Susanne Riesch: Endlich wieder dabei!

Kaum jemand glaubte noch an sie nach ihrer Verletzungspause. Jetzt wagte Susanne Riesch in Finnland die Rückkehr auf die Piste. "Gala" begleitete sie und ihre Schwester Maria

Maria Höfl-Riesch, Susanne Riesch

Silbermedaille! Bis auf die Amerikanerin Mikaela Shiffrin hat Maria Höfl-Riesch hier an der Nordspitze Finnlands, in der Heimat der Rentiere und Schlittenhunde, alle hinter sich gelassen. Und doch möchte man jetzt vor allem einer anderen gratulieren: ihrer drei Jahre jüngeren Schwester Susanne Riesch. Denn die 25-Jährige jagte in Levi nach gut zwei Jahren Auszeit erstmals wieder den Hang hinunter.

Was Susanne Riesch hinter sich hat, hätte die meisten anderen Läuferinnen wohl gleich die Ski in die Ecke werfen lassen: Als sie sich bei einem Trainingslauf im September 2011 mehrfach überschlug und dabei das linke Knie zertrümmerte, schien ihre Karriere beendet. Bis zu dem Moment war sie stets im Aufwind gewesen, fuhr sogar mal schneller als Maria. Als ebenso talentiert gilt sie sowieso. Doch dann sei da nur noch Schmerz gewesen, sagt Susanne in Levi zu "Gala", der schlimmste Schmerz ihres Lebens. Das linke Bein war nicht mehr zu spüren.

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Frau trainiert
Schulterstärkung: Mit diesen Übungen wird Ihr Training besonders effizient.
©Gala

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Susanne Riesch bei ihrem Comeback-Lauf in Levi.

Vier Operationen muss sie über sich ergehen lassen und danach erst wieder richtig gehen lernen - hart für eine, die eigentlich lieber rasen möchte. Die Erlösung kam in dem Moment, den sie selbst als "zu schön, um wahr zu sein" bezeichnet: Im April wird sie im Urlaub auf Zypern im Hotel von einem Fremden angesprochen. Er sehe, sagt er, dass es ihr nicht gut gehe, und wolle helfen. Misstrauisch war sie zunächst, erzählt Susanne, dann aber habe sie sich in die Hände jenes Mannes, des Esslinger Physiotherapeuten Gernot Schweizer, begeben. Er ist kein Unbekannter, trimmte bereits den österreichischen Ski-Star Marcel Hirscher zu Höchstleistungen. Getriezt habe der Gernot sie, sagt Susanne und lächelt dabei. Den als Rikscha umfunktionierten Kinderwagen seiner kleinen Tochter schnallte er ihr beispielsweise um, beschwert mit Gewichten. So lief sie im Vollsprint den Berg hoch, immer wieder. Oder er paddelte im Boot eine Stunde lang neben ihr über den See und feuerte sie beim Schwimmen an, wenn sie rebellierte: "Halte durch, Suse!"

Einen Monat nach ihrem Unfall humpelt Susanne Riesch 2011, sichtlich angeschlagen, zu einer Pressekonferenz des DSV.

Suse hat durchgehalten. Jetzt steht sie, mega-aufgeregt, aber auch voller Vorfreude in Lappland im Starthäuschen. Unten wartet Schwester Maria, die vorher abgefahren ist, ihre Nerven liegen blank: "Hier zu sein und Suse zuzuschauen ist viel schlimmer, als selbst zu fahren. An jedem Tor denke ich, dass ihr hoffentlich nix passiert!" Und so steht Maria im eisigen Wind und zittert nicht allein der Kälte wegen. "Es bedeutet mir sehr viel, dass sie dabei ist", sagte Susanne kurz vor der Abfahrt zu "Gala". Und dass die Große immer schon ihr Maßstab sei. Für ihren Kampfgeist bewundere die Maria sie übrigens.

Susanne Riesch fährt gut, scheitert nur knapp an der Qualifikation für den zweiten Lauf. Ein positives Ergebnis. "Es fühlt sich super an, dass es endlich wieder losgegangen ist", freut sie sich. Ihr großes Ziel ist Olympia in Sotschi. Gemeinsam mit der Maria, natürlich.

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