Diagnose gebrochenes Herz: Broken-Heart-Syndrom: Kann man vor Kummer sterben?

Unser Herz kann eine Menge aushalten - aber eben nicht alles. Wie stark Gefühle unser Liebesorgan belasten können, macht uns das sogenannte Broken-Heart-Syndrom auf tragische Weise deutlich. Warum die Erkrankung häufig unerkannt bleibt und inwieweit auch zu viel Glück krank machen kann, erfahren Sie bei GALA.

Broken-Heart-Syndrom: Unser Herz kann zwar vor Kummer nicht brechen, aber es verändert tatsächlich seine Form

Eine 59-jährige Frau öffnet nichtsahnend die Tür. Vor ihr steht ihr 32-jähriger Sohn, den sie nach Jahren der Funkstille zum ersten Mal wieder sieht. Im Arm hält der junge Mann seine dreijährige Tochter. Zu viel für die Mutter, die nicht nur ihren verloren geglaubten Sohn wieder trifft, sondern auf diesem Weg auch gleichzeitig erfährt, dass sie Großmutter geworden ist.

Mit Atemnot, Brustschmerzen und einem Engegefühl im Brustkorb wird die Frau ins Krankenhaus eingeliefert. Die Verdachtsdiagnose Herzinfarkt liegt nahe. Doch bei der Untersuchung wird klar: von einem verstopften Herzkranzgefäß, wie bei einem Herzinfarkt üblich, ist weit und breit nichts zu sehen. Stattdessen fällt etwas ganz anderes auf: eine veränderte Herzform. Die Ärzte hatten sich zunächst auf die Infarktsymptome berufen, müssen aber am Ende die falsche Diagnose korrigieren. Denn anstatt eines Herzinfarkts ist die Patientin am Broken-Heart-Syndrom erkrankt.

Was ist das Broken-Heart-Syndrom?

Das Broken-Heart-Syndrom ist eine Herzmuskelerkrankung, bei der das Herz eine veränderte Form annimmt. Das Syndrom wird in der Fachsprache auch als Tako-Tsubo-Kardiomyopathie bezeichnet. Den Namen vergaben japanische Ärzte, die sich bei der veränderten Herzform an eine japanische Tintenfischfalle ("Tako-Tsubo“) erinnert fühlten. 

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©Gala

Das Broken-Heart-Syndrom kann infolge eines großen emotionalen Stressmoments entstehen - Mediziner sprechen daher auch von der sogenannten Stresskardiomyopathie. Eine außerordentliche emotionale Belastung kann zum Beispiel eine Trennung sein, ein Todesfall oder eine Krebsdiagnose. Aber auch ein extremes Glücksgefühl - zum Beispiel durch eine Überraschungsparty, eine Hochzeit oder eben die Geburt eines Enkels –  kann für das Broken-Heart-Syndrom verantwortlich sein. Wissenschaftler gehen davon aus, dass beide Emotionen gemeinsame Nervenbahnen im zentralen Nervensystem aktivieren, die den Herzmuskel schädigen.

Am ehesten lassen sich die Symptome des Herzleidens mit einem Infarkt vergleichen. Sogar die Laborwerte sowie EKG-Auswertungen können im ersten Moment einen Infarkt vermuten lassen. Obwohl eigentlich das Broken-Heart-Syndrom dahintersteckt. Entsprechend häufig sind Fehldiagnosen.

Broken-Heart-Syndrom oder Herzinfarkt - wo liegt der Unterschied?

Die Symptome des Broken-Heart-Syndroms treten meist unmittelbar nach emotionaler Belastung auf und ähneln denen eines akutes Herzinfarkts. Das können sein:

  • Engegefühl im Brustkorb
  • Massive Atemnot
  • Brustschmerzen, die in Arm, Rücken, Schultern oder Unterkiefer ausstrahlen können
  • Oberbauchbeschwerden
  • Übelkeit
  • Herzrasen
  • Schweißausbrüche

Unterschied zum Herzinfarkt

Der Unterschied zu einem Herzinfarkt liegt im Detail. Beim Herzinfarkt sind die Herzkranzgefäße verengt, beim Broken-Heart-Syndrom nicht. Dafür kommt es zu einer Lähmung des Herzmuskels. Aus diesem Grund arbeitet die linke Herzkammer nicht richtig.

Was passiert beim Broken-Heart-Syndrom?

Starke Emotionen führen zu einer übermäßigen Ausschüttung des Stresshormons Adrenalin. Die Mediziner gehen davon aus, dass die Stresshormone auf den Herzmuskel einwirken und Herzmuskelzellen schädigen können, was wiederum die Pumparbeit des Herzens stört. Die linke Herzkammer arbeitet nicht mehr richtig. Im oberen Bereich, beim Ausflusstrakt, ist sie verengt. Der Herzmuskel ist wie gelähmt. Infolgedessen bläht sich der Herzmuskel im unteren Bereich an der Spitze wie ein Ballon auf. Mit der sogenannten Röntgen-Thorax-Untersuchung kann die Veränderung beobachtet und die Diagnose Broken-Heart-Syndrom gestellt werden.

Broken-Heart-Syndrom: Wer ist betroffen?

Frauen sind vom Broken-Heart-Syndrom öfter betroffen als Männer (90 Prozent der Betroffenen sind Frauen), ältere mehr als jüngere. Das liegt vor allem daran, dass Frauen mit zunehmendem Alter und dem damit verbundenen sinkendem Östrogenspiegel anfälliger für Stresshormone werden. Frauen in den Wechseljahren sind besonders gefährdet. Immerhin 12 Prozent der Patienten sind unter 50.

Kann man durch ein gebrochenes Herz sterben?

Extrem belastende Situationen wie zum Beispiel eine unerwartete Trennung oder der plötzliche Tod eines nahestehenden Menschen sind alles andere als harmlos. Für das Herz ist dieser emotionale Stress ein besonders schlimmer Zustand, der in fast 20 Prozent der Fälle zu Komplikationen führen kann. Das können Herzrhythmusstörungen sein, ein Kammerflimmern oder ein Schock. Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, an einem Broken-Heart-Syndrom zu sterben, nur bei zwei bis drei Prozent liegt - harmlos ist dieses Herzleiden keinesfalls.

Was tun bei einem Broken-Heart-Syndrom?

Wird ein Broken-Heart-Syndrom diagnostiziert, wird man im Krankenhaus behandelt und man selbst kann gar nichts machen. Bei leichten Fällen von Herzschmerz ist es in erster Linie wichtig, den Schmerz zu akzeptieren, die Trauer anzunehmen und nicht zu verdrängen. Einigen Menschen hilft es, sich im Bett zu verkriechen, mit einem traurigen Film oder mit der Lieblingsmusik, Eis oder Schokolade zu naschen und sich selbst zu bemitleiden. Andere wiederum brauchen Ablenkung von außen, gehen unter Leute, unternehmen einen Kurztrip oder machen Sport. Jeder muss seinen eigenen Weg finden. Wichtig ist nur, wenn es auch nach ein paar Monaten noch immer nicht bergauf gehen will, ist es ratsam, sich professionelle Hilfe zu suchen.

Verwendete Quellen: tk, netdoktor

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