Jan Kath: Zum Niederknien schön

Wie der deutsche Teppichdesigner Jan Kath es geschafft hat, in die Wohnzimmer von Stars und Prinzessinnen zu kommen

Jan Kath

Eine Handynummer in Thailand,

zwei Tage zuvor hätte man noch versuchen müssen, ihn im Himalaja zu erwischen. "Ich bin seit mehr als drei Monaten on the road", sagt Jan Kath, 39, im Gespräch mit "Gala". Normalzustand für den Bochumer, seit er sich vor knapp 20 Jahren entschlossen hat, die Welt der Teppiche zu revolutionieren. Jan Kath zählt heute zu den bedeutendsten Teppichdesignern der Welt und hat obendrein ein globales Imperium aufgebaut. Seine Highend-Kreationen sind so heiß begehrt wie Bilder von Neo Rauch oder Daniel Richter. Und die geknüpften Kostbarkeiten schmücken die Villen von Celebritys wie Anthony Kiedis von den Red Hot Chili Peppers genauso wie die Firmensitze internationaler Modehäuser von Tiffany und Boss bis Ferragamo.

Mal abstrakt, mal konkret: "Gamba and Spice" ("Where Is Bambi"). Jan Kath selbst beschreibt seine Kreationen als "zeitlos", weil sie nie aus der Mode kommen.

In seinen Showrooms in Bochum, Berlin, New York - und ab kommender Woche auch in Stuttgart - hängen seine Kreationen an den Wänden wie großflächige Gemälde. Als Besucher hat man den Eindruck, in einer Kunstgalerie zu stehen. Abstrakte Muster, Tiere oder Figuren in leuchtenden, ausdrucksstarken Farben. Schillernde Oberflächen, über die man unwillkürlich mit der Hand fahren möchte. "Meine Inspirationen bekomme ich oft auf Reisen", erzählt der Designer. "Ich sitze zum Beispiel im Flugzeug, schaue aus dem Fenster, sehe ein Wolkenmuster, und eine Stunde später habe ich einen Einfall."

Wohnen

Bei den Stars zu Hause

Vor 20 Jahren kaufte Guido Maria Kretschmer diese Finca, keine halbe Stunde von Palma de Mallorca entfernt. Er und sein Frank feierten hier viele Feste mit prominenten Gästen. Hollywood-Star Goldie Hawn liebte vor allem den Pool.
An der Eingangstür präsentiert Guido sein Lieblingsmöbel. Auf diesem Stuhl lernte er als Kind schreiben.
Räume und Terrassen sind lichtdurchflutet, helle Vorhänge spenden Schatten.
Im Wohnzimmer arrangierte Guido liebevoll Fotos von Familie und Freunden.

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Kostbar und fair: Mehr als 3000 Arbeiter knüpfen für Jan Kath in seinen Werkstätten in Nepal (Foto), Thailand, Indien, der Türkei oder Marokko. Gemeinsam mit der Organisation Step engagiert er sich für faire Arbeitsbedingungen und fairen Handel, ökologische Nachhaltigkeit sowie gegen Kinderarbeit. Ein Teppich in Standardqualität kostet rund 1200 Euro pro Quadratmeter, also mindestens 10 000 Euro. Mehr Infos: www.jankath.de

Sein neues "Baby": ein Design, das an traditionelle Orientteppiche erinnert, die jedoch gewollt eingearbeitete Gebrauchsspuren zeigen. "Damit kehre ich zu meinen Wurzeln zurück", sagt Kath. Die liegen im Ruhrgebiet, in Bochum, bis heute Headquarter der Firma und Heimat von Jan Kath, worauf er besonders stolz ist. "Ich bin in dritter Generation im Teppichgeschäft. Mein Vater und Großvater waren Händler, sie haben mit alten und antiken Teppichen gehandelt." Ein Globetrotter mit Traditionsbewusstsein, so tickt der junge Jan Kath, als er eine kaufmännische Ausbildung im elterlichen Betrieb absolviert und anschließend seinen Rucksack für Asien packt. Er ist 19 Jahre alt, lässt sich treiben, organisiert Technopartys, bis ihm das Geld ausgeht. Ein Zufall treibt ihn ins Berufsleben: Auf der Straße trifft er einen Freund seines Vaters, die Männer werden Geschäftspartner und schon bald ist Jan Kath für rund 600 Arbeiter in Kathmandu verantwortlich. In der Mongolei lernt er seine zukünftige Frau kennen, eine Mongolin, die als Übersetzerin für ihn arbeitet. Schließlich zieht es ihn und seine Familie, das Paar hat zwei Kinder, zurück ins Ruhrgebiet. Heute sieht er sich in erster Linie als Designer, Entwickler und Produzent. Dabei ist höchste Qualität der Wolle, der Farbe und bei der Verarbeitung für ihn eine Selbstverständlichkeit. Ein Global Player mit Werkstätten in Thailand, Nepal, Indien, Marokko und der Türkei sowie Kunden in New York, Kanada, Russland, Australien und den Vereinigten Arabischen Emiraten. Ein Mann, der faire Arbeitsbedingungen und ebensolche Preise bei der Produktion als normal erachtet. Und sich selbst ein wenig wundert, wer mittlerweile so alles bei ihm anfragt. Als Anthony Kiedis vor Jahren bei ihm persönlich in Bochum anrief, um einen Teppich zu bestellen, wusste Jan Kath noch nicht einmal, wer das war.

Prominente Fans: Fürst Albert und Charlène von Monaco, die bei ihrer Hochzeit 2011 über einen roten Teppich von Jan Kath liefen.

Und auch als er vor einem Jahr den roten Teppich für die Hochzeit von Monacos Fürst Albert und Charlène Wittstock entwarf, 103 Meter lang und eine Tonne schwer, blieb er auf dem Teppich. "Das war vor allem logistisch eine Herausforderung. Das zu wuppen war wirklich eine Wucht", sagt er und klingt dabei noch immer ein wenig erstaunt. Mit dem Lifestyle vieler seiner Kunden, die ihre Villen an den Traumplätzen der Welt mit kostbaren Teppichen aus seiner Produktion schmücken, hat er wenig gemein. Im Herzen ein Junge aus Bochum trägt Jan Kath am liebsten Jeans und Turnschuhe und packt grundsätzlich im Lager mit an. Wenn er sagt, "mein Bestreben ist es, in der Welt des Teppichs so viel Entwicklung wie möglich voranzubringen", dann spürt man: Was ihn antreibt, ist nicht Geld, nicht Ruhm, sondern eine Mission. Und für die ist ihm kein Weg zu weit. Stefanie Richter

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