Marie Nasemann über nachhaltigen Konsum: "Ich besaß fünf Kleiderschränke und es war trotzdem nie genug"

Was ist eigentlich Fair Fashion? Wann ist ein Kleidungsstück nachhaltig? Fragen, die sich Marie Nasemann schon vor Jahren stellte und die sie jetzt auf ihrem Blog beantwortet. Warum sie das tut, verrät die ehemalige GNTM-Teilnehmerin im Interview mit GALA.

Marie Nasemann hat viele Berufsbezeichnungen: Sie ist als Model, Schauspielerin und Bloggerin aktiv. Letzteres vor allem im Auftrag der fairen Mode - auf ihrem Blog "Fairknallt" informiert die 30-Jährige über alles, was das Thema Fair Fashion ausmacht. Mit GALA sprach sie über nachhaltigen Konsum und darüber, wie ihr modisches Umdenken ihren Stil beeinflusst hat. 

GALA: Frau Nasemann, was tun Sie, um im Alltag nachhaltiger zu sein?
Marie Nasemann: Aktuell versuche ich mir abzugewöhnen, Coffee-to-go-Becher zu benutzen. Ich probiere, daran zu denken, immer meinen eigenen Becher dabei zu haben oder auf das System von ReCup zurückzugreifen und die Becher dann in anderen Filialen zurückzugeben. Zum anderen versuche ich, innerhalb Deutschlands nicht mehr zu fliegen, sondern mit der Bahn zu fahren. Beruflich ist das manchmal leider schwierig, aber zumindest privat bemühe ich mich, alles mit dem Zug zu machen.

Sternzeichen

Fünf perfekte Tattoo-Ideen für einen Stier

Sternzeichen: Fünf perfekte Tattoo-Ideen für einen Stier
Bei der Wahl des Tattoo-Motivs sollte man auf den Rat der Sterne hören. Denn nicht alle Tattoos sind für das Sternzeichen "Stier" geeignet.
©Gala

Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, die CO2-Emissionen beim Fliegen finanziell auszugleichen?
Ja, wenn ich privat fliege, dann gleiche ich immer über Atmosfair aus. Ich finde, wenn man bereit ist, einen Urlaub auf der anderen Seite der Welt zu machen, dann sollte man auch bereit sein, die 50 Euro noch on top zu legen.

Marie Nasemanns Tipps für Nachhaltigkeitsanfänger

Sind das Ihre Tipps für Nachhaltigkeits-Neulinge oder haben Sie noch andere konkrete Ideen, wie man sich an das Thema heranwagen kann?
Eine simple Sache ist zum Beispiel den Stromanbieter zu wechseln und Öko- Strom zu beziehen. Das ist echt nicht aufwendig und man tut im Prinzip jeden Monat etwas Gutes. Dann kann man sich auch mal die Bank angucken, bei der man Kunde ist. Die GLS Bank oder die Tomorrow Online Bank zum Beispiel legen das Geld nachhaltig an und man kann selbst mitentscheiden, wohin das Geld fließt.
Ansonsten, wenn es geht, weniger Fleisch essen, da die Massentierhaltung einen enormen Einfluss auf die Erderwärmung hat. Generell weniger tierische Produkte essen ist gut, das versuche ich auch seit einiger Zeit. Trotzdem sollte essen natürlich Spaß machen und man sollte sich nicht zu viel verbieten.

Haben Sie sich bei der Ernährungsumstellung mit Ihrem Nährstoffhaushalt beschäftigt und darauf geachtet, dass Sie sich trotzdem noch ausgewogen ernähren?
Dass ich vor 8,5 Jahren aufgehört habe Fleisch zu essen, war für mich eher eine emotionale Sache. Ich habe dann aber gemerkt, dass mein Körper und ich es nicht vermissen. Ich habe immer meine Blutwerte checken lassen und mich frisch und abwechslungsreich ernährt. Leider habe ich trotzdem einen starken Eisenmangel und esse nun auf Anraten diverser Ärzte einmal in der Woche Fleisch. Allerdings kommt mir nur Bio und Freiland-Fleisch auf den Teller. Das ist für mich jetzt Mittel zum Zweck. Geschmacklich habe ich die letzten Jahre wirklich nichts verpasst ...

Kann man über diese Erfahrungen auch auf Ihrem Blog lesen?
Es gibt die Rubrik Lifestyle, da hab ich auch schon einmal mit Fairtrade Deutschland zusammengearbeitet und deren Asia-Produktlinie vorgestellt. Aber es ist eher so ein Side-Thema. Ich bin selbst nicht so der Riesen-Foodie, unter anderem auch, weil ich so viel unterwegs bin und oft das esse, was es an deutschen Bahnhöfen gibt. Wenn ich aber mal Zeit zu Hause habe, genieße ich es, einzukaufen und zu kochen.

View this post on Instagram

Ich freue mich wirklich riesig über die deutschen Europawahlergebnisse. In erster Linie darüber, dass wir nach wie vor für Europa, Demokratie und Zusammenhalt sind. Außerdem über den deutlichen Wahlbeteiligungsanstieg, und das nicht nur in Deutschland, sondern in ganz Europa! Außerdem hat mir diese Wahl gezeigt, dass es sich lohnt, sich für Themen einzusetzen und auf die Straße zu gehen. Trends sind wichtig! Trends entwickeln den Mainstream! Oft werde ich gefragt, ob dieser Öko Hype jetzt nicht einfach nur ein Trend ist. Mag sein, aber er bewegt dann eben doch etwas. Klar ist aber auch, dass die Wahl nicht das Ende, sondern der Anfang sein muss. Eine große Aufgabe wird es sein, den lauter werdenden Konflikt zwischen alten Generationen, die überwiegend konservativ wählten und der jungen, klimapolitisch orientierten Wählerschaft zu moderieren und gleichzeitig endlich effektive Umwelt- und Klimapolitik umzusetzen. Ich hoffe, dass allen Parteien, die schlecht abgeschnitten haben, spätestens gestern dieses Lichtlein aufgegangen ist. Und ich bin wirklich gespannt, ob sich politisch etwas verändern wird! Denn so eindeutig die WählerInnen in Deutschland Veränderung möchten, so konservativ setzt sich das Parlament insgesamt weiterhin zusammen. Wir sollten so oder so darauf pochen, dass sich auch die Parteien, die sich kurz vor knapp noch das Thema Klimaschutz auf die Wahlplakate geschrieben haben, diese Versprechen auch wirklich einhalten. Jetzt heißt es handeln! Foto @lenaelfrath #werbung #notpaid #PariserKlimaAbkommen #Ziel2030 #COP21 #2605 #europawahl2019 #europeanelections #climateaction

A post shared by Marie Nasemann (@marienasemann) on

Sie versuchen, so nachhaltig wie möglich zu leben. In welchem Punkt schaffen Sie das noch nicht? 
Vor allem auf Flüge zu verzichten, weil ich für den Job dann doch auch mal ins Ausland muss und ich natürlich auch gerne reise und verschiedene Länder auf der Welt sehen will. Und jetzt nur noch Urlaub in Deutschland machen ... Das fällt mir doch etwas schwer. Auch auf ein Auto kann ich nicht gut verzichten, weil ich für meinen Blog sehr viele Sachen transportiere und sehr viele große Pakete bekomme und die dann auch zurückschicken muss.

Nutzen Sie CarSharing oder besitzen Sie ein eigenes Auto?
Aktuell CarSharing. Ich hatte ein eigenes Auto, einen Benziner, der jetzt kaputt gegangen ist. Das nächste Auto, das ich besitzen werde, wird auf jeden Fall ein Hybrid oder ein Elektroauto sein. Da höre ich mich gerade um und setze mich mit vielen Automarken auseinander.

Da sprechen Sie einen wichtigen Punkt an: Um nachhaltig zu leben, muss man sich mit dem Thema intensiv beschäftigen und sich durch eine Masse an Informationen kämpfen. Was treibt Sie an, das immer wieder zu tun?
Das war die Grundidee meines Blogs. Wir probieren, die vielen Informationen, die es gibt, zu bündeln und stellen nur Marken vor, hinter denen wir zu 100 Prozent stehen können. Das heißt, wir nehmen der Leserschaft den ganzen Rechercheprozess ab. Diese Leserschaft motiviert mich, immer wieder erneut in die Recherche zu gehen. Es braucht einfach mehr Transparenz!

Rana Plaza regte Marie zum Umdenken an

Seit wann sind Sie an dem Thema so interessiert?
So richtig seit 2014. Damals stürzte die Textilfabrik Rana Plaza in Bangladesch ein und über 1000 Menschen kamen ums Leben. Ich war davor ein richtiger Shopaholic und süchtig danach, jeden neuen Trend mitzumachen. Ich besaß fünf Kleiderschränke und es war trotzdem nie genug.

War das also ein Schlüsselmoment, der Sie zum Umdenken angeregt hat?
Ja, auf jeden Fall. Mein komplettes Konsumverhalten hat sich seit 2014 geändert. Zuerst ging es mit der Mode los, aber inzwischen greift es über auf alle Bereiche. Ich verstehe Minimalisten, auch wenn ich davon noch ziemlich weit entfernt bin.

Viele Ihrer Kollegen leben das Gegenteil von dem vor, was Sie auf Ihrem Blog tun, und zeigen, dass es normal ist, für jeden Post sein Outfit zu wechseln. Kommen Sie in den Konflikt mit anderen Bloggern?
Jeder sollte selbst entscheiden, welchen Lebensstil er vorleben möchte. Ich verurteile niemanden, der es anders macht als ich. Manchmal komme ich mit meinem Blog natürlich auch in die Kritik. Regt er nicht auch einen starken Konsum an? Klar, er regt dazu an nachhaltige und faire Labels zu kaufen. Aber ich sehe mich als eine Art Redaktion und weise darauf hin, dass die Teile, die ich zeige, meist geliehen sind. Das heißt, mein eigener Kleiderschrank sieht ganz anders aus als das, was man eben auf dem Blog sieht. Reduzierter, viele alte Teile und ich lebe den Thirtywares-Hashtag.

Ab 30 Mal Tragen ist ein Kleidungsstück nachhaltig

Was verbirgt sich hinter diesem Hashtag?
Livia Giuggioli, die Frau von Colin Firth, hat die Agentur Eco-Age gegründet und berät damit Unternehmen, wie sie nachhaltiger agieren können. Und sie hat gesagt, dass ein Kleidungsstück im Prinzip erst dann nachhaltig ist, wenn wir es mindestens 30 Mal tragen. Man wird es nicht glauben, aber die meisten Kleidungsstücke werden nicht annähernd so oft getragen.

Vermutlich erreicht man das nur mit der Lieblingshose oder einem klassischen Blazer, der immer passt.
Genau! Daher sollte unsere Garderobe eigentlich nur aus diesen Lieblingsteilen bestehen. Ich kaufe mir also ein ausgefallenes, bodenlanges Kleid von Filippa K, habe aber den Anspruch es mindestens 30 Mal anzuziehen. Das heißt, ich probiere das in den unterschiedlichsten Varianten zu tragen. Vielleicht mal mit Sneakern und Pulli drüber oder eben zu vielen Anlässen, nicht nur zu einer Hochzeit.

Ist Ihr Kleiderschrank in dem Zuge minimalistischer geworden?
Ja, auf jeden Fall. Ich probiere, nur noch Lieblingsteile zu tragen und wenn ich merke, dass ich mich in einem Kleidungsstück nicht mehr wohl fühle, dann wird das sofort wieder in den Kreislauf gebracht, spricht weiterverkauft. Besser kommt es gar nicht erst zu so einem Teil im Schrank, das heißt ich probiere unbedingt Fehlkäufe zu vermeiden, indem ich zum Beispiel eine oder am besten mehrere Nächte über die Kaufentscheidung schlafe. Seine Lieblingsstücke im Kleiderschrank sollte man auch nicht für besondere Anlässe aufbewahren. Ich finde Kleider sind Gebrauchsgegenstände und man sollte eigentlich jeden Tag sein absolutes Lieblingsoutfit tragen.

Marie Nasemann kombiniert Fair Fashion mit Vintage

Hat sich Ihr Stil dadurch verändert? 
Ja, mein Stil ist schon ein wenig klassischer geworden, aber ich kombiniere gerne mit Vintageteilen. Bei Secondhand- und Vintage-Kleidung findet man sehr oft außergewöhnliche Sachen, die wirklich so besonders sind, dass das niemand anderes auf der Straße trägt. Diese Kombination aus Vintage und Fair Fashion finde ich ziemlich gut und deckt alles ab, was ich brauche, um meinen Stil voll auszuleben.

Wie viele Leute stecken hinter Ihrem Blog?
Nur mein Mitarbeiter Norian Schneider und ich. Er ist Nachhaltigkeitswissenschaftler und unterstützt mich bei der Recherche, den Backgroundinfos etc.

Öko-Glamour

Nachhaltigkeit mit Star-Appeal

Im März 2019 schmeißt H&M seine bisher größte Conscious-Party in Los Angeles. Viele Stars feiern mit dem Modeunternehmen die neue Kollektion. Supermodel Irina Shayk ist direkt in eines der Kleider geschlüpft und zeigt, wie schön recyceltes Polyester sein kann.
Dakota Fanning ist der Einladung ebenfalls gefolgt und bezaubert in einem Kleid aus Tencel, einer Faser, die aus Holz gewonnen wird.
Dieses wundervolle Kleid von Amber Valetta stammt ebenfalls aus der Kollektion und ist - ganz genau - nachhaltig. 
Amanda Seyfried zeigt währenddessen, wie elegant Nachhaltigkeit sein kann. Ihr Kleid von H&M Conscious wurde aus Fischernetzen und anderen Nylonabfällen maßgeschneidert.

16

Und Ihr Verlobter? Ist der auch mit beteiligt?
Nein, der macht etwas ganz anderes. Aber ich habe tatsächlich schon überlegt, ihn als Model einzuspannen, weil ich gerne eine Männerkategorie eröffnen würde. Er ist sehr modeinteressiert und lässt sich viel per Hand schneidern. Das finde ich auch ein sehr spannendes Thema, denn ich glaube Männer haben nochmal ein ganz anderes Verhältnis zu Mode. Sie besitzen meistens insgesamt weniger, aber achten mehr auf Materialien und Qualität.

Gibt es denn für Männer schon eine Blog für nachhaltige Mode für Männer? 
Ja, es gibt zum Bespiel den Viertelvor Magazin. Das ist der Blog eines Pärchens, die auch Tipps für Männer geben. Und dann gibt es da noch den Youtube-Kanal Rethinknation. Generell kann man aber sagen, dass der Fair Fashion Markt für Männerbekleidung noch ziemlich am Anfang steht. Das heißt aktuell gibt es vor allem Basics für Männer. Bei einem eleganten Abendanzug wird es schwieriger. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden.

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche