Jorge González: So schmeckt Freiheit

Kuba in Aufbruchstimmung: Wie erlebt Jorge González, der mit 17 Jahren nach Europa ging, seine Heimat heute? GALA sprach mit ihm und seinem Vater Gudelio über Freunde, Familie und große Pläne

Jorge González, Gudelio González

Farbe blättert von den verblassten Fassaden, einige Fensterläden hängen schief, Oldtimer knattern durch die Straßen: Der marode Charme der Altstadt von Havanna fasziniert die Touristen. Doch Kubaner wie Jorge González, 48, und sein Vater Gudelio, 94, sehen in den bröckelnden Gebäuden wenig Romantisches. "Ich hoffe, eines Tages wird Havanna wieder eine prachtvolle Stadt sein", sagt Jorge, der mit 17 seine Heimat verließ, um in Europa zu studieren. Seit zwischen Kuba und den USA politisches Tauwetter herrscht, befindet sich der sozialistische Inselstaat im Aufbruch. Jorge und Gudelio González würden sich wünschen, dass gerade jetzt viele Menschen dieses Land für sich entdecken. GALA sprach mit Vater und Sohn.

Wie empfinden Sie den Umbruch in Kuba?

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Jorge González: Kuba verändert sich zum Besseren. Die jungen Leute haben inzwischen Lust, in ihrem Heimatland zu bleiben und hier etwas aufzubauen. Das ist für mich die wichtigste Veränderung überhaupt, denn viele Kubaner haben über Jahrzehnte ihr Land aus politischen und ökonomischen Gründen verlassen. Die Familien wurden dadurch auseinandergerissen. Was furchtbar ist, denn die Familie hat in Kuba einen hohen Stellenwert.

Können Sie Beispiele dafür nennen, welche neuen Chancen die Kubaner nun haben?

Jorge: Eine Bekannte von mir hat jetzt eine eigene Firma und gilt als Repräsentantin kubanischer Unternehmerinnen. Das wäre vor ein paar Jahren noch nicht möglich gewesen. Außerdem habe ich Freunde in der Gastronomie, in der Kultur- und der Architekturszene. Auch sie gründen Unternehmen, und trotz aller Defizite, mit denen wir auf Kuba immer noch zu kämpfen haben, haben sie Erfolg.

Wie ist der Lebensstandard heute?

Jorge: Der hat sich verbessert. Es gibt eine Art freien Markt, der aber dennoch kontrolliert ist. Leider kann einem momentan diese Freiheit sofort wieder genommen werden. Man darf nicht vergessen, dass Kuba immer noch ein sozialistisch-kommunistischer Staat ist. Doch die Leute verdienen Geld und geben es im eigenen Land aus. Die Kubaner beginnen ihre Freiheit zu schmecken.

Empfinden Sie das auch so, Gudelio?

Gudelio González: Auf jeden Fall. Früher war vieles bei uns verboten. Als Jorge Mitte der Neunzigerjahre das erste Mal wieder auf Kuba war, durften wir ihn nicht im Hotel besuchen. Er wollte seiner Mutter eine Freude machen und ihr etwas kaufen, aber sie durfte nicht mit ihm ins Geschäft gehen. Auch nicht am Strand vor dem Hotel baden. Das war für Einheimische ebenfalls verboten.

Inzwischen hat Jorge ein Haus in Havanna, Sie selbst wohnen auf dem Land. Wie gefällt Ihnen die Hauptstadt?

Gudelio: Havanna ist ganz anders als mein Dorf. Viele Häuser in der Hauptstadt sind leider in einem sehr desolaten Zustand.

Jorge: Die Touristen finden das charmant. Aber wenn man ständig in einem Ort lebt, wo das Nachbarhaus verfällt oder sogar das eigene – das hat keinen Charme. Havanna ist für mich die schönste Stadt der Welt, die Architektur ist toll, nur leider ist alles sehr heruntergekommen.

Wie nutzen Sie Ihr Haus hier?

Jorge: Es ist alt, und ich habe alles komplett renoviert. Der Plan ist, daraus eine Art "Bed & Breakfast" zu machen und den Gästen das authentische Kuba zu zeigen. Sie sollen etwas über die Kultur und das kulinarische Angebot lernen. Kuba ist viel mehr als Strand und Sonne, Mojito und Cohiba!

Haben Sie weitere Pläne in Ihrer Heimat?

Jorge: Ich habe wieder die uneingeschränkte kubanische Staatsbürgerschaft bekommen. Das ermöglicht mir, auf Kuba zu investieren. Ich werde eine Firma gründen, die mit Mode, Entertainment, TV und Film zu tun hat. Ich möchte Arbeitsplätze schaffen, weil ich nicht will, dass die Kreativen aus Kuba abwandern.

Sie haben als Jugendlicher Kuba auch deshalb verlassen, weil Homosexuelle diskriminiert wurden. Wie ist die aktuelle Lage?

Jorge: Es ist alles auf einem guten Weg, aber wir kämpfen noch für mehr Toleranz.

Wo fühlen Sie sich heute zu Hause?

Jorge: Ich liebe mein Heimatland, aber Hamburg ist mein Zuhause. Meine Freunde, ein Spaziergang an der Alster, das viele Grün, die gute Luft, meine Cafés …

Gudelio, Sie besuchen Ihren Sohn regelmäßig. Könnten Sie sich vorstellen, nach Deutschland zu ziehen?

Gudelio: Ich lebe ja immer noch in dem Dorf, in dem Jorge aufgewachsen ist. Dort fühle ich mich sehr wohl, habe viele Nachbarn und Freunde, habe von morgens bis abends etwas zu tun. Da will ich bleiben.

Und wie ist es mit Ihnen, Jorge – könnten Sie sich vorstellen, irgendwann einmal dauerhaft in Kuba zu leben?

Jorge: Wenn ich so alt bin wie Papa – vielleicht. Alte Leute sind in Kuba viel besser integriert. Die Jungen sind gerne mit den Alten zusammen, weil sie von ihnen lernen können. Mein Vater ist jetzt 94 Jahre alt, aber er geht immer noch mit mir bis fünf Uhr morgens tanzen. Diese Energie ist in uns Kubanern drin. Das liebe ich!

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