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Symbiotische Beziehung Wenn aus dem "Ich" ein toxisches "Wir" wird

Symbiotische Beziehung: Mann gibt einer Frau einen liebevollen Kuss auf die Stirn
© ViDI Studio / Shutterstock
Die symbiotische Beziehung zweier Menschen scheint auf den ersten Blick romantisch. Der zweite Blick jedoch verrät: Sie kann auch gefährlich werden.

Tiefe Verbundenheit, vertraute Berührungen, Sätze, die von der anderen Person vollendet werden. An dieser Metapher bedienen sich Cineasten nur zu gerne, wenn sie das perfekte Liebespaar auf der Leinwand darstellen möchten. Wo Laien sich an die Stelle der Hauptfiguren wünschen, klingeln bei Psycholog:innen die Alarmglocken.

Definition: Was ist eine symbiotische Beziehung?

Eine symbiotische Beziehung beschreibt ein krankhaftes Abhängigkeitsverhältnis zweier Personen. In den meisten Fällen betrifft es Liebende, doch auch zwischen Elternteil und Kind kann eine symbiotische Beziehung bestehen. Menschen in einer symbiotischen Beziehung können nicht mehr ohneeinander existieren, sie verschmelzen zu einer Person. Das Gefährliche: Die Aufgabe der eigenen Identität und Bedürfnisse.

Woraus entwickelt sich eine symbiotische Beziehung?

Eine symbiotische Beziehung entwickelt sich überwiegend aus der anfänglichen Liebeseuphorie. Wir sehen den Partner oder die Partnerin durch die bekannte rosarote Brille, saugen ihn in uns auf und möchten alles über ihn oder sie erfahren. Nächtelange Gespräche, intensive Blicke und der Wunsch, diese besondere Person rund um die Uhr um uns haben zu wollen, löst noch nicht zwangsläufig eine symbiotische Beziehung aus. Das anfängliche Hochgefühl sollten Sie sogar in vollen Zügen genießen, denn es lässt in den meisten Fällen nach einigen Wochen oder Monaten nach.

Doch nicht so bei Paaren in einer symbiotischen Beziehung. Sie finden aus dem Freudentaumel nicht heraus und klammern sich weiterhin aneinander. Solange, bis ein gefährliches Abhängigkeitsverhältnis entsteht.

Woran erkennt man eine symbiotische Beziehung?

Eine symbiotische Beziehung zeigt sich auf unterschiedliche Weise. Kommen Ihnen folgende fünf Anzeichen bekannt vor? Dann sollten Sie Ihre Beziehung etwas genauer beobachten:

  1. Sie verbringen lieber Zeit mit Ihrem/r Partner:in, statt sich mit Freund:innen zu verabreden.
  2. Ihre Freizeit verbringen Sie ausschließlich mit ihrem/r Partner:in.
  3. Ihre geliebten Hobbys haben Sie aufgegeben, als Sie sich kennenlernten.
  4. Diskrepanzen treten selten auf, denn Sie sind immer einer Meinung.
  5. Sie stellen Ihre eigenen Bedürfnisse unter die Ihres Partners oder Ihrer Partnerin.

Wann wird eine symbiotische Beziehung gefährlich?

Prinzipiell gehen Liebespaare automatisch eine Art Symbiose ein. Von einer toxischen symbiotischen Beziehung unterscheidet sie sich aber dahingehend, dass Sie ihre Identität und Eigenständigkeit nicht aufgeben.

Menschen in einer symbiotischen Beziehung geben das eigene Ich für die andere Person auf. Träume, Ziele und Visionen verlieren an Priorität oder werden ad acta gelegt. Aus dem Ich wird ein Wir, das über dem einstigen Ich steht. 

Das Gefährliche an der Identitätsaufgabe ist, dass sich Menschen nach einer Trennung plötzlich ohne Selbstwert, eigene Ziele und nahem sozialen Umfeld wiederfinden.

Haben Sie das Gefühl, dass Ihre Beziehung eine symbiotische Dynamik annimmt? Folgende Fragen können Ihnen helfen, die Situation besser einschätzen zu können:

  • Wie sehr schränke ich mich für meine Beziehung ein?
  • Werden meine Bedürfnisse erfüllt?
  • Drängt ihr/e Partner:in Sie häufig von Ihren Plänen ab, um Zeit mit Ihnen zu verbringen?
  • Fühlen Sie sich in Ihrer Entwicklung und Entfaltung gehindert?

Wie kann man sich aus einer symbiotischen Beziehung lösen?

Wer erste Anzeichen einer symbiotischen Beziehung bemerkt, sollte nicht in Panik verfallen. Sie sind wahrscheinlich nicht Hals über Kopf in ein toxisches Abhängigkeitsverhältnis verstrickt. Doch es kann sinnvoll sein, auch schon gegen die kleinsten Anzeichen Maßnahmen zu ergreifen.

  • Bedürfnisse kommunizieren: Überlegen Sie im ersten Schritt, ob Sie Ihre Bedürfnisse und Pläne ihrem/r Partner:in gegenüber kommunizieren. Ist er/sie darüber informiert, dass Sie Ihren Tag für sich geplant haben oder geben Sie seinen/ihren Forderungen kompromisslos nach? Reden Sie öfter über Ihre Tagesplanung, kommunizieren Sie Ihr Bedürfnis nach Freiräumen, wenn sie vorhanden sind, und definieren Sie eine Zeit, in der Sie wieder ungestörte Zweisamkeit genießen können. Denn dieses Privileg steht ihnen nach wie vor zu.
  • Therapeutischen Rat suchen: Ein toxisches Abhängigkeitsverhältnis, welches auf mentalen Problemen aufgebaut wurde, lässt sich schwer allein durchbrechen. Wenn Sie eine emotionale Abhängigkeit lösen möchten, gelingt dies am besten mit einer Therapie. Denn sie behandelt nicht die Symptome einer symbiotischen Beziehung, sondern ihren Ursprung.

Was ist eine symbiotische Mutter-Kind-Beziehung?

Eine symbiotische Beziehung kann nicht nur zwischen einem Liebespaar entstehen. Auch die Liebe zwischen Mutter oder Vater und dem eigenen Kind kann sich zu einer Symbiose entwickeln. In einigen Fällen kann die Mutter oder der Vater nicht mit der sich entwickelnden Selbstständigkeit des Kindes umgehen und versucht Vorwände, Aufgaben, die es bereits allein erledigen kann, abzunehmen.

Auf der anderen Seite kann sich das Abhängigkeitsverhältnis auch vonseiten des Kindes entwickeln, wenn es beispielsweise keinen Freundeskreis hat oder keinen eigenen Hobbys nachgeht, bei denen es Zeit ohne die Familie verbringt.

Eine symbiotische Beziehung zu den Eltern kann Kinder an ihrer persönlichen Entwicklung hindern. Je früher sie erkannt wird, desto leichter kann sie durch therapeutische Hilfe gelöst werden.

Egal, ob die symbiotische Beziehung in der Partnerschaft oder in Abhängigkeit von Mutter und Kind besteht, erste Anzeichen sollten im besten Fall früh erkannt werden, um jeder Person ein unabhängiges und gesundes Leben zu ermöglichen. Liebe bedeutet nicht, voneinander abhängig zu sein, sondern einander den größten Respekt zu zollen und gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen. Liebe bedeutet nicht Selbstaufgabe, sondern gegenseitige Unterstützung.

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Verwendete Quellen:

Gala

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