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Rosa Linn "Man kann die Emotionen und den Schmerz fühlen"

Rosa Linn
Rosa Linn
© Sony Music
Sängerin Rosa Linn hat mit ihrem ESC-Beitrag einen echten Hit gelandet und Armenien mehr als würdig vertreten. Wir sprachen mit ihr über ihre Herkunft und die kulturellen Werte ihrer Heimat.

Der Eurovision Songcontest ist für viele Teilnehmer:innen Fluch und Segen zugleich: Zu oft hängt die Karriere von der meist als unfair und wahllos empfundenen Wertung ab. Für die armenische Sängerin Rosa Linn, 21, war Platz 20 beim Wettbewerb 2022 kein Karriereende – im Gegenteil. Danach entwickelte sich ihr Song "Snap" erst so richtig zum Hit. In den sozialen Medien aber auch in den Charts – in Belgien stand sie sogar auf Platz eins. Dennoch ist die kometenhafte Karriere keine Selbstverständlichkeit, für Künstler:innen aus Armenien ist eine internationale Karriere oft eine besonders große Herausforderung. Doch warum genau? Darüber haben wir mit Rosa Linn gesprochen und sie hat uns gleich ein paar Tipps für den Besuch ihres Heimatlandes gegeben.

Rosa Linn im GALA-Interview

GALA: Inwiefern ist deine Kunst mit deiner Herkunft verbunden?
Rosa Linn: Es ist in meiner Musik vielleicht nicht so offensichtlich, aber in Armenien aufzuwachsen und mit der Kultur umgeben zu sein, hat mein Songwriting und meine Kunst beeinflusst. Ich liebe die Poesie und die Sprache. Auch wenn ich jetzt meist in Englisch schreibe, beeinfluss meine Herkunft meinen lyrischen Stil.

Was waren die Hürden, die du als unabhängige, weibliche Musikerin in Armenien überwinden musstest?
Vor Jahren, als ich grade mit der Musik angefangen habe, hatte ich keine Connections, kein Geld und keine Rücklagen. Die Musikindustrie in Armenien ist anders als in den USA oder in Europa. Es gab zu der Zeit keine Labels oder Produzenten, mit denen ich hätte arbeiten können. Nachdem ich angefangen habe, mit meiner Band zu spielen, wurde es langsam besser und dann wurde ich von der NVAK Foundation entdeckt.

Warum ist armenische Kultur so wenig präsent in der Popkultur?
Ich schätze, weil unsere Kultur sehr regionspezifisch ist und sich sehr vom Mainstream unterscheidet. Die Sprachbarriere ist natürlich auch ein großes Problem. Viele armenische Künstler fokussieren sich auf die lokale Industrie, weil es schwierig ist, international bekannter zu werden, da es einfach zu wenig Ressourcen gibt.

Was für Werte machen armenische Musik so besonders?
Armenische Musik ist so besonders, weil sie das reflektiert, was armenische Menschen in der Geschichte schon erleben mussten. Man kann die Emotionen und den Schmerz fühlen – selbst wenn man die Sprache nicht versteht. Einer meiner liebsten armenischen Komponisten ist Komitas. Sein Einfluss auf die armenische Musik ist kaum in Worte zu fassen. Er hat die armenische Kunst und Kultur wahnsinnig geprägt.

Wenn du unseren User:innen Reisetipps für Armenien geben könntest: Was wären deine Top 4?

  1. Leute wissen das oft nicht - aber das Essen ist unglaublich. Ihr müsst die Weinblätter Tolma mit Masun-Soße probieren. Es ist mein Lieblingsessen.
  2. Wir sind sehr gastfreundlich und herzlich. Ich würde Reisenden immer sagen, dass sie niemals Angst haben sollten, nach dem Weg zu fragen oder mit Einheimischen zu reden. Wir helfen immer gerne.
  3. Wir haben eine so spannende Geschichte mit so vielen Sehenswürdigkeiten. Sewansee zu besuchen ist Pflicht! Genau wie die Klöster im ganzen Land.
  4. Naturliebhaber sollten auf jeden Fall die Region Lori besuchen. Das ist meine Heimat aber hat auch wirklich die schönsten Aussichtspunkte und Möglichkeiten für Outdoor-Aktivitäten.
Gala

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