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Erstes Smartphone zu Weihnachten Darauf sollten Eltern nun achten

Eltern sollten ihre Kinder an die Nutzung von Smartphones heranführen.
Eltern sollten ihre Kinder an die Nutzung von Smartphones heranführen.
© fizkes/Shutterstock.com
Schon früh kommen Kinder mit Smartphones in Kontakt. Wie Eltern ihren Nachwuchs an die neue Welt heranführen können, erklärt eine Expertin.

Viele Kinder haben sich an Weihnachten über ihr erstes Smartphone gefreut, andere warten bisher noch vergebens auf ein eigenes Gerät. Wann ist es für ein Tablet oder Smartphone zu früh, wie können Eltern gemeinsam mit dem Nachwuchs diese für das Kind neue Welt erkunden und wie wichtig ist eine Vorbildfunktion? Antworten auf diese und weitere Fragen hat Anja Dinhopl, Leiterin für User-Experience-Forschung im Bereich Online-Sicherheit und Privatsphäre für Kinder und Jugendliche im Google Safety Engineering Center (GSEC) in München, der Nachrichtenagentur spot on news gegeben.

Ab welchem Alter ist ein eigenes Smartphone für Kinder sinnvoll? Wann ist es noch zu früh?

Anja Dinhopl: Grundsätzlich gibt es kein perfektes Alter, für das die Anschaffung eines Smartphones empfohlen wird. Es hängt ganz davon ab, wie reif das Kind ist und ob es bereits Verantwortung übernehmen kann und möchte. Falls der Wunsch des Kindes nach einem eigenen Smartphone entsteht, fragen Eltern am besten zuerst nach, warum ein Gerät für das Kind wichtig ist? Neben Standardantworten wie "Weil jeder eines hat", können Erziehungsberechtigte versuchen, dem Kind konkrete Gründe und den gewünschten Zweck zu entlocken. Was würde es mit dem eigenen Smartphone machen? Würde das Gerät im Alltag tatsächlich helfen?

An der Stelle empfiehlt es sich auch darüber zu sprechen, welche Erwartungen und Verantwortungen beispielsweise mit einem Smartphone einhergehen. Dem Kind sollte bewusstwerden, was ein neues Gerät kostet und was passiert, wenn es kaputt geht. Außerdem können Eltern auch aufzeigen, was ein Datentarif oder App-Käufe sind - so verstehen Kinder, dass digitales Handeln auch Auswirkungen auf das echte Leben hat. Falls die Eltern nicht ohnehin schon ein Gefühl dafür haben, ob es der richtige Zeitpunkt für das erste Smartphone ist, können die oben genannten Fragen dabei helfen, Gewissheit zu erlangen.

Zu Weihnachten haben viele Kinder ihr erstes Smartphone oder Tablet bekommen. Worauf sollten Eltern in Bezug auf das Nutzungsverhalten ihrer Kinder besonders achten?

Dinhopl: Ich empfehle, dass Eltern gemeinsam mit ihren Kindern Regeln für den Umgang mit digitalen Medien und Endgeräten festlegen. Wichtig ist dabei, dass sich Kinder nach Erhalt des Smartphones oder des Tablets nicht alleine mit dem Gerät auseinandersetzen müssen. Das gemeinsame Entdecken ist hierbei ein wichtiger Faktor und dass Eltern Interesse an der Medienerziehung signalisieren. Der Schlüssel ist stets der familiäre Austausch über mögliche Risiken oder unpassende Inhalte - und zwar über die Anfangszeit hinaus.

Ich gebe dabei gerne die folgenden drei Punkte an die Hand, die helfen können, die Inhalte, die Kinder konsumieren, im Blick zu behalten: Kind, Kontext und Inhalt. Bei Ersterem geht es darum einzuschätzen, welche Inhalte das eigene Kind bereits verstehen kann. Dafür haben Eltern in der Regel ein Gespür. Auch sollte der Kontext hinterfragt werden: Sind die Eltern während der Mediennutzung dabei oder beschäftigt sich das Kind alleine mit einem digitalen Endgerät? Der dritte Punkt umfasst die konkreten Inhalte, die das Kind konsumiert. Sind es eher Spiele oder Videos? Bei der Wahl der Apps sollten Eltern darauf achten, dass sie altersgerecht sind. Ein Austausch zu Passwörtern und mit welchen Parteien über das Gerät kommuniziert wird, ist ebenfalls sinnvoll."

Wie können Eltern ihre Kinder möglichst einfach an einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Smartphone und dem Internet heranführen?

Dinhopl: Im Google Safety Engineering Center sprechen wir mit Kindern und Jugendlichen im Rahmen unserer Forschung und beantworten Fragen wie "Was macht Google mit den Daten?" oder "Sind Cookies sicher?". Innerhalb von Gruppendiskussionen haben wir herausgefunden, dass Kinder und Jugendliche klare und deutliche Antworten bei Datenschutzfragen brauchen. Sie sollten also altersgerecht, verständlich und vor allem möglichst kurz sein und im Idealfall visuell aufbereitet werden. [...] Auch hierbei gilt: Der gemeinsame Austausch steht an erster Stelle.

Eltern können ihr Kind zum Beispiel fragen, was seiner Meinung nach positive Arten sind, online Zeit zu verbringen und warum? Gibt es Webseiten, Apps oder Videos, mit denen Neues erlernt wurde? Welche haben das Kind inspiriert oder mit anderen Menschen in Kontakt gebracht? Umgekehrt sollte ebenfalls besprochen werden, welche Inhalte als nicht so positiv bewertet werden und warum. Hier können Eltern gezielt gewisse Plattformen oder Webseiten ansprechen und auch Videos - beispielsweise: Welche Videos sollte man sich ansehen, welche eher nicht?

Für manches müssen Kinder jedoch zunächst selbst ein Gefühl entwickeln. Um den positiven Nutzen der Technologie spielerisch zu integrieren, können sich Familien beispielsweise eine Woche lang die Aufgabe stellen, jeden Tag mithilfe des Geräts etwas Neues zu lernen. Sei es etwas Historisches, Wissenswertes über unseren Planeten oder ein Funfact über einen Film. Am Ende der Woche wird darüber gesprochen, was jede und jeder dazulernen konnte oder was vielleicht besonders überraschend war. Natürlich ist bei all dem auch immer das Alter des Kindes ein wichtiger Faktor, je älter die Kinder werden, desto schwieriger lässt sich die Gerätenutzung einteilen. Hier sollten Eltern am besten flexibel sein und sich mit dem Kind darüber austauschen, wie es das Gerät oder die Inhalte nutzt - mit der Zeit bekommen Eltern dann auch ein besseres Gefühl dafür und können bewusstere Entscheidungen treffen.

Zu einem verantwortungsvollen Umgang gehören neben den konsumierten Inhalten auch die Dauer und Kontexte, in denen das Gerät genutzt wird. Um die Zeiten zu regulieren und gemeinsame "Offline-Zeiten" zu fixieren, können Orte festgelegt werden, die gerätefrei sind - beispielsweise das Esszimmer. Hierfür kann gemeinsam mit den Kindern eine Box gebastelt werden, in der beispielsweise das Smartphone während des Essens aufbewahrt wird. Der Fantasie sind dabei keine Grenzen gesetzt.

Sollten Eltern beispielsweise gemeinsam mit den Kindern aussuchen, welche Apps oder Games sie herunterladen?

Dinhopl: Sinnvoll ist es, wenn Eltern Interesse an den Online-Aktivitäten ihrer Kinder zeigen und sich als Vertrauensperson anbieten. Gerade bei Apps und Spielen geht es darum, dass diese altersgerecht sind und Kinder keine unpassenden Inhalte konsumieren. Auch hier empfiehlt es sich, offen darüber zu sprechen und vielleicht auch zu erklären, dass sie für bestimmte Anwendungen noch nicht alt genug sind.

Wie wichtig ist bei der Nutzung die Vorbildfunktion von Eltern?

Dinhopl: Die Vorbildfunktion der Eltern sollte nicht unterschätzt werden. Kinder lernen sehr viel durch Beobachtung und Nachahmung. Eltern sollten sich daher ihrer Vorbildrolle bewusst sein. Wer nicht möchte, dass sich die eigenen Kinder ständig mit dem Smartphone beschäftigen, darf es auch selbst nicht vorleben. Es hilft, sich mit dem eigenen digitalen Medienverhalten und der Gerätenutzung auseinanderzusetzen. Gibt es etwas, das man ändern könnte, um dem Kind als gutes Beispiel voranzugehen?

Was betrachten Sie als die größten Gefahren für Kinder im Umgang mit dem Smartphone und Internet?

Dinhopl: Digitale Kompetenz und Medienerziehung spielen eine große Rolle. Eltern sollten Kinder bestmöglich über Risiken im Netz informieren. Auch wenn sie scheinbar harmlos wirken, können diese Risiken möglicherweise eine Gefahr darstellen. Hier möchte ich zum Beispiel auf sensible Inhalte hinweisen, mit denen Kinder im Internet konfrontiert werden. Kinder können oft schlecht einschätzen, ob diese Inhalte altersgerecht und vertrauenswürdig sind. Aus diesem Grund ist das offene Gespräch mit Eltern oder Vertrauenspersonen so wichtig.

Zur digitalen Kompetenzbildung gehört es auch, mit Kindern über das Verhalten anderer Nutzerinnen und Nutzer zu sprechen. Beispielsweise können Mobbing oder Diskriminierung im Netz ganz andere Formen annehmen.

Auch das Thema Phishing ist etwas, womit Kinder wenig Erfahrung haben können - darüber muss mit ihnen gesprochen werden. Insbesondere wo, wie und wem man persönliche Informationen preisgibt, und vor allem, auf welche Webseiten, Links und E-Mails man besser nicht klickt. Hier brauchen Kinder Unterstützung.

Im Google Safety Engineering Center in München kümmern wir uns in unserer Forschung vor allem darum, Kindern digitale Kompetenz in den Bereichen Privatsphäre und Onlinesicherheit verständlich zu machen - was passiert mit persönlichen Daten im Netz? Welche Einstellungen sollte man wählen oder wann ist mein Account möglichst sicher?

Hilfen für Eltern

Die Expertin verweist auf einen Leitfaden für Familien, der von ihr und ihrem Team im GSEC erstellt wurde. Dieser soll unter anderem dabei helfen, die richtigen Inhalte für Kinder zu finden und gibt auch Tipps im Umgang mit Social Media sowie Games. Zudem bietet Google daneben etwa auch einen Datenschutzleitfaden für Kinder und Jugendliche, der Eltern bei einer Beantwortung entsprechender Fragen behilflich sein kann.

Darüber hinaus könne der Einsatz bestimmter Tools wie Google Family Link "sehr hilfreich sein, um Kindern und Jugendlichen zu helfen, eine gute Balance zwischen Online- und Offline-Aktivitäten zu finden, indem Eltern unter anderem Bildschirmzeiten festlegen können", erklärt Dinhopl. So lassen sich zum Beispiel die Sicherheitseinstellungen für das jeweilige Konto eines Kindes oder Apps auf dem Gerät verwalten. "Solche Apps sollten nicht dafür verwendet werden, um das Online-Nutzungsverhalten zu beaufsichtigen, sondern, um eine gute Diskussionsgrundlage zu schaffen", erklärt die Expertin und fügt hinzu: "Eltern erfahren dadurch beispielsweise, welche Apps spannend für die Kinder sind, um im Anschluss darüber mit ihnen zu sprechen. Das Angebot für die sichere Medienerziehung ist mittlerweile zum Glück recht groß."

Solche Funktionen sind nicht beschränkt auf die Pixel-Smartphones von Google oder andere Android-Geräte. Auch Apple-Kundinnen und -Kunden können entsprechende Features auf dem iPhone oder iPad nutzen, um etwa Beschränkungen bei der Bildschirmzeit oder beim Kauf von Apps festzulegen und beispielsweise In-App-Käufe zu blockieren.

SpotOnNews

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