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Mel C im Gala-Interview "Für mein Alter bin ich ziemlich gut in Form"

Mel C
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Mel C hat sich mit ihrem aktuellen und sehr persönlichen Album noch einmal neu erfunden. In GALA erzählt die Solokünstlerin, wie sie ihre Ängste besiegt hat

Blümchenkleid, schimmernde halblange Haare, offener Blick: Melanie Chisholm alias Mel C sieht beim Interview im Hotel "Landmark" in London blendend aus. Statt wieder bei den Spice Girls einzusteigen und damit an die Erfolge der Neunzigerjahre anzuknüpfen, hat die britische Sängerin mit "Version Of Me" erneut ein Soloalbum aufgenommen – ihr insgesamt siebtes. Persönlich wie nie singt sie über ihre Sehnsüchte und spart auch alte Wunden nicht aus. Hat sich das einstige Spice Girl endgültig von der Vergangenheit emanzipiert?

Ihre ehemaligen Kolleginnen Emma Bunton, Geri Halliwell und Melanie Brown wollen wieder gemeinsam auftreten. Warum haben Sie keine Lust auf eine Wiedervereinigung der Spice Girls?

Es stand ja von vorn herein fest: Victoria Beckham hat mit ihrer Familie und ihrer Karriere als Modedesignerin so viel zu tun, dass sie auf keinen Fall mit von der Partie sein würde. Somit wären wir nur zu viert gewesen. Und alle hätten uns an unserem triumphalen Auftritt bei den Olympischen Spielen in London 2012 gemessen, wo wir vollständig waren. Deshalb konzentriere ich mich lieber auf meine Solokarriere.

Der Titelsong Ihres neuen Albums "Version Of Me" handelt von Mobbing. Wie sind Sie ausgerechnet auf dieses Thema gekommen?

Bei den Spice Girls kam ich immer wieder in Situationen, in denen ich mich nicht gut behandelt fühlte. Es geht mir nicht darum, im Nachhinein jemanden anzuklagen. Ich beschreibe in dem Song lediglich, was das Verhalten der anderen in mir ausgelöst hat.

Wie Ihre Essstörungen zum Beispiel?

Für meine Bulimie gab es sicherlich verschiedene Gründe. Durch die Spice Girls hatte sich mein Leben komplett verändert. Ich war meistens weit weg von zu Hause und habe meine Familie und meine Freunde vermisst. Ich stand dem Medienrummel völlig ungeschützt gegenüber. Dieses ganze Blitzlichtgewitter war eine große Herausforderung. Ich musste erst lernen, mein öffentliches Bild von meinem wahren Ich abzugrenzen.

Klingt nicht so, als hätten Sie damals die beste Zeit Ihres Lebens gehabt…

Ich habe zwar meinen Traum gelebt, aber es hat sich oft nicht so angefühlt…

Würden Sie Ihrer heute siebenjährigen Tochter Scarlett abraten, in die Fußstapfen ihrer Mutter zu treten?

Mel C mixt auf "Version Of Me" (ab 17. 2., RCA/ Sony Music) tanzbaren Pop mit einem guten Schuss Elektro
Mel C mixt auf "Version Of Me" (ab 17. 2., RCA/ Sony Music) tanzbaren Pop mit einem guten Schuss Elektro
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Sie soll ihre eigenen Entscheidungen treffen. Offen gestanden ist Scarlett mehr ein Spice Girl als ich es jemals war. Sie weiß genau, was sie will. Und hat keine Scheu, ihre Meinung zu sagen. Ich war als Kind ganz anders. Ich habe Konflikte gehasst und oft geschwiegen, wenn ich Kontra hätte geben müssen.

Hat sich das jetzt geändert?

Ja. Ich bin jetzt 43 und habe weniger Angst, meine Meinung zu sagen oder Fehler zu machen. Ich versuche, stets ehrlich zu mir selbst zu sein. 

Bedeutet das auch einen entspannten Umgang mit dem Älterwerden?

Lassen Sie es mich so formulieren: Das Alter hat auch seine positiven Seiten. Ich habe heute ein stärkeres Selbstvertrauen und bin entspannter. Gleichwohl hat das Älterwerden natürlich seine Tücken – besonders wenn Sie in der Öffentlichkeit stehen und dauernd fotografiert werden.

Dabei scheinen Sie gut in Form zu sein. Haben Sie eigentlich noch Ihre Flickflacks drauf, mit denen Sie als Sporty Spice Girl Ihre Fans beeindruckten?

Nein. Aber wissen Sie was? 2016 habe ich beim Triathlon in London mein allerbestes Ergebnis vorgelegt. Ich brauche den Sport, um mich lebendig zu fühlen. Ich bin ein ziemlich körperlicher Mensch.

Daran lassen Ihre recht freizügigen Fotos auf Instagram und im britischen "Love Magazine" nicht den geringsten Zweifel…

Ich finde, dass ich für mein Alter gut in Form bin. Deshalb habe ich mich getraut, mal mehr nackte Haut zu zeigen. Ich denke, jeder sieht, dass ich einen sehr athletischen Körper habe und keine Sexbombe bin. Insofern finde ich diese Bilder überhaupt nicht provokativ.

Mit Ihrer Figur würden Sie auf jeden Fall in einem Brautkleid gut aussehen…

Nein, danke. Die Ehe reizt mich nicht unbedingt. Ich bin ein Scheidungskind. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich noch klein war. Das hat mich geprägt. Schon allein der Gedanke, eine Hochzeit planen zu müssen, stresst mich ungemein.

Dagmar Leischow Gala

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