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Mandela-Effekt Deshalb erinnern wir uns an Dinge, die gar nicht passiert sind

Frau nachdenklich auf dem Sofa | Mandela-Effekt: Deshalb erinnern wir uns an Dinge, die gar nicht passiert sind
© fizkes / Shutterstock
Wenn wir uns an etwas erinnern, sind wir in der Regel sicher, dass es sich auch so abgespielt hat. Aber ist das so klug? Der sogenannte Mandela-Effekt legt nämlich nahe, dass unser Gedächtnis uns oft einen Streich spielt.

Wenn uns jemand fragen würde, wie sehr wir unseren eigenen Erinnerungen trauen, würden die meisten vermutlich sagen: uneingeschränkt. Denn wenn wir uns eine Situation, ein Gespräch oder auch etwas, das wir gelesen oder gesehen haben, vor unser inneres Auge rufen, sind wir doch sicher, dass es auch genau so war. Oder? Oft täuscht uns tatsächlich unser eigenes Gedächtnis und gaukelt uns Erinnerungen vor, die so gar nicht passiert sind. Dieses wissenschaftliche Phänomen hat sogar einen Namen: Mandela-Effekt.

Mandela-Effekt: Wenn das Gedächtnis uns etwas vorspielt

Als Mandela-Effekt bezeichnen wir es, wenn wir uns vermeintlich an eine Situation erinnern, die sich so gar nicht oder zumindest anders zugetragen hat. Das passiert sogar recht häufig bei großen Ereignissen, die eine Gruppe von Menschen betreffen. Dabei kreieren wir dann unbewusst neue Erinnerungen – oder missinterpretieren und manipulieren unsere bestehenden.

Den Namen Mandela-Effekt hat die Forscherin und Autorin Fiona Broome geprägt, und zwar in Anlehnung an Nelson Mandela. Es gibt nämlich viele Menschen, die sich sicher sind, dass der südafrikanische Präsident und Freiheitskämpfer in den 80er-Jahren im Gefängnis gestorben ist – dabei wurde er 1990 aus der Haft entlassen und starb 2013 mit 95 Jahren an den Folgen einer Lungenentzündung.

Fiona Broome befasst sich seit 2009 mit der Thematik und hat dafür die Website MandelaEffect.com ins Leben gerufen. Dort haben bis heute mehrere Zehntausend Menschen ihre Geschichten über solche Erinnerungen geteilt, von denen sie ganz überzeugt waren – bis die Personen gemerkt haben, dass sie nicht stimmen.

"Wie sich herausstellte, war die Erinnerung an Nelson Mandelas vermeintlichen Tod nur die Spitze des Eisbergs", so Broome in einem Video auf ihrer Website. "Jeder kann dem Mandela-Effekt selbst zum Opfer fallen. Dazu braucht es nur eine einzige Erinnerung, etwas, bei dem du dir ganz sicher bist, das dann nicht der Wirklichkeit entspricht."

Wie entstehen die falschen Erinnerungen beim Mandela-Effekt?

Es gibt verschiedene Theorien zur Entstehung solcher Erinnerungen. Eine ist die sogenannte Konfabulation. Dieses neurologische Phänomen beschreibt, wie wir unsere Erinnerungen unbewusst verändern oder sogar ganz neue kreieren. Dass wir Ereignisse oder Aussagen erfinden und diese dann als Erinnerungen abspeichern, ist für viele von uns erst mal sehr schwierig vorstellbar. Aber dieses Phänomen ist tatsächlich sehr gängig, denn unser Gedächtnis ist alles andere als objektiv und speichert Dinge nicht wie eine Kamera ab. Stattdessen beeinflussen wir mit unseren subjektiven Empfindungen und Meinungen unsere Erinnerungen fast immer. Beim Mandela-Effekt treiben wir das einfach nur auf die Spitze.

Die Konfabulation spielt zum Beispiel auch bei Alzheimer und anderen Formen von Demenz eine Rolle. Das verdeutlicht noch mal, dass diese Manipulation der Erinnerungen nicht böswillig oder auch nur absichtlich passiert. Stattdessen greift unser Gehirn zu diesem Mittel, wenn ihm etwa im Falle von Alzheimer-Erkrankten Informationen fehlen. Es reimt sich dann selbst etwas zusammen, was ins eigene Weltbild passt, sodass das Ereignis oder Gespräch wieder schlüssig wirkt.

Fiona Broome nennt auf ihrer Website noch eine weitere mögliche Erklärung für den Mandela-Effekt. Sie stellt die Vermutung auf, dass diese falschen Erinnerungen zwar nicht "in dieser Realität" stattgefunden haben – dafür aber in einer möglichen anderen. Dabei geht es um Paralleluniversen. Diese Theorie des Multiversums, das aus allen möglichen Paralleluniversen besteht, stammt aus der Quantenphysik und der Stringtheorie. Demnach wären diese fehlerhaften Erinnerungen also eigentlich gar nicht fehlerhaft – sie haben nur in einem anderen Universum stattgefunden.

Ob der Mandela-Effekt nun eine Art Wurmloch zwischen verschiedenen Paralleluniversen ist oder auf dem neurologischen Phänomen der Konfabulation beruht – er ist auf jeden Fall ein guter Reminder, zwischendurch innezuhalten und zu hinterfragen, ob wirklich alles so wahr ist, was unsere Gedanken uns erzählen.

Verwendete Quellen: mindbodygreen.com, mandelaeffect.com

Gala

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