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Lily Allen übers Singledasein "Man hat sehr viel Zeit zu masturbieren"

Lily Allen
Lily Allen
© Womanizer
Lily Allen kämpft nicht nur am heutigen Singles Day (11.11.) um die weibliche, sexuelle Emanzipation und Empowerment. Sie will das Thema weibliche Masturbation endlich aus der Tabuzone holen. Dafür hat sie sogar ihren eigenen Vibrator auf den Markt gebracht. GALA sprach mit der Musikerin über Selbstbefriedigung, Sexspielzeug in der Ehe und offene Gespräche mit ihren Töchtern.

Lily Allen ist Sängerin, Autorin, Mutter, Ehefrau und seit Neustem auch Botschafterin für weibliche Masturbation, Empowerment und kämpft für das Recht der Frauen auf einen ordentlichen Orgasmus. Themen, die sie bereits in ihrem eigenen Buch ""My Thoughts Exactly"" ansprach und eigentlich auch heute noch oft als Tabuthemen empfunden werden. Um ihrer neuen Rolle gerecht zu werden und den Frauen dieser Welt beim Thema "Selbstbefriedigung" in gewisser Weise unter die Arme zu greifen, hat sie nun ihren ersten eigenen Vibrator herausgebracht. 

Im Zusammenhang mit der Präsentation ihres "Liberty by Lily Allen" hatten wir die Möglichkeit, mit Lily Allen über ihre Kooperation mit dem Sexspielzeughersteller "Womanizer", aber vor allem über ihre Sicht auf genannte Themen zu sprechen und zu fragen, ob sie auch mit ihren Töchter Ethel und Marnie Rose darüber reden wird.

Lily Allen: Weibliche Masturbation ist ein Tabuthema

Lily Allens Motivation über die vermeintlichen Tabuthemen zu sprechen und ihren eigenen Vibrator in Zusammenarbeit mit Womanizer auf den Markt zu bringen, liegt in ihrer Vergangenheit. "Ich habe immer Probleme gehabt, selbst Lust beim Sex und Masturbieren zu empfinden. Ich habe erst spät - in meinen 20ern - angefangen, mich mehr damit auseinanderzusetzen. Ich dachte immer, ich verdiene es nicht, Lust dabei zu empfinden. Und ich denke, vielen Mädchen geht es genauso."

Lily Allen
Lily Allen
© Womanizer

Noch heute sei es völlig normal, dass ein Mann beim Sex zum Orgasmus kommt, eine Frau aber nicht. "Sie fordern es auch nicht. Es scheint ihnen zu gewagt zu sein. Sie ziehen sich zurück und werden passiv, anstatt zu erforschen, was ihnen guttut, was sie kommen lässt ... Sie täuschen es (den Orgasmus, Anm. d. Red.) vor. Ich habe Jahre damit verbracht, es vorzutäuschen." Dieses "Schicksal" will sie anderen Mädchen und Frauen in Zukunft ersparen. "Ich fühle mich so, als ob ich anderen Menschen helfen könnte, indem ich den Orgasmus an die Vorderfront bringe."

Sexual Empowerment, weibliche Masturbation - für Lily Allen keine Tabuthemen

"Sexual Empowerment", also die Bestärkung darin, sich sexuelle Befriedigung zu holen, sei für sie "die Verantwortung für die eigene Lust zu übernehmen und sich in der Lage zu fühlen und gewillt zu sein, eigene Bedürfnisse zu kommunizieren. Ohne sich dabei zu schämen."

Auch mit ihrem Ehemann, Schauspieler David Harbour, bespricht sie diese Themen ganz offen. "Meine Reise (zu ihrer heutigen Offenheit bezüglich besagter Themen, Anm. d. Red.) ist nicht losgelöst von meiner letzten Ehe zu betrachten. Ich hatte definitiv eine Art 'sexuelles Erwachen' in meinen späten 20ern. Und um es klar zu sagen, es lag nicht an meinem Ex-Mann. Ich war zu diesem Zeitpunkt einfach nicht in der Lage, über meine Bedürfnisse zu sprechen. Und ich möchte nicht, dass das erneut passiert. Deswegen ist Kommunikation in allen Bereichen unserer Beziehung sehr wichtig."

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Und so gibt sie offen zu, dass sie auch in ihrer Ehe nicht auf Sexspielzeug verzichtet. "Ich kann natürlich nicht für alle sprechen. Aber ich finde, es macht Spaß." Genau das versteht sie auch unter "Sexual Empowerment", dass "man in der Lage ist, über seine Bedürfnisse zu sprechen, ohne dabei dem Partner das Gefühl zu geben, ihn durch ein Sexspielzeug ersetzen zu wollen. Sondern eher nach dem Motto: Lass uns so viel Spaß wie möglich haben."

"Es gibt viel Vorteile, Single zu sein" 

Doch wie war das früher, als sie noch nicht glücklich verheiratet war? Wie hat sie sich als Single selbst bei Laune gehalten? Wie schaffte sie es, nicht in negative Gedanken abzugleiten, sich selbst wertlos und unvollständig zu fühlen? 

Ich denke, zu lernen, allein glücklich zu sein, ist ein Geschenk. Es ist toll, Zeit für sich zu haben, ein Buch zu lesen, wenn du nach Hause kommst von der Arbeit und im Fernsehen gucken zu können, was man will und zu essen, was auch immer man möchte. Es gibt viele Vorteile, Single zu sein. Und man hat auch viel mehr Zeit zu masturbieren.

Lily Allen bringt ihren eigenen Vibrator heraus - warum?

Bei der Zusammenarbeit mit Womanizer ging es ihr nicht um die völlige Neugestaltung des Kassenschlagers. Ihre Aufgabe war es lediglich, die Farben ihrer Sonderedition "Liberty by Lily Allen" auszuwählen. "Mir geht es um genau solche Gespräche, darum, ganz offen sprechen zu können." In ihrer Rolle als Botschafterin geht es nicht nur um den weiblichen Orgasmus, es geht ihr auch ganz klar um das Selbstbild und vor allem Selbstbewusstsein vieler Frauen.

"Es gibt in der Welt so viele verschiedene Bilder, die Frauen dazu bringen, sich in ihren eigenen Körpern unwohl zu fühlen. Es ist immer dieses Bild einer sexy Frau und wenn du das Gefühl hast, diesem Bild nicht zu entsprechen, dann ist es vermutlich sehr schwer, sich selbst mit diesem Teil des Körpers zu verbinden. So ging es mir jedenfalls. Ich fand es so schwer, mit meinen eigenen Händen zu masturbieren. Hätte ich damals mit irgendwem reden können, der mir gesagt hätte, dass ich es verdiene, einen Orgasmus zu haben und mein Körper dazu auch in der Lage sei, dann hätte mir das so viel Zeit und Sorgen erspart."

Ein ganzes Jahrzehnt habe sie damit verschwendet, "zu denken, dass ich eben eine dieser Frauen bin, die nicht in der Lage sind, einen Orgasmus zu haben. Wenn ich also zu diesem offenen Gespräch beitragen kann und ich damit auch nur einer Person Zeit ersparen kann, dann mach ich das."

Auch mit ihren Töchtern will sie über Selbstbefriedigung reden

Und wie wird das Gespräch mit ihren beiden Töchtern - aktuell sieben und neun Jahre alt - aussehen? Genauso offen und direkt? "Ich habe aktuell noch Probleme damit, ihnen die Notwendigkeit von Zähneputzen zu vermitteln. Ich würde natürlich gern sagen, dass es super wird und wir ganz offene Gespräche führen werden. Aber aktuell sind sie nicht immer so empfänglich für Diskussionen."

Sie definierte ihren Wert über die Befriedigung von Männern

Ansprechen wird Lily Allen diese Themen aber ganz sicher. "Denn ich habe mich in meinen Teenagerjahren und frühen 20ern immer nur wie ein Gefäß für männliche Lust gefühlt. Und das hat mich in viele Schwierigkeiten gebracht ... Mein Wert bestand immer nur darin, wie ich Männern Befriedung verschaffte."

Das möchte sie ihren Töchtern auf jeden Fall ersparen. Denn "für mich war das Bild einer Frau, die einen Orgasmus hat, immer das einer Frau, die Sex mit ihrem Partner hat. Und ich denke, dass wir das trennen müssen; dass nicht immer jemand anderes beteiligt sein muss. Dann sind wir auf einem guten Weg, eine gesunde Einstellung dazu zu bekommen."

Diese Trennung ist für sie die einzig logische Schlussfolgerung, denn, "wenn du hungrig bist, wartest du nicht auf deinen Partner, bis er nach Hause kommt, um zu essen. Also motivieren wir doch die Leute dazu, es zu tun - besonders jetzt im Lockdown."

Verwendete Quellen: eigenes Interview mit Lily Allen, Womanizer

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