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Internationaler Frauentag Sechs Heldinnen von heute

"Sisterhood is Powerful" prangt auf den Shirts von Dior. 
"Sisterhood is Powerful" prangt auf den Shirts von Dior. 
© Getty Images
Wir stellen zum Internationalen Weltfrauentag Superheldinnen unserer heutigen Zeit vor, die keinen Umhang benötigen

Sie kämpfen vor Gericht, erschaffen Vorbilder für Millionen und schlagen völlig neue Wege in männerdominierten Branchen ein: Diese sechs Frauen brauchen keinen Umhang, um Superheldinnen zu sein. 

Ruth Bader Ginsburg

Es ist schon bemerkenswert, mit welch stoischer Eleganz und Penetranz die Richterin des Supreme Court ihrem Job nachgeht. Ruth Bader Ginsburg, kurz RBG, ist eine Ikone, eine Institution, eine lebende Legende der USA. 1993 wurde sie vom damaligen US-Präsidenten Bill Clinton in das höchste Gericht Amerikas berufen. Doch die Karriere der 1933 in Brooklyn geborenen Rechtsanwältin sorgte schon viele Jahre zuvor für gequälte Gesichter bei ihren männlichen Kollegen. "Ich will keine Bevorteilung der Frauen bewirken. Ich möchte lediglich, dass unsere Brüder ihre Füße aus unserem Nacken nehmen", stellte sie einst vor ranghohen Richtern fest.

Unermüdlich setzt sich "The Notorious RBG", wie Fans sie liebevoll nennen, für die Rechte von Frauen und deren Gleichstellung vor dem Gesetzt ein. Wegweisende Gerichtsurteile gehen auf ihr Konto, Millionen Frauen verehren sie als Vorreiterin des modernen, intelligenten Feminismus.

Ruth Bader Ginsburg
Ruth Bader Ginsburg
© Getty Images

Übrigens: Ruth Bader Ginsburg selbst hätte all das nach eigener Aussage niemals ohne ihren Ehemann erreichen könnten. Der habe, ganz untypisch für sein Geschlecht und die Zeit in der sie lebten, nämlich immer die Karriere seiner Frau unterstützt und hängte sogar seinen eigenen, vielversprechenden Job an den Nagel, um die Kindererziehung hauptverantwortlich übernehmen zu können.

Amy Sherman-Palladino

Zugegeben: Den Namen Amy Sherman-Palladino kennen vermutlich nur eingefleischte Film- und Fernsehfans. Dabei sollten viel mehr Leute sich mit der amerikanischen Drehbuchautorin und Produzentin befassen, die uns solch wunderbare Vorbilder wie Lorelai und Rory Gilmore oder Miriam "Midge" Maisel schenkt. 

Amy Sherman-Palladino
© Getty Images

Zusammen mit ihrem Ehemann und Kollegen Daniel Palladino hat Amy Sherman-Palladino bereits zwei überaus erfolgreiche TV-Serien konzipiert und produziert. Bis heute trauern Fans dem Ende von "Gilmore Girls" um das quirlige, schnell sprechende und Kaffeetrinkende Mutter-Tochter-Duo Lorelai und Rory Gilmore hinterher. Und auch die Protagonistin in "The Marvellous Mrs. Maisel" überzeugt schon längst Kritiker und Zuschauer. Eine verlassene Ehefrau im New York der Fünfziger Jahre, die ihren Traum einer Stand-up-Comedy-Karriere gegen alle Zweifel und Einsprüche verteidigt.

Emma Thompson

In einem offenen Brief beendete Schauspielstar Emma Thompson ihr Engagement in dem Animationsfilm "Luck". Boom, was für eine Bombe, die da im oberflächlich ach so friedlichen Hollywood einschlug. Der Hintergrund: John Lasseter, ehemaliger Mitgründer von Pixar und der sexuellen Belästigung angeklagter Filmemacher, wurde von der verantwortlichen Produktionsfirma Skydance Media eingestellt. Ein No-Go für Emma, die keinesfalls mit einem solchen Mann zusammenarbeiten möchte.

Emma Thompson bei ihrem Termin im Kensington Palast
Emma Thompson bei ihrem Termin im Kensington Palast
© Getty Images

In ihrem Brief an der Chef der Produktionsfirma schreibt Thompson: “Wenn ein Mann jahrzehntelang Frauen unrechtmäßig angefasst hat, warm sollte eine Frau dann mit ihm zusammenarbeiten wollen wenn der einzige Grund, warum er sie nicht unrechtmäßig anfassen wird, darin besteht, dass in seinem Vertrag steht, er müsse sich 'professionell' verhalten?"

Ein Fall wie dieser zeigt: Die "MeToo"-Bewegung, die bis heute die Traumfabrik und viele weitere Branchen gehörig umkrempelt, hat in Emma Thompson ihre ungekrönte Königin gefunden. Längst sind es nämlich nicht mehr nur Protestmärsche oder abgesprochene Dresscodes, die für mediale Aufmerksamkeit sorgen, sondern mutige Frauen, die knallhart durchgreifen - selbst, wenn es ihrer eigenen Karriere schaden könnte.

Maria Grazia Chiuri, Virginie Viard und Clare Waight Keller 

Virginie Viard, Karl Lagerfeld, Hudson Kroenig
Virginie Viard, Karl Lagerfeld, Hudson Kroenig
© Action Press

Wir schreiben das Jahr 2019. Der große Karl Lagerfeld ist tot, ein Ruck geht durch die Modewelt - und später Begeisterung. Denn in einem Business, das Jahrzehnte lang von Männern dominiert wurde und dem stetigen Wandel verfallen ist wie ein Junkie seiner Lieblingsdroge, trifft das wohl bekannteste Label der Welt eine Entscheidung im Namen der Konstanz und kreativen Zusammenarbeit. 

Viginie Viard ist die dritte Frau, die in den vergangenen Jahren an die Spitze eines der weltweit führenden Modelabels berufen wurde. Als Nachfolgerin von Legende Lagerfeld wurde ihr, der langjährigen Studioleiterin und engsten Vertrauten des großen Schöpfers, die Verantwortung übertragen.

Maria Grazia Chiuri
Maria Grazia Chiuri
© Getty Images

Bräuchte Viard Kollegen, die sie um Rat fragen kann, wären Maria Grazia Chiuri (Dior) und Clare Waight Keller (Givenchy) sicherlich sofort zur Stelle. Sie selbst stehen Modeimperien vor, die viele Jahrzehnte von Männern geleitet wurde. Ob Hochzeitskleider für Instagramprinzessinnen wie Chiara Ferragni oder echte Prinzessin wie Meghan Markle, heute Herzogin von Sussex - diese Powerfrauen sind die Zukunft der Mode.

Und das nicht nur, weil sie sich in einem hart umkämpften Business durchgesetzt haben. Sondern auch und vor allen Dingen, weil sie eine Facette in den modernen Trendzirkus einbringen, die lange fehlte: Feminismus ohne erhobenen Zeigefinger, dafür aber mit umso mehr Knalleffekt und Langlebigkeit.

Clare Waight-Keller bekommt den Award als "Britische Designerin des Jahres". 
Clare Waight-Keller bekommt den Award als "Britische Designerin des Jahres". 
© Getty Images
kst Gala

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