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Fernbeziehung Wie kann die Liebe auf Distanz funktionieren?

Fernbeziehungen: Funktionieren die heute noch?
Fernbeziehungen: Funktionieren die heute noch?
© Shutterstock
Mit Whatsapp und Skype könnte für Fernbeziehungen das Goldene Zeitalter angebrochen sein. Experten versuchen zwar die Vorteile aufzuzählen, aber die Liebe auf Distanz bleibt zerbrechlich

Am Sonntagabend kullern an Flughäfen und Bahnhöfen regelmäßig die Tränen. "Bis in zwei Wochen!", flüstert er ihr zu und nimmt seine Reisetasche. Laut einer Statistik von "farlove" führt jeder achte Deutsche eine Fernbeziehung. Im Durchschnitt leben die Paare 665 Kilometer voneinander entfernt. Es funktioniert, aber leicht ist es nicht.

Fernbeziehungen waren nie fragiler 

Die Globalisierung der Märkte führt zu einer Globalisierung der Liebe. Es waren nie mehr Menschen bereit, im Ausland zu arbeiten und sich Herausforderungen in der Ferne zu stellen. Der Spagat zwischen Berufs-und Privatleben wird damit immer weiter. Bereits im 19. Jahrhundert sind zahlreiche Briten für die Arbeit nach Indien gereist. Sie haben ihre Verlobten, Ehefrauen und Kinder in der Heimat zurückgelassen. Briefe kamen nur unregelmäßig an – oder gar nicht. Und obwohl es heute Skype, Whatsapp und Sexting gibt, waren Fernbeziehungen nie fragiler. Die Herausforderung ständiger Kommunikation liegt für Männer und Frauen darin, sie auch intim zu halten.  
Eine weitere Challenge bringt unser Konsumverhalten mit sich: Was kaputt ist, wird gerne ausgetauscht. Romantische Beziehungen sind heute einfach weniger verbindlich, was eine Wochenendbeziehung noch komplizierter macht.

Grundvoraussetzung einer glücklichen Fernbeziehung 

In erster Linie ist es wichtig eine gesunde Basis zu schaffen. Beide Partner müssen es zu tausendprozentig wollen. Stau, verspätete Bahnen oder ausfallende Flüge können nervenaufreibend sein. In diesen Momenten ist es wohl nur menschlich, sich über die verkorkste Situation aufzuregen. Zudem ist eine Fernbeziehung eine wahre Kostenfrage. Schließlich bieten weder Flixbus noch die Deutsche Bahn einen Rabatt für Schwerverliebte auf Distanz. Die Grundvoraussetzung ist also, dass der Versuch einer Fernbeziehung tatsächlich gewagt werden will.
Für viele Paare ist es ein Lichtblick, wenn die Fernbeziehung nur für eine absehbare Zeit besteht. Ein Semester für sechs Monate oder eine Fortbildung im Ausland á ein Jahr. In der Zwischenzeit schlagen sich die von "farlove"  2259 befragten Personen hauptsächlich mit folgenden Probleme rum: 

  • 61% der Befragten macht der fehlende gemeinsame Alltag zu schaffen.
  • 57% leiden unter der starken Sehnsucht.
  • 49% haben Probleme mit der fehlenden körperlichen Nähe.
  • Eine Fernbeziehung ist teuer. Durchschnittlich fallen für die Paare jährliche Kosten von 2500 Euro an, um sich wiederzusehen oder miteinander zu kommunizieren.

Wie viel Kontakt soll ich zu meinem Partner haben?

Es wäre unsinnig zu behaupten, dass es ein Patentrezept dafür gebe, wie viele Whatsapp-Nachrichten man täglich verschicken sollte oder dass man mindestens zweimal in der Woche telefonieren müsse. In erster Linie sollte die Kommunikation nicht verpflichtend, sondern freiwillig sein. Sobald man eigentlich lieber mit Freunden ins Kino gehen würde, aber zu Hause bleibt, weil es sonst ein Skype-Gespräch weniger in der Woche gibt, läuft etwas falsch. Genauso muss man sich auch nicht jedes Wochenende sehen. Es ist okay gegenüber dem Partner einzuräumen, dass man eine stressige Woche hatte und trotz Sehnsucht ein wenig Ich-Zeit braucht. Die kommt in Fernbeziehungen nämlich häufig zu kurz, wenn man die Zeit in Bahn und Auto nicht mitzählt.

Eine Fernbeziehung hat auch Vorteile

Sobald die Distanz als Belastung erfahren wird, bekommt die Beziehung einen negativen Beigeschmack. Dabei hat die räumliche Distanz auch Vorteile, wie Natalie Bazarova, eine Kommunikationsforscherin an der Cornell Universität, weiß: "Es scheint, als ob sich Menschen in Fernbeziehungen noch besser die Idealvorstellung ihres Partners erhalten können und sich selbst besser präsentieren können, was durchaus zu mehr Intimität und Zufriedenheit führen kann als mit einem Partner am selben Ort."
Zudem verändere sich die Kommunikation des Paares erheblich: Was man sich normalerweise durch Mimik und Gestik mitteilt, muss in einer Fernbeziehung direkt ausgesprochen werden. Das gilt auch für kritische Themen.
Die Wiedersehensfreude ist bei Männern und Frauen außerdem deutlich größer, man verfällt in keinen Alltagstrott und denkt sich häufiger kleine Überraschungen für den Partner aus.
Letztlich ist wohl wahr: Nicht die Distanz der Städte ist wichtig, sondern die Distanz der Herzen! 

Quellen:Welt, Zeit, SZ

Gala

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