildtieren, Haien und Walen, aber auch Waldrodung oder Klimaerwärmung. Er hält Vorträge, sammelt Spenden, unterstützt Projekte vor Ort. Ein fast schon unübersichtliches Portfolio. Doch DiCaprio weiß, dass es unmöglich ist, alle Probleme auf einmal zu lösen, sondern dass es darum geht, Schritt für Schritt viele kleine Beiträge zu leisten - und damit einen Bewusstseinswandel herbeizuführen, gerade in den USA.

Ernstgenommen wird er nur, wenn er das lebt, was er fordert, das weiß der Schauspieler. "Ich fahre ein Hybridauto. Außerdem kaufe ich fast ausschließlich Lebensmittel aus ökologischem Anbau im Bioladen und versuche, normale Supermärkte zu meiden, so oft es eben geht."

Klingt gut, ist aber natürlich auch eine Frage des Geldes. "Das weiß ich", antwortet DiCaprio, "und deshalb müssen wir Umweltschutz auch für alle zugänglich machen. Biolebensmittel kaufen, den Müll richtig trennen, im ganzen Haus Energiesparlampen einsetzen. Auf Kleinigkeiten kommt es an."

Nicht schneller ankommen, sondern entspannter: Leo DiCaprio läuft durch New York, im Taxi sitzt man eh nur im Stau. Für längere Strecken nimmt er das City-Bike, für die ganz langen das Auto.

Als Großverdiener unterstützt DiCaprio in seinem Alltag außerdem mutige ökologische Bauprojekte. In einer dieser High-End-Varianten des Umweltschutzes, dem "Riverhouse" am Hudson River, besitzt er ein Apartment. Der gläserne Wolkenkratzer in New York hat eine eigene Wasseraufbereitungsanlage und Solarwindräder. Ein spezielles Filtersystem sorgt für Frischluft.

Als Jetsetter von Umweltschutz zu reden ist heikel. Berufsbedingt fliegt DiCaprio mehrmals im Jahr um die Welt. Auch im Privatjet, dessen Ökobilanz im Vergleich zum Passagierflugzeug verheerend ist. Das gibt Häme von Kritikern. "Ich fliege sehr viel häufiger mit kommerziellen Airlines, als mir nachgesagt wird. Und dann zahle ich bewusst einen Kerosinaufschlag", verteidigt sich der Leinwandstar, der bei Filmpremieren regelmäßig mit einer Eco-Limo vom lokalen Autoverleih vorfährt. Außerdem sieht man DiCaprio regelmäßig auf seinem Rad durch die Stadt cruisen - in der autofixierten Metropole Los Angeles immer noch ziemlich ungewöhnlich. Doch andere Visionäre wurden anfangs ebenfalls verspottet.

Wie Al Gore: Für den einstigen demokratischen US-Vizepräsidenten war die globale Erderwärmung schon ein dringliches Thema, als die Amerikaner noch nicht mal Thermostate als Grundausstattung für ihre Häuser entdeckt hatten. Gore drehte den Dokumentarfilm "Eine unbequeme Wahrheit" - dafür erhielt er 2007 den Friedensnobelpreis und zwei Oscars. Hollywood-Star DiCaprio pushte damals den Film, indem er ihn während des Festivals in Cannes hymnisch lobte - und drehte direkt selbst eine Abrechnung mit dem Turbokapitalismus. "The 11th Hour" (übersetzt etwa "Fünf vor zwölf") zeigt Ressourcenverschwendung, Müllwahnsinn, Klimakatastrophe, aber auch wunderschöne Natur. DiCaprio ging mit so viel Herzblut ans Werk, als sei er auf der Jagd nach seinem Kindheitstraum - der Erde einen Dienst zu erweisen.

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