Bobby Dekeyser: Herr der Träume

Ehemaliger Fußballprofi, Gründer der Möbellinie Dedon, Familientier - Bobby Dekeyser führte ein Leben auf der Überholspur. Doch dann nahm ihm das Leben das Liebste, was er hatte

Bobby Dekeyser

Stars wie Brad Pitt und Michael Ballack lümmeln auf seinen luxuriösen Outdoor-Möbeln,

jedes Jahr schreibt der Umsatz seiner Firma Dedon neue Rekorde. Bobby Dekeyser, 48, kommt gerade aus New York, morgen reist er weiter nach Baden-Baden, einen Tag später zum Filmfestival nach Edinburgh und dann nach Kanada. Es ist nicht leicht, mit dem Unternehmer und ehemaligen Fußballprofi Schritt zu halten, er ist ständig in Bewegung. Geistig wie körperlich. Dekeyser sprüht vor Ideen, und wenn er sie nicht gleich umsetzen kann, wird er ungehalten. Dedon, seine Stiftung "Dekeyser & Friends", drei Kinder, ein Reiseunternehmen, eine eigene Insel ... Und jetzt hat er noch ein Buch geschrieben, gibt seine Energie, seine Lebensphilosophie weiter. Selten habe ich einen Menschen getroffen, der so inspirierend ist, so ansteckend und so voll positiver Energie.

Man wird ja atemlos an Ihrer Seite. Sind Sie immer auf dem Sprung?

Ich bin im Schnitt nie länger als drei oder vier Tage an einem Ort, dann zieht es mich weiter. Aber ich nehme meine Basis immer mit: meine Kinder, meine Hunde, meine Freunde. Da ich nicht zwischen privat und geschäftlich trenne, sind die meisten, die für mich arbeiten, enge Freunde. Dieser Bewegungsfluss ist meine Natur. Das kann von außen manchmal getrieben wirken, aber so bin ich halt.

Sarah Jessica Parker

Einblicke in Haus und Seele

Woran liegt das?

Ich war nie irgendwo länger als zwei Jahre in meinem Leben: Ich bin in Belgien geboren, dann nach Österreich gezogen, später nach Frankreich, Deutschland, wieder zurück - dazu die ganzen Schulwechsel, Vereins wechsel und das Unternehmertum sowieso. Ich bin also ständig in Bewegung. Aber dieses Bewegen gibt mir Ruhe.

Möbel wie das "Nestrest" haben den Belgier weltberühmt gemacht.

Aber was empfinden Sie als Ihre Heimat?

Ausschließlich Menschen. Meine Familie und meine Freunde - Heimat mache ich an keinem Ort fest.

Mit 19 Jahren bekamen Sie einen Profivertrag beim FC Bayern - inklusive BMW, einer Wohnung und dem Gehalt eines Bankdirektors. Andere junge Männer wären am Ziel ihrer Träume - Sie nicht, oder?

Profi-Torwart wäre sicher nicht die Endstation in meinem Leben gewesen. Auch ohne meine Verletzung, die letztlich mein Karriereende bedeutete. Mich hätte das nicht befriedigt. Ich bin einfach ein Unruheherd und habe immer tausend Ideen im Kopf, die ich sofort umsetzen muss. Eigentlich ist im Münchner Krankenhaus schon die Idee zu Dedon geboren. Hier habe ich beschlossen, Unternehmer zu werden.

Dann haben Sie klein angefangen, zwischendurch immer wieder Durststrecken durchleben müssen, sich mit Bastgiraffen aus Madagaskar über Wasser gehalten. Wann kam der Durchbruch?

Es waren harte Zeiten, wir hatten oft Geldsorgen, standen immer wieder kurz vor der Pleite. Einmal hat mir unser Nachbarsbauer mit einer Bürgschaft über eine halbe Million Mark geholfen - dafür habe ich ihm einen Traktor gekauft. Aber plötzlich lief es, und wir mussten innerhalb von zwei Jahren von zwei auf 2000 Mitarbeiter aufstocken. Aber das ist das Schöne: Leute zu finden und ihnen dann das totale Vertrauen zu schenken.

Noch nie enttäuscht worden? Inzwischen arbeiten weltweit über 3000 Menschen für Sie ...

Alle können mit so einer Freiheit nicht umgehen. Es gibt Leute, die brauchen Strukturen und müssen genau wissen, was sie machen sollen. Aber eigentlich sind alle bei mir im Team autonom.

Bobby Dekeyser hat sein bewegtes Leben aufgeschrieben: "Unverkäuflich!", Ankerherz Verlag, 206 S., 29,90 Euro.

Sie fällen Entscheidungen aus dem Bauch heraus - finden Sie so die Mitarbeiter, die zu Ihnen passen?

Nach einer Sekunde merke ich: Es passt oder es passt nicht. Das ist wie mit der ersten Liebe - eigentlich stimmt das "richtige" Gefühl immer. Ich glaube, jeder hat dieses Gefühl, und dem müssen wir vertrauen. Wir sind innerhalb kürzester Zeit auf 2000 Leute gewachsen. Von der Köchin bis zum Taxifahrer haben wir alle eingestellt, die uns sympathisch waren.

Arbeiten müssten Sie jetzt nicht mehr ...

Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass man sich mit Geld irgendwann zur Ruhe setzt. Man hat dann nur mehr Möglichkeiten, seine Träume auszuleben.

Gibt es einen Traum, den Sie jüngst ausgelebt haben?

Wir haben eine Insel auf den Philippinen ausgebaut, unser "Dedon-Island". Am Ende der Welt, aber wunderschön und unberührt. Es ist ein Resort mit neun Häusern, die man mieten kann. Wir nennen es "Barefoot- Luxury": Es gibt keine Rezeption, du zahlst vorher, dann nie wieder. Man kann sich zurückziehen, aber trotzdem aktiv dabei sein: morgens mit den Fischern rausgehen, kochen lernen, Plantagen bestellen, für sich selbst etwas neu entdecken. Oder du kannst dir zehn Massagen am Tag geben lassen. Das war definitiv ein Traum, ein neues Lebensgefühl, und ich bin tollen Leute begegnet.

Welche Begegnung hat Sie bislang am tiefsten geprägt?

Mit Abstand die mit meiner Frau. Weil wir uns bedingungslos geliebt und vertraut haben. Ich habe sie mit 17 zum ersten Mal in der Tanzschule gesehen und wusste sofort: Diese Frau will ich heiraten. Sie war mein Anker und hat mir viel Freiheit gegeben. Ohne sie wäre vieles in meinem Leben nicht zustande gekommen. Die Liebe zu Ann- Kathrin hält ewig - trotz ihres Todes vor fast zwei Jahren, der für uns alle völlig überraschend kam. Das Gefühl, diese Liebe bekommen zu haben, darüber bin ich sehr dankbar.

Ihre Frau starb im Alter von 44 Jahren an einer Gehirnblutung. Wer hat Ihnen in dieser Zeit am meisten geholfen?

Meine drei Kinder und der engste Familienkreis. Ann-Kathrins Tod hat uns allen die Augen geöffnet: Es kommt auf den Moment an, das Jetzt-Leben. Der Moment, das Gespräch, der Kontakt, dann ist man auch viel glücklicher. Man arbeitet jeden Tag neu an seinem Glück.

Wie verarbeitet man so einen Schicksalsschlag wirklich?

Es gibt keinen Rat, den man Menschen in einer ähnlichen Situation geben kann. Es ist ein unfassbarer Schmerz, körperlich wie seelisch, so etwas habe ich in meinem Leben noch nie erlebt. Wir haben uns erst mal zurückgezogen, sind an Orte gereist, an denen wir immer sehr glücklich als Familie waren, und haben versucht zu verstehen. Und irgendwann kommt der Punkt, an dem man akzeptieren muss: Mami ist jetzt nicht mehr da, sie ist tot - aber sie wacht trotzdem über uns. Dann beginnt man diesen Schmerz umzu - wandeln in dankbare Erinnerung.

Tragische Schicksalsschläge

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Die Familie steht über allem: Bobby Dekeyser mit seiner Frau Ann-Kathrin (sie starb im September 2010) sowie den Kindern Marie, Yannick und Carolin. Immer dabei: Labradorhündin Anouschka.

Sind Sie gläubig?

Nicht christlich gläubig, aber im weiteren Sinne schon. Ich bin ganz sicher, dass es eine höhere Macht gibt, das spüre ich einfach. Gerade jetzt nach dieser Extremerfahrung. Wir sind einfach zu ängstlich, halten uns an einem Rahmen fest, und das Gefühl des Loslassens verunsichert uns. Irgendwas wird da sein: eine unfassbare Liebe, Ruhe, Geborgenheit, Licht, du wirst aufgefangen von jemandem, der auf dich wartet. Ich bin überzeugt davon, dass das so ist. Nach dem Leben geht es erst richtig los.

Sie sind nach New York gezogen - ein Neuanfang?

Man muss das Leben als Geschenk annehmen, das hätte auch meine Frau so gewollt. Momentan bin ich jedenfalls sehr gerne dort, weil die Stadt mir eine tolle Energie gibt. Auf Dauer sehe ich das aber eher nicht, dafür liebe ich die Natur zu sehr.

Wo fühlen Sie sich richtig wohl?

Auf Ibiza, in unserem Familienhaus. Dort herrscht ein ständiges Kommen und Gehen. Ich habe nie etwas, was ich nicht teilen kann. Von meinem Haus in Hamburg habe ich 18 Schlüssel verteilt, nur ich hatte keinen, weil ich sie immer verliere. Für mich ist die Sicherheit immer die Gemeinschaft, in der man sich gegenseitig auffängt.

Was haben Sie nach New York mitgenommen?

Zwei Koffer. In dem einen waren meine Sportklamotten, in dem anderen die normalen. Ich nehme konsequent nur das mit, was ich wirklich anziehe, den Rest verschenke ich. Der Rest ist Dekoration. Man braucht nicht viel, das macht das Leben auch leichter. Ich habe zum Beispiel auch kein Auto, außer meinem Oldtimer, der noch irgendwo steht. Anschaffung, Versicherung, Inspektionen, Winterreifen, Sommerreifen ... Das ist doch Ballast im Leben. Ich versuche, alles einfach zu halten. Na dann - auf zur Verwirklichung des nächsten Traums! Gibt es den schon? Ich möchte einen Film drehen. Und habe in Amerika viele spannende Leute kennengelernt, die auch mitmachen würden. Ich selber spiele auch mit. Ich spiele so gerne, weil es für mich eine Facette des Lebens ist. So ist das Leben: Man versucht den Moment zu erwischen, mit Leichtigkeit zu leben, seine Träume zu verwirklichen - wie ein Blumenstrauß. Mit allen Hindernissen, die dazugehören. Das hilft, den Rest der Schwere zu ertragen.

Hili Ingenhoven

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