Hormonfreie Verhütung: Eine sichere Alternative zur Pille?

Immer mehr Frauen sehnen sich nach einer natürlichen Verhütungsmethode. Aber gibt es neben den hormonellen Verhütungsmitteln, wie Antibabypille und Spirale, überhaupt eine sichere Alternative? Frauenarzt Dr. med. Christian Albring im Gespräch mit GALA

Immer mehr Frauen entscheiden sich für eine natürliche Verhütung und schwören künstlichen Hormonen ab. Aber ist das sicher? 

Der Beipackzettel der Antibabypille verunsichert viele Frauen. Es ist von riskanten Nebenwirkungen, wie Thrombose oder Lungenembolie, die Rede. Laut den jährlichen Reports der Krankenkassen liegt die Pille seit zwei Jahren im Abwärtstrend. 

Wie sicher ist die hormonfreie Verhütung?

Viele Frauen wollen sich weitestgehend von der hormonellen Verhütung distanzieren.  Stattdessen setzen sie zum Beispiel auf Verhütungsapps, die auf zahlreichen Lifestyle-Blogs angepriesen werden. Dr. med. Christian Albring, Präsident des Berufsverbandes der Frauenärzte und niedergelassener Frauenarzt in Hannover, möchte eine deutliche Warnung bezüglich dieser Verhütungsapps aussprechen: "Die natürliche Verhütung ist nur für Frauen empfehlenswert, die eine Schwangerschaft in Kauf nehmen würden." Er würde in den meisten Fällen zu einer hormonellen Verhütungsmethode raten, da diese grundsätzlich sehr zuverlässig seien. "Es gibt über 30 unterschiedliche Varianten von Antibabypillen, die sich in ihrer hormonellen Zusammensetzung stark unterscheiden. Kein anderes Verhütungsmittel bietet eine solche Vielzahl an Möglichkeiten, sich an das Risikoprofil und die Besonderheiten der einzelnen Frau anzupassen", erklärt der Frauenarzt im Gespräch mit GALA die Vorteile der Pille. Trotzdem bietet er Frauen auch hormonfreie Alternativen für Verhütung an.

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Die Kupferspirale bietet einen zuverlässigen Verhütungsschutz, aber für welche Frauen eignet sie sich? 

Die Kupferspirale

Die Kupferspirale hält er zum Beispiel für sehr zuverlässig. Das Verhütungsmittel wird mit Hilfe eines dünnen Röhrchens während der Periode vom Frauenarzt in die Gebärmutter eingeführt. Zu dieser Zeit ist der Muttermund weicher und zugänglicher. Beim Herausziehen des Röhrchens entfalten sich die Seitenarme der Kupferspirale, sodass sie nicht verrutschen kann.  Anders als die Hormonspirale, gibt die Kupferspirale keine Hormone ab.

Stattdessen werden aus dem Kupferdraht geringe Mengen Kupfer in die Gebärmutter freigesetzt. Dadurch verändert sich nicht nur die Gebärmutter-Schleimhaut, sondern auch die Mobilität der Spermien. Sollte es dennoch zu einer Befruchtung kommen, kann sich die befruchtete Eizelle nicht in der Gebärmutter-Schleimhaut einnisten, weil die Spirale selbst als Hindernis wahrgenommen wird: Die Gebärmutter signalisiert bereits besetzt zu sein. Dadurch steigt allerdings auch das Risiko einer Eileiterschwangerschaft. Bleibt die Regelblutung aus, sollte schnellst möglich ein Frauenarzt aufgesucht werden. Es kann im Vorhinein nicht garantiert werden, dass der Körper den hormonfreien Fremdkörper annimmt. Es besteht immer die Möglichkeit, dass die Kupferspirale in den ersten Wochen abgestoßen wird und entfernt werden muss. 

Unglaublich!

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Wem empfiehlt der Frauenarzt die Kupferspirale?

Bei der Kupferspirale muss nicht ständig an die Verhütung gedacht werden. Das Verhütungsmittel, das ohne Hormone funktioniert, wird je nach Modell drei bis fünf Jahre getragen. Dadurch kann es nicht zu Anwendungsfehlern kommen, zum Beispiel durch Vergessen oder Magen-Darm-Beschwerden. "Die hormonfreie Kupferspirale ist sehr zuverlässig und ohne Thromboserisiko", erläutert der Mediziner die Vorteile dieser Verhütungsmethode. Allerdings sei die Kupferspirale nicht für Frauen geeignet, die unter schmerzhaften oder sehr starken Blutungen leiden, da dieses hormonfreie Verhütungsmittel die Blutung noch verstärken könnte. Kleinere Modelle des Verhütungsmittels empfiehlt der Experte auch Mädchen oder Frauen, die noch nicht geboren haben und auf künstliche Hormone verzichten möchten. 

Das Kondom ist das einzige Verhütungsmittel, das vor Krankheiten schützt. 

Das Kondom

Etwa 36 Prozent der sexuell aktiven Deutschen verhüten mit einem Kondom und entscheiden ich damit für eine hormonfreie Verhütung. Das ergab eine Repräsentativbefragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung. Der Frauenarzt sieht in dieser Verhütungsmethode besonders einen Vorteil: "Es schützt vor allem vor sexuellen Infektionen. Abhängig von den Anwendern ist es durchaus zuverlässig."  Allerdings bringt der richtige Umgang mehr mit, als zunächst erwartet. Es zählt nämlich nicht nur die richtige Nutzung, sondern auch die richtige Aufbewahrung. Besonders Männer tragen das Kondom gerne im Portemonnaie mit sich herum. Ein großer Fehler, denn durch die Reibung von Münzen, kann das Kondom schnell beschädigt werden. Der Experte empfiehlt bei neuen oder wechselnden Sexualpartnern immer zusätzlich mit einem Kondom zu verhüten, denn nur dieses Verhütungsmittel schützt vor Krankheiten.

Diaphragma

Während das klassische Kondom vielen bekannt ist, findet die weibliche Variante eher weniger Anklang. Beim hormonfreien Diaphragma handelt es sich um einen Verhütungsring, an dem eine Plastikfolie aufgespannt ist. Der Frauenarzt bezeichnet das Diaphragma als genauso zuverlässig, wie das herkömmliche Kondom. Das hormonfreie Verhütungsmittel sei allerdings nur dann wirksam, wenn es vom Frauenarzt gut angepasst wurde und richtig sitzt. Das Diaphragma muss den Muttermund bedecken und den Zugang zur Gebärmutter versperren. Da Frauen das Verhütungsmittel vor dem Geschlechtsverkehr selbst einführen müssen, wird ein gutes Körpergefühl vorausgesetzt. Für viele Verbraucherinnen ist das Diaphragma als Verhütungsmethode eher unpraktisch, da das Einsetzen umständlich sein kann und vor dem Geschlechtsverkehr eher als unerotisch empfunden wird. Sollte sich ein Paar dennoch für dieses Verhütungsmittel entscheiden, rät Dr. med. Christian Albring ausdrücklich dazu das Diaphragma mit einem Gel zu kombinieren, das die Spermien abtötet. Nur so könne die Verhütungsmethode einen optimalen Empfängnisschutz gewährleisten. Nach dem Geschlechtsverkehr wird das Diaphragma wieder eigenständig von  der Frau entfernt. 

Methoden der Temperaturmessung und Zervixschleim

Während Blogs und Lifestyle-Magazine um die Methode der hormonfreien Temperaturmessung werben, warnt der Frauenarzt davor. "Eine Temperaturmessung erfordert viel Aufwand für die Frau und ist deshalb nur bei sehr sorgfältiger Anwendung geeignet." Das reine Messen der Körpertemperatur am Morgen reiche zudem nicht aus und führe zu unerwünschten Schwangerschaften. Eine Frau müsse stattdessen zusätzlich den Zervixschleims beobachten und ihren Körper sehr gut kennen. Einige Tage vor dem Eisprung wird der Schleim, den die Gebärmutter absondert, flüssiger. Dadurch wird Spermien der Zugang erleichtert. Die Körpertemperatur steigt nach dem Eisprung um 0,2 bis 0,5 Grad. Der Temperaturunterschied macht sich also erst nach dem Eisprung deutlich und somit, wenn es quasi schon zu spät ist. 
Zudem warnt der Frauenarzt vor Armbänder, Verhütungscomputern und Verhütungsapps. Hier würden häufig Messfehler auftreten oder der Eisprung könne sich stressbedingt um ein paar Tage verschieben, was die App nicht anzeigen würde. Um eine ungeplante Schwangerschaft zu vermeiden, ist die zusätzliche Verhütung mit einem Kondom also ratsam. 

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