Gefährliche Partnerschaft: Toxische Beziehung – was tun, wenn Liebe krank macht?

Eine toxische Beziehung ist nicht nur schlecht und ungesund. Die Wahrheit ist: Toxische Beziehungen können einem das Leben zur Hölle machen. Daraus zu flüchten, ist alles andere als leicht. Nur einigen gelingt der Absprung unversehrt. Woran Sie erkennen, ob Sie in einer toxischen Beziehung gefangen sind und wie Sie es schaffen, sich daraus zu lösen.

Wenn die Liebe viel mehr wehtut als guttut, ist das ein Zeichen für eine toxische Beziehung

Toxische Beziehungen sind tückisch. Das Traurige ist, dass Menschen, die sich in einer toxischen Beziehung befinden, meistens um ihr Schicksal wissen und doch nichts daran ändern können. Warum das so ist und mit welchen Tipps es möglich ist, sich aus dieser emotionalen Gefangenschaft zu befreien, erfahren Sie bei GALA.

Was sind toxische Beziehungen?

Eine toxische Beziehung beschreibt Partnerschaften, die uns Kraft kosten und Energie rauben. In denen wir uns ständig streiten. Ein Verhältnis, in dem wir überwiegend traurig und unzufrieden sind. Kurzum: Toxische Beziehungen sind Verbindungen zu Menschen, die uns, anstatt uns glücklich zu machen, unglücklich machen. Das heißt, nicht die Beziehung per se ist vergiftet, vielmehr sind es die Verhaltensweisen des Partners, die vergiftend auf eine Beziehung wirken können.

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Wichtig bei einer Trennung: Wenn man Schluss macht - dann konsequent.
©Gala

Und was ist eine toxische Person?

Ob man es mit einem toxischen Menschen zu tun hat, merkt man relativ schnell. Denn ein toxischer Mensch hinterlässt immer ein ungutes Gefühl in uns, ohne dass wir genau beschreiben können, was der Auslöser dafür war. Wir fühlen einfach instinktiv, dass uns der Kontakt nicht gut getan hat. 

Was ist toxisches Verhalten?

Zu den toxischen Verhaltensweisen gehören:

  • Eskalation von Gesprächen
  • Verbohrtheit, Unbelehrbarkeit, Uneinsichtigkeit
  • Grenzüberschreitungen und Anmaßungen
  • Zuweisungen von Schuldgefühlen
  • Das Verbreiten von Lügen
  • Das Ausüben von emotionalem Druck
  • Manipulation
  • Eifersucht und Missgunst
  • Rücksichtslosigkeit

Toxisches Verhalten ist grundlegend falsch. Und trotzdem lassen es die meisten Betroffenen über sich ergehen. Weil sie es nicht schaffen, sich von toxischen Menschen zu lösen. Ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sie mitten in einer giftigen Beziehung stecken.

Stecken Sie in einer toxischen Beziehung, ohne es zu wissen?

Wie erkennt man toxische Beziehungen?

In toxischen Beziehungen fühlt man sich nämlich schlecht, aber schafft es dennoch nicht, sich von ihnen freizumachen, auszubrechen. Droht der Gegenüber mit Trennung, wird man sogar panisch, aus Angst davor, plötzlich alleine zu sein. Denn ohne es zu merken, ist man in eine emotionale Abhängigkeit gerutscht. Ein erstes Anzeichen einer toxischen Beziehung. Doch es gibt noch zahlreiche weitere Indizien, die im Folgenden näher beleuchtet werden.

Bei diesen Alarmsignalen sollten Sie hellhörig werden:

  1. Abhängigkeit
  2. Wesensveränderung
  3. Verfrühte Liebesbekundungen
  4. Egoismus
  5. Kontrollsucht
  6. Abwertung, Kränkungen, Erniedrigungen, Beleidigungen

1 Abhängigkeit

In einer toxischen Beziehung passiert vieles nicht mehr aus freien Stücken. Wir sind nicht mehr wir selbst, sind immer darauf bedacht, es unserem Partner recht zu machen, ihn zu beschwichtigen. Wir lassen viel mehr durchgehen, als wir sollten. Wir ertragen Beleidigungen, Blicke, Vorwürfe, Vertrauensbrüche, Lügen und vieles mehr. Wir tolerieren Aggressionen. Wir lassen uns Schuldzuweisungen machen. Wir möchten endlich mal wieder einen Abend mit unseren Freunden ausgehen oder unserem Hobby nachkommen, aber der Partner wirft uns vor, nicht genug Zeit mit ihm zu verbringen. Und anstatt unseren Bedürfnissen nachzugehen, stecken wir zurück und lassen unsere Verabredung sausen. Obwohl uns dieses Verlangen nach mehr Zeit zu zweit enorm unter Druck setzt.

2 Wesensveränderung

Auch Wesensveränderungen deuten auf eine toxische Beziehung hin. Waren wir zu Beginn der Partnerschaft noch fröhlich, extrovertiert und ausgeglichen, werden wir mit der Zeit immer verschlossener, traurig, angespannt. In einer toxischen Beziehung kann man nichts richtig machen. Die andere Person macht uns klein und abhängig. Unser Selbstwertgefühl ist am Boden. Wie ein Trauerkloß stampfen wir durch's Leben.

3 Verfrühte Liebesbekundungen

Die ewige Liebe und die drei magischen Worte – wer wünscht sich das nicht von einer Beziehung? Ja bitte, aber nicht schon nach drei Wochen. Wie glaubwürdig kann ein Mensch sein, der bereits nach kurzer Zeit zu wissen scheint, dass es die große Liebe ist? Dass eine Seelenverwandtschaft vorliegt? Und man nie mehr ohne den anderen sein kann? Verknallt sein ist ein wunderbares Gefühl, Schmetterlinge im Bauch sind völlig normal in der Veliebtheitsphase. Aber große Liebesschwüre sind übertrieben, nicht authentisch und vor allem nicht ehrlich. Diese idealisierte Vorstellung existiert nämlich nur im Kopf des toxischen Partners.

4 Egoismus

Die Redehoheit liegt ständig bei unserem Partner. Seine Meinung, seine Prinzipien, seine Regeln sind das was zählt. Wenn wir es schaffen, uns einen Moment Redefreiheit zu erobern, wird der toxische Partner diesen Versuch sofort wieder im Keim ersticken. Er wird einen Weg finden, sich die Aufmerksamkeit, die er für einen Bruchteil einer Sekunde verloren hat, zurückzuerobern. Das Gespräch wird sofort wieder einseitig, unsere Gefühle und unsere Meinung spielen keine Rolle. 

5 Kontrolle

Der toxische Partner ist ein guter Zuhörer. Doch Vorsicht, dieser Eindruck trügt. In erster Linie will er nämlich nur eins: alles von uns wissen, damit er uns kontrollieren kann. Er erfragt unsere Bedürfnisse und stillt diese. Er vermittelt uns das Gefühl "Ich bin der Richtige“. Wir sollen uns komplettiert fühlen. Und genau dann, wenn wir das tun, fährt der toxische Partner andere Seiten auf. Und macht uns das Leben zur Hölle. Er wird uns für uns allein haben wollen, kapselt uns von unseren Freunden und Familien ab. Vor allem, wenn die merken, dass etwas mit uns nicht stimmt.

6 Emotionaler Stress (Abwertung, Kränkungen, Erniedrigungen, Beleidigungen)

Toxische Menschen werden ihren Partner emotional fertig machen, ihn stressen. Ihn mit ihren Problemen nachts allein lassen, ihm den Schlaf rauben. Ein toxischer Mensch wird seinen Partner verletzen, seinen Frust an ihm auslassen, Missverständnisse nicht aufklären, keine Zugeständnisse machen, ihn klein und lächerlich machen, seine Kompetenzen infrage stellen, ihn vernichten. Seien Sie sich einer Sache bewusst: Was auch immer Sie tun, Sie können garantiert nichts richtig machen.

Warum um alles in der Welt rutschen Menschen in eine toxische Beziehung, ohne es zu merken?

Wie entstehen toxische Beziehungen?

Es klingt paradox, aber: toxische Beziehungen fangen wunderbar an. Too good to be true ("zu schön, um wahr zu sein“) – kein anderes Sprichwort trifft so gut auf den Beginn einer toxischen Beziehung zu. Es findet eine intensive Verschmelzung zu einem "Wir" statt, wir erleben das Gefühl, angekommen zu sein. Und obwohl alles so wunderbar angefangen hat, erleben wir schon bald ein Martyrium . Der Partner wird anfangen, an uns rumzunörgeln, uns ständig zu kritisieren, uns Vorwürfe zu machen oder böse zu schweigen. Und es wird nicht lange dauern und schon stellt er die einst so perfekte Beziehung infrage.

Ein toxischer Partner wird distanzierter, nahezu unerreichbar. Jede Sicherheit und Verbindlichkeit verschwindet. Der gesunde Partner gerät dadurch in einen Strudel aus Verzweiflung, nervlichem Stress und emotionaler Not. Der toxische Partner wird diese Unsicherheit ausnutzen und jetzt erst recht mit Gemeinheiten loslegen. Er wird sein Gegenüber niedermachen, um ihn später wieder aufzubauen und an sich zu binden. Und dabei wird er seinem Partner lückenlos klarmachen, dass er Schuld an dem ganzen Chaos ist, dass er froh sein kann, sich noch nicht getrennt zu haben, dankbar, dass er immer noch bei ihm ist und ihn erträgt. Und der gesunde Mensch wird denken, es muss alles an ihm liegen. Dass er der Anstrengende in dieser Beziehung ist, kompliziert, wertlos. Dass er längst Opfer eines krankhaften, manipulativen Verhaltens geworden ist, merkt ein gesunder Mensch in einer toxischen Beziehung nicht.

Warum verhalten sich Menschen toxisch?

Es kostet wahnsinnig viel Energie, in einer toxischen Beziehung zu sein

Toxische Menschen sind ein einziges Chaos. Sie hassen sich selbst, doch anstatt sich damit auseinanderzusetzen, übertragen sie diese schlechten Gefühle auf ihren Partner. Der Partner fungiert als eine Art Projektionsfläche. Er überträgt seine Befindlichkeiten, so dass der Partner sich erniedrigt, schuldig, wertlos, verzweifelt fühlt. Der toxische Partner tut das, um alles loszuwerden, was er selbst hasst und sich das zu holen, was ihm fehlt: Kraft, Lebensenergie und Aufmerksamkeit. Er weiß, je mehr er seinen Gegenüber verletzt, desto mehr bekommt er zurück. Toxische Menschen fühlen sich selbst kaum und übertragen ihren unbewältigten Schmerzen auf andere. Alles, was sie nicht selbst fühlen können, lassen sie ihren Partner spüren. Dadurch kann ein toxischer Mensch überleben: er entsorgt alle verdrängten Inhalte und Emotionen.

Toxische Beziehung, was tun?

Gesunde Menschen können schlichtweg nicht für möglich halten, dass ihnen so etwas angetan wird, dass Menschen zu solchen emotionalen Misshandlungen überhaupt fähig sind. Dass der Mensch, der sie eigentlich lieben sollte, zu solchen grausamen Taten imstande ist. Überflüssig zu erwähnen, dass jegliche Erklärungsversuche seitens des gesunden Partners unnötig sind.  Der toxische Partner wird die Worte verdrehen, mit den Augen rollen, klar machen, dass kein Gesprächsbedarf besteht. Es geht einem toxischen Partner nie darum, einen Konflikt zu lösen. Diese Ungerechtigkeiten, Verknotungen und Verdrehungen kann ein gesunder Mensch nicht bereinigen, er versucht es aber trotzdem immer wieder. Wie kann der Kreis aber durchbrochen werden?

Aufwachen und hinterfragen

Wachen Sie auf! Gehen Sie in sich. Anstatt Ihre negativen Gefühle und Ängste loswerden zu wollen, nehmen Sie sie an, werden Sie eins mit ihnen, stellen Sie sich ihnen. Überprüfen Sie Ihre Wunschvorstellungen einer Beziehung. Eine Auflistung aller guten und schlechten Aspekte erweist sich dabei als hilfreich. Formulieren Sie Ihre Erwartungen an den Partner. Erkennen Sie einen Widerspruch zwischen Ihren Wünschen und dem Ist-Zustand, dann stellen Sie sich die Frage, ob Sie das wirklich noch akzeptieren wollen.

Spielen Sie die letzten zwei Monate gedanklich durch. Was war gut, war war schlecht? Stehen die guten und die schlechten Phasen in einem ausgewogenen Verhältnis? Hier gilt die 80:20 Regel. Ist der Großteil der Zeit von Kummer, Stress und Schmerz geplagt, gibt einem die Beziehung nichts (Gutes) mehr. Haben Sie sich schon einmal die Fragen gestellt: "Tut mir dieser Mensch gut?“, "Bringt er das Beste in mir hervor?“ "Gibt es mehr Kritik als Mitgefühl in meiner Beziehung“?  Beantworten Sie sich diese Fragen ehrlich. Am wichtigsten ist es nämlich, überhaupt zu erkennen, dass Sie leiden.

Stark bleiben

Eine toxische Beziehung macht blind. Ziehen Sie ihre Familie und ihre Freunde zu Rate und lassen Sie sich von ihnen die Augen öffnen. Und ganz wichtig: bleiben Sie stark. Haben Sie erkannt, dass eine Trennung der einzige Weg ist, halten Sie daran fest und knicken Sie nicht ein, wenn der toxische Partner Sie zum Bleiben überreden möchte – es wird sich nichts ändern! Ziehen Sie einen Schlussstrich, mit allem, was dazu gehört. Es droht immer die Gefahr eines Rückfalls. Ihr Ex-Partner möchte eine Freundschaft? Auf gar keinen Fall. Eine Freundschaft schadet nur. Brechen Sie den Kontakt ab. Und nicht zuletzt, trauern Sie. Solange Sie müssen. Vergessen Sie nur nicht, am Ende ihrer Trauer wieder nach vorn zu schauen. Eine Psychotherapie kann Ihnen dabei helfen, all die negativen Ereignisse aufzuarbeiten und das Selbstwertgefühl zu stärken.

Verwendete Quellen: psycholodaytoday.com, stern.de, focus.de

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