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Pratfall-Effekt Mit diesem Trick können Sie andere dazu bringen, Sie zu mögen

Pratfall-Effekt: Zwei lachende Freundinnen
© Svitlana Sokolova / Shutterstock
Gemocht zu werden, ist geradezu ein Grundbedürfnis des Menschen. Wie Sie sich den Pratfall-Effekt zunutze machen können, um bei anderen gut anzukommen, erfahren Sie hier.

Als soziale Wesen verspüren wir üblicherweise ein natürliches Bedürfnis danach, gemocht und akzeptiert zu werden. Aus evolutionsbiologischer Sicht ist das kein Wunder: Für unsere Vorfahren hatten Ablehnung und Ausschluss aus der Gruppe oder Gemeinschaft in der Regel einen schnellen Tod zur Folge. Integriert zu sein, war für sie überlebenswichtig.

Auch heutzutage bietet es Vorteile, beliebt zu sein beziehungsweise von anderen Personen sympathisch gefunden zu werden. So würde sich ein:e Arbeitgeber:in bei exakt gleicher Qualifikation von zwei Bewerber:innen vermutlich stets für den:die Bewerber:in entscheiden, die:der ihm:ihr sympathischer ist – vielleicht würde er:sie den sympathischeren Menschen sogar trotz geringerer Qualifikation auswählen. Wenn wir eine Person mögen, sind wir zudem eher bereit, ihr zu verzeihen oder einen Gefallen zu tun, als wenn wir sie nicht mögen. Von daher ist es verständlich und keinesfalls verkehrt, gemocht werden zu wollen. Doch wie stellen wir das am besten an, ohne uns dafür zu verbiegen?

Pratfall-Effekt: Kleine Makel sind besser als Perfektion

Einen Ansatz, der dabei helfen kann, sympathischer zu wirken, bietet der Pratfall-Effekt (zu Deutsch "Reinfall-Effekt"). Diesen Effekt beobachtete unter anderem der Sozialpsychologe Elliot Aronson bei einem Versuch in den 60er Jahren. Im Rahmen eines Experiments bekamen Versuchspersonen Tonbänder vorgespielt, auf denen Menschen Quizfragen beantworteten. Einige dieser Menschen auf den Tonbändern (in Wahrheit waren es Schauspieler:innen, aber das spielt für das Ergebnis keine Rolle) konnten viele Fragen korrekt beantworten, andere wenige. Und: Einige dieser Menschen hatten sich versehentlich Kaffee aufs Hemd geschüttet (beziehungsweise sagten, sie hätten es getan), andere nicht. Hinterher durften die Versuchspersonen angeben, welche Quiz-Teilnehmenden sie sympathisch fanden und welche nicht. Das Ergebnis: Menschen, die sehr viele Quizfragen richtig beantworteten und sich mit Kaffee bekleckert hatten, erzielten deutlich bessere Sympathiewerte als jene, die viel wussten, sich aber nicht bekleckert hatten. Ihr Missgeschick machte sie den Versuchspersonen offenbar sympathisch. Das wiederum legt den Schluss nahe, dass Menschen, die kleinere Schwächen zeigen und Makel aufweisen, eher gemocht werden als scheinbar perfekte Menschen.

Was die Sache aber doch noch etwas verkompliziert: Quiz-Teilnehmende, die nur sehr wenige richtige Antworten geben konnten (unter 30 Prozent), gewannen durch einen Kaffeefleck keine zusätzlichen Sympathiepunkte, sondern verloren dadurch sogar. Somit scheint es, als wäre es für offenbar inkompetente Personen keine sinnvolle Strategie, sich zusätzliche Fehler zu leisten.

Fazit

Der Pratfall-Effekt weist recht eindeutig nach, dass Makellosigkeit tendenziell eher Antipathie bei anderen Menschen weckt. Wer alles weiß und keinerlei Fehler oder Angriffsfläche zeigt, wirkt unsympathisch – oder zumindest unsympathischer als ein Mensch, der alles weiß und einen Fleck auf dem Shirt hat. Perfekte Menschen machen misstrauisch und haben etwas Befremdliches an sich, Fehler fördern Vertrauen und bieten Identifikationspotenzial. Was allerdings ebenso zur Wahrheit gehört: Eine allzu hohe Inkompetenz ist offenbar auch kein großer Sympathietreiber. Wer ohnehin schon durch Unfähigkeit auffällt, kann andere Menschen anscheinend nicht von sich überzeugen, indem er:sie noch ein paar Schwächen oben drauf legt. 

Verwendete Quellen: psychologytoday.com, waldhirsch.de

sus Gala

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