Unicef feiert 30 Jahre Kinderrechte: "Nie zuvor benötigten so viele Kinder Hilfe"

In unserem Projekt "GALA - We Are Family" beleuchten wir das Familienleben mit all seinen Höhen und Tiefen. Heute berichtet Michaela Eugen-Albrecht, Vorsitzende von Unicef in Hamburg, über 30 Jahre Kinderrechte und was es dringend anzupacken gilt.

Unicef feiert 30 Jahre Kinderrechte

„Nie zuvor benötigten so viele Kinder humanitäre Hilfe”, erklärt Unicef-Exekutivdirektorin Henrietta Fore in einem offiziellen Statement. Jedes vierte Kind weltweit wachse derzeit in einem Land auf, das von Konflikten oder Naturkatastrophen betroffen ist. "Mehr Kinder weltweit als je zuvor mussten ihr Zuhause verlassen. Sie brauchen dringend Schutz und Hilfe. Konflikte sind neben Hunger, Infektionskrankheiten sowie extremen Wetterphänomenen in Folge des Klimawandels die Hauptursache dafür, dass Millionen Menschen Hilfe suchen.”

Wir sprachen mit Michaela Eugen-Albrecht, Leiterin Unicef Hamburg, über die aktuelle Situation von Kindern in aller Welt.

Eine Studie enthüllt

Aus diesen Gründen betrügen Frauen ihren Partner

Eine Studie enthüllt: Aus diesen Gründen betrügen Frauen ihren Partner
Eine Umfrage der Seitensprung-Plattform "Ashley Madison" offenbart jetzt die Motive und Gründe, warum Frauen ihre Partner betrügen.
©Gala

Frau Eugen-Albrecht, Unicef Deutschland fordert, die Kinderrechte im Grundgesetz zu verankern. Wie erfolgreich waren und sind diese Bemühungen?

Sie sind noch nicht drin, also nicht sonderlich erfolgreich. Dieses wichtige, hochpolitische Thema wird zugunsten anderer Themen vor Wahlen in eine Schublade gesteckt und gerät in Vergessenheit. Aber das politische Klima derzeit ist gut, man beschäftigt sich mit Kindern, ihrer Umwelt, ihren Rechten und der Bildung. Wir sind hoffnungsvoll, dass es jetzt vorwärts geht.

Die Kinderrechte sagen sehr konkret, was Kinder brauchen. Von ihrer Geburt bis zu dem Moment, an dem man sie ins Leben entlässt. Gesund aufzuwachsen, alle Mittel für die persönliche Entwicklung zu bekommen, Schutz vor Misshandlung, Teilhabe an der Gesellschaft - das alles gehört dazu. Und da muss Deutschland noch eine Menge nachholen.

Sind Rentner denn, ganz salopp gefragt, relevanter als Kinder?

Der demographische Wandel ist sicherlich ein großes Problem, so dass Themen wie Rente und Pflege immer wichtig sein werden. Kaum jemand spricht jedoch über Kinderarmut, da ist der Prozentsatz im zweistelligen Bereich und damit sogar noch höher als die Altersarmut. Selbst in einer reichen Stadt wie Hamburg gibt es Stadtteile, in denen die Kinderarmut bei 27 Prozent liegt.

Hierzulande verhungert ein Kind nicht einfach so, aber viele Kinder bekommen keine warme Mahlzeit, haben keinen einfachen und gerechten Zugang zu Bildung, tragen mehrere Tage die gleiche Kleidung und werden von echter Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen.

Wie vermitteln Sie Kindern diese wichtigen Anliegen, die sie selbst betreffen?

Beim Kinderfest in Planten un Blomen beispielsweise haben wir ein Quiz veranstaltet. Dort wurden Kinder gefragt, was sie schätzen, wie viele Kinder weltweit von Krieg und Flucht betroffen sind - 20, 2000 oder 200 Millionen. Die Kinder bekommen dann ganz große Augen, wenn sie die Antwort hören, und fragen ihre Eltern, wie das sein kann. Dieses Bewusstsein, dass es uns relativ gut geht, aber ganz viele Menschen auf der Welt schrecklich leiden, das kann man auch schon einem kleinen Kind beibringen.

Regenbogenfamilie mit Pflegekind

"Wir wurden gefragt, zu wem Lukas Mama sagen wird"

Bjoern, Lukas und Christian sind eine glückliche Regenbogenfamilie.

Welche Länder sind die Sorgenkinder, wenn es um Kinderrechte geht?

Der Jemen ist ein erschütterndes Beispiel. Für unsere Helfer vor Ort oder mich persönlich ist das kaum zu ertragen. Kinder versterben, weil keine Medikamente und Hilfsgüter zu den Ärzten gelangen, die sie nach aller Kraft versuchen zu retten. Das ist eine besondere Dimension, die extrem belastet.

Hunger und Mangelernährung sind natürlich gerade in afrikanischen Ländern ein anhaltendes, großes Problem. Auch Gewalt gegen Kinder kommt nun leider vermehrt dazu. Kindersoldaten, sexueller Missbrauch, Menschenhandel und Kinderarbeit sind vielerorts verbreitet, besonders in politisch instabilen Regionen.

Wir haben mit Syrien, dem Jemen, Südsudan oder der Ostukraine, um nur einige Beispiele zu nennen, derzeit so viele Krisengebiete wie seit dem Zweiten Weltkrieg nicht mehr. Das darf nicht in den Hintergrund rücken, da müssen wir handeln. Alle.

Was macht eine gute Kindheit aus?

Frei zu sein und gesund, Kind sein zu dürfen, spielen zu können, gute medizinische Versorgung und eine gute Infrastruktur, Bildung zu erhalten, körperlich und seelisch unversehrt zu sein, Teilhabe und Respekt. Das Wort eines Kindes muss ebenso viel wert sein wie das eines Erwachsenen.

Kinder sind immer zuerst und am schlimmsten von Missständen betroffen. Sie sind sehr viel stärker, als wir denken, aber sie verdienen aus Prinzip unseren besonderen Schutz. Wenn die Politik die Rahmenbedingungen schafft, zum Beispiel durch eine Aufnahme der Kinderrechte ins Grundgesetz, und die Gesellschaft sich einfach nur an geltendes Recht halten muss, dann sind wir einen großen Schritt weiter.

Themen

Erfahren Sie mehr:

Star-News der Woche