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Kinotipp "Der Biber"


Mel Gibson wagt sein schauspielerisches Comeback ausgerechnet als psychisch labiler Familienvater in "Der Biber"

Story

Walter Black (Mel Gibson), Manager einer kriselnden Spielzeugfirma, leidet an einer schweren Depression. Seine Ehe droht zu zerbrechen und sein ältester Sohn Porter distanziert sich deutlich von seinem Vater. Nachdem seine Frau (Jodie Foster) ihn schließlich vor die Tür gesetzt hat, versucht Walter, sich das Leben zu nehmen. Der Selbstmordversuch missglückt.

Ganz unerwartet findet Walter daraufhin Rettung in Gestalt einer Biber-Handpuppe. Diese führt er fortan ununterbrochen mit sich herum und lässt sie für ihn sprechen. Und endlich kann Walter wieder das, was ihm jahrelang nicht gelang: Er kann lachen, kommunizieren und Pläne schmieden. Sein Leben scheint sich zunächst endlich zu bessern. Die Liebe zwischen Walter und seiner Frau entflammt neu, im Job wird er für seine kreative Arbeitsweise respektiert und bewundert. Doch ganz langsam beginnt der Biber, seinen Besitzer zu beherrschen. Walter droht völlig zu verschwinden ...

Stars

Mel Gibson, der in der Vergangenheit vor allem durch seine zerrüttete Beziehung mit Oksana Griegoriva, inklusive Misshandlungsvorwürfen und Wutanfällen am Telefon, für Schlagzeilen gesorgt hat, schafft hier ein brilliantes schauspielerisches Comeback. Angesichts der negative Eigen-PR fällt es zunächst äußerst schwer, nicht Mel Gibson, den aggressiv pöbelnden Schauspieler, sondern seine Rollenfigur Walter Black, den depressiven Familienvater, auf der Kinoleinwand zu sehen. Doch dann wird der Zuschauer doch von Minute zu Minute tiefer in Walters Bann und den seines Bibers gezogen. Der "Braveheart"-Star verschmilzt regelrecht mit seiner Handpuppe, die Gibson während der Dreharbeiten nur selten abgelegt und deswegenwie Walter im Film für Irritation gesorgt haben soll. Jodie Foster erinnerte sich heute noch an Mels körperlichen Einsatz: "Er arbeitete so viel mit der Puppe, dass sein Arm verkrampfte."

Dennoch drängt sich die Frage auf, ob Mel Gibson für sein Comeback nicht eine unverfänglichere Rolle hätte wählen sollen. Ausgerechnet in einer Phase seines Lebens, in der alle Welt ihn für völlig unzurechnungsfähig hält, verkörpert er den Charakter eines psychisch Kranken der 56-Jährige so wunderbar echt - als sei ihm die Rolle auf den Leib geschneidert. Kritiker in den USA scherzten bereits gemein, Mel habe nur sich selbst spielen müssen und fragten "Kunst ahmt das Leben nach?".

Für Regisseurin Jodie Foster war jedoch sofort klar, dass nur Mel Gibson die Rolle des ambivalenten Protagonisten Walter übernehmen kann. "Für Walter Black und den Biber kam nur ein Mann infrage, der tragisch und komisch zugleich sein kann", so Foster. "Ich bin seit über 15 Jahren mit Mel befreundet und wir haben viele, viele ausführliche Diskussionen über das Leben geführt. Da war es ganz selbstverständlich, dass ich bei 'Der Biber' an ihn dachte." Seine privaten Probleme habe er sich am Set niemals anmerken lassen. "Es war ein sehr harter Tag, als die Schlagzeilen erschienen. Ich verbrachte viel Zeit mit Mel. Aber er arbeitete weiter. Strauchelte nie. Ein absoluter Profi."

Fazit

"Der Biber" ist amüsant und schockierend zugleich, was zum einen als ein großes Plus gewertet, zum anderen aber auch als leicht irritierend erlebt werden kann. Während im ersten Drittel des Films noch mit jeder Menge Slapstick-Humor gearbeitet wird, dreht die Stimmung im zweiten Drittel schlagartig und es baut sich bis zum Ende eine ungeheure Dramatik auf, die in einem erschreckenden Ende mündet.

Kinotipp: "Der Biber"
gala.de


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